Corona-Krise in Tirol

Psychologin: „Setzen wir uns realistische Ziele“

Tirol
19.03.2020 11:00

Krisen sind ihr Spezialgebiet. Die Psychologin Barbara Juen von der Uni Innsbruck erklärt, wie Familien mit der Isolation umgehen können und wie man Kindern und Senioren das Unbegreifliche begreifbar macht.

„Krone“: Sie sind Mitbegründerin der ersten Rotkreuz-Kriseninterventionsteams. Wie kann man unter rigorosen Ausgangsbeschränkungen wie derzeit Panik und Konflikte in der Familie verhindern?
Barbara Juen: Für die Quarantäne haben wir in der Krisenarbeit folgende Ratschläge: Sich als Einzelperson und als Familie realistische Ziele setzen. Das kann sein: ein Tagebuch schreiben, neue Fertigkeiten lernen, aufräumen, Arbeiten erledigen, die sonst immer liegen bleiben, wieder mal alle gemeinsam Filme anschauen oder spielen. Jedenfalls aktiv bleiben!

Wie funktioniert Stressmanagement?
Jeder muss herausfinden, was zu ihm passt: Autogenes Training, Yoga, Meditation. Es gibt viele Möglichkeiten. Grundsätzlich gilt: Gefühle akzeptieren! Akzeptieren, dass jeder anders reagiert. Manche bagatellisieren, andere denken ständig an das Schlimmste. Versuchen wir, die Mitte zu finden.

Barbara Juen (Bild: Österreichisches Rotes Kreuz)
Barbara Juen

Wie sollen ältere Menschen damit umgehen? Sie sind besonders gefährdet, oft besonders isoliert und haben wenig Übung darin, soziale Kontakte übers Internet zu pflegen.
Da haben die Jüngeren die Aufgabe, die Älteren vor sozialer Isolation zu bewahren. Anrufen, ihnen neue Medien nahe bringen. Wichtig: klassische Informationskanäle wie Radio, Fernsehen oder Zeitung für Ältere zugänglich machen und ihnen über diese Kanäle Informationen geben, die auf sie zugeschnitten sind. Manchmal muss man auch bestimmte Dinge „übersetzen“, die berichtet werden. Einige haben bereits einen Krieg erlebt und neigen dazu, die jetzige Situation zu unterschätzen.

Was raten Sie denen, die nicht auf Distanz gehen können: Ärzte, Polizisten, Handelsangestellte, Pfleger?
Für sie kommt es besonders darauf an, gute Informationen zu bekommen. Zu wissen, dass die eigene Familie sicher und versorgt ist und eine Gemeinschaft zu erleben mit den anderen Kollegen, aber auch Möglichkeiten zu haben, Pausen zu machen.

(Bild: ©DeeMPhotography - stock.adobe.com)

Wie erklärt man Kindern das, was jetzt passiert?
Kinder wollen wissen. Man kann sich von ihren Fragen leiten lassen und kindgerecht und ehrlich Antwort geben. Die kindliche Fantasie kann ablenken, aber auch Ängste schüren. Je offener das Klima für Fragen ist, umso besser. Bei Jugendlichen ist es schwieriger, weil sie eher die Gleichaltrigengruppe als Bezugspunkt nehmen. Auch hier hilft eine offene, diskussionsbereite Atmosphäre. Bei Kindern hilft, den Medienkonsum zu Corona einzuschränken bzw. zu überwachen. Sicherheit geben durch einen strukturierten Alltag. Selbst ruhig bleiben, denn Angst ist ansteckend!

Kann man als Mensch so eine Dimension einer Krise überhaupt mental fassen?
Für den Laien sind viele Aspekte nicht unmittelbar verständlich. Es ist daher Aufgabe der verantwortlichen Stellen, Informationen verständlich aufzubereiten. In der Psychologie sprechen wir von Krisenkommunikation. Das Wichtigste dabei: ehrlich, transparent, gut verständlich und immer wieder der Hinweis, dass jeder was dazu beitragen kann.

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