25.04.2020 05:00 |

Glaukom

„Ich habe die Erblindung meiner Mutter miterlebt“

Trotz erblicher Belastung bekam Ludwig Roithinger die Diagnose „Glaukom“ nur zufällig. Durch moderne Therapien und konsequenter Anwendung seiner Medikamente konnte der Oberölsterreicher seine Sehleistung erhalten.

Obwohl er es eigentlich besser wissen hätte müssen, nahm der heute 63jährige sein Glaukomrisiko nicht wirklich ernst. Erst 15 Jahre nachdem bei seiner Mutter die Augenkrankheit diagnostiziert wurde, bekam auch er die Mitteilung, dass sein Augendruck erhöht sei - als Zufallsbefund. Es drohte Schädigung der Sehnerv-Zellen.

„Seither bin ich in Behandlung, doch nach einigen Jahren war meine damalige Therapie nicht mehr wirksam“, so der Sozialwissenschafter. Der Schock kam postwendend: „Ich hatte den Krankheitsverlauf meiner Mutter noch in Erinnerung. Die Aussicht, langsam zu erblinden ist eine wirklich erschreckende Erfahrung ...“.

Dr. Roithinger suchte nach einem Spezialisten und fand ihn in Dr. Anton Hommer, OA der Augenabteilung der Krankenanstalt „Sanatorium Hera“ in Wien und Vorreiter beim Aufruf, regelmäßig zur Glaukomuntersuchung zu gehen. Vor allem ab dem 50. Lebensjahr (dann verdoppelt sich die Gefahr alle 10 Jahre), bei stärkerer Kurzsichtigkeit und familiärem Risiko: „Es handelt sich um eine schleichende, nicht schmerzhafte Erkrankung, das ist heimtückisch. Erst wenn bereits ein Großteil des Sehnerven abgestorben ist, nimmt die zentrale Sehschärfe ab - das lässt sich nicht mehr rückgängig machen.“

In Österreich ist das Glaukom (früher „Grüner Star“ genannt) zweithäufigste Erblindungsursache vor Makuladegeneration. 80.000 Menschen sind betroffen, die Patientenzahl wird sich in Zukunft mit steigender Lebenserwartung noch vervielfachen. „60 Prozent aller Glaukome werden nicht oder zu spät erkannt. Dabei sind die modernen Diagnosemethoden ausgezeichnet und unkompliziert“, so der Facharzt. Dazu dient Augendruckmessung (reicht alleine nicht aus!), Beurteilung des Augenhintergrunds, am besten mittels OCT (Optische Kohärenztomographie) zur „Abtastung“ mit Licht, Gesichtsfelduntersuchung.

Für Dr. Roithinger Kontrollmaßnahmen, an die er sich akribisch hält. Fand sich dann doch noch ein passendes Medikament zum Eintropfen für den Oberösterreicher, eine lebenslange Therapie. So konnte er bereits seit 18 Jahren seine Sehkraft erhalten, und zusammen mit seiner Frau lange Berg- bzw. Wandertouren sowie Trekkingtouren in allen Teilen der Welt ohne Einschränkungenwegen seines Augenleidens erleben.

Als passionierten Literaturliebhaber wäre es für den vielseitig Interessierten eine Katastrophe, nicht mehr gut lesen zu können. Deshalb nimmt er auch an Glaukom-Studien teil: „Ich bin wirklich dankbar, dass wir in einem Land leben, wo sich der medizinische Fortschritt rund ums Glaukom im Vergleich zu der Zeit, in der meine Muter gelebt hat, so bemerkenswert weiterentwickelt hat. Dazu möchte ich etwas beitragen.“ Derzeit läuftlaut Dr. Hommer zufolge an mehreren Zentren in Österreich eine Patiententestung in Phase 3 mit einer Substanz zur Senkung des Augendrucks, die einen ganz neuen Wirkmechanismus nutzt.

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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