05.05.2020 18:12 |

Forscher warnen:

Zweite Welle könnte in Italien noch tödlicher sein

Britische Forscher haben untersucht, wie sich eine zweite Pandemiewelle von SARS-CoV-2 in Italien auswirken könnte. Schon ein kleiner Anstieg an Mobilität nach dem Lockdown könne eine weitere, noch tödlichere Infektionswelle auslösen, so das Ergebnis der Studie. Auch wenn die Bevölkerung weniger als halb so viel unterwegs ist als vor dem ersten Ausbruch, müsse man mit bis zu 23.000 Todesopfern rechnen.

Selbst wenn die Menschen nach der Lockerung der Maßnahmen weniger unterwegs sind als vor Ausbruch der Krankheit, droht eine zweite Welle - und diese könne noch tödlicher sein, so die Wissenschaftler vom Imperial College in London. Damit bestätigen sie ähnliche Studien aus anderen Ländern, die ebenfalls auf diese Gefahr hinweisen. Das Fazit der Forscher: Die Regierungen hätten nur wenig Spielraum, die Maßnahmen zu lockern, ohne erneut viele Todesopfer zu riskieren.

Strenge Ausgangssperre seit Montag gelockert
Italien ist eines der Länder, die das neuartige Coronavirus weltweit am härtesten getroffen hatte. Nach einem strengen Lockdown gelang es, die effektive Reproduktionszahl unter eins zu bringen, die Pandemie forderte laut Johns-Hopkins-Universität dennoch mehr als 29.000 Todesopfer, etwa 210.000 Italiener infizierten sich mit dem Erreger. Nach zweimonatiger Ausgangssperre wurden die Beschränkungen am Montag etwas gelockert.

Die britischen Forscher analysierten, wie viele Todesopfer in den nächsten acht Wochen zu erwarten wären, wenn sich die Menschen in Italien ähnlich verhalten wie vor der ersten Pandemie-Welle und keine anderen Maßnahmen seitens der Regierung gesetzt werden. Drei Szenarien wurden untersucht: Eine Beibehaltung des Lockdowns sowie eine Steigerung der Mobilität der Bevölkerung, die 20 bzw. 40 Prozent jener vor der Ausgangssperre entspricht.

Bis zu 23.000 Todesopfer bei 40 Prozent Mobilität
Beim zweiten Szenario (20 Prozent Mobilität) rechnen die Wissenschaftler mit 3700 bis 5000 zusätzlichen Todesfällen. Erhöht sich dagegen die Bewegungsfreudigkeit der Italiener auf 40 Prozent, sind sogar 10.000 bis 23.000 Todesopfer in den nächsten zwei Monaten zu erwarten.

Von Herdenimmunität in allen Regionen noch weit entfernt
Von der Herdenimmunität ist das Land trotz der hohen Anzahl an Infektionen „in allen italienischen Regionen“ noch weit entfernt. In den meisten Gebieten liegt die Durchseuchungsrate bei gerade einmal weniger als einem Prozent. In der Lombardei, der am stärksten betroffenen Region, liegt diese im Schnitt bei 13 Prozent. Für eine Herdenimmunität müssten 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung mit dem Erreger infiziert sein.

Forscher: „Soziale Distanz weiterhin erforderlich“
„Die Auswirkungen von Covid-19 auf Italien waren tragisch, aber die Maßnahmen, die ergriffen wurden, um die Auswirkungen der Krankheit zu begrenzen, waren erfolgreich“, resümierte Dr. Samir Bhatt, leitender Dozent an der Imperial‘s School of Public Health und Mitautor des Berichts. Er warnt: „Leider sind soziale Distanz und andere Maßnahmen weiterhin erforderlich, um zu verhindern, dass dieser Erfolg rasch wieder zunichtegemacht wird. Unsere Studie warnt davor, die Bedeutung eines solchen Opfers zu unterschätzen.“

In dem Modell werden die Ergreifung anderer Maßnahmen zur Eindämmung, wie Contact Tracing oder die Isolierung von bereits Infizierten, nicht berücksichtigt. Die Autoren bezeichnen sie daher als „pessimistische Abbildung“. Regierungen wird empfohlen, neuerliche Ausbrüche der Krankheit streng zu überwachen und Kontrollen zu verstärken. So könne man eine neue, rasche Ausbreitung vermeiden.

„Lockdown-Politik kostet auch Menschenleben“
Die Wissenschaftler geben jedoch auch die Nachteile strenger Ausgangsbeschränkungen an: „Was die Analyse jedoch nicht berücksichtigt, ist, dass eine Lockdown-Politik auch Menschenleben kostet“, heißt es in dem Bericht. So steige die häusliche Gewalt, durch eine Erhöhung der Arbeitslosigkeit auch die Armut und auch Depressionen nehmen zu. Andere Krankheiten, wie beispielsweise Krebs, könnten während einer Ausgangssperre außerdem später diagnostiziert werden.

Miriam Krammer
Miriam Krammer
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