27.02.2020 15:21 |

1500 Streikende

Großkampftag im Pflegesektor für 35-Stunden-Woche

Im Ringen um eine Lösung bei den KV-Verhandlungen in der Sozialwirtschaft greifen die Gewerkschaften zu plakativen Maßnahmen. Am Donnerstag entrollten sie im Rahmen der zweitägigen Streikmaßnahmen ein Großtransparent an einer Hausfassade in Wien-Leopoldstadt. Die Aufschrift: „35 Stunden sind genug - gerechte Arbeitszeit jetzt!“ Am Nachmittag versammelten sich 1500 Streikende zu einem Protestmarsch auf das Sozialministerium. Sie hielten Transparente mit Slogans wie „Geld oder Leben“ und kritisierten vor allem die „anhaltende Arroganz“ der Arbeitgeber bei den Verhandlungen. 

Die Gewerkschaften vida und GPA-djp als KV-Partner für die Betriebe in der Sozialwirtschaft protestierten mit dem 100 Quadratmeter großen Plakat für eine Arbeitszeitverkürzung in sozialen Berufen. Mit dem Transparent an deren Zentrale führe man dem Management des privaten Pflegedienstleisters Senecura vor Augen, „dass auch ihre Beschäftigten eine gerechte Arbeitszeit in Form einer 35-Stunden-Woche fordern“, teilten die Gewerkschafterinnen Eva Scherz und Michaela Guglberger mit. Senecura ist einer der größten profitorientierten Pflegeheimanbieter Österreichs.

„Das Potenzial ist da, wir müssen es nur nützen“
Scherz und Guglberger betonten beim Entrollen des Transparents, dass die Branche vor großen Herausforderungen stehe. „Fachkräfte werden händeringend gesucht. Das Potenzial ist da, wir müssen es nur nützen“, sagten sie. „Das gelingt, wenn die Arbeitsbedingungen stimmen. Wir sind überzeugt, dass eine Arbeitszeitverkürzung ein richtiger und wichtiger Schritt in die Zukunft ist, der mehr Freizeit für Vollzeitbeschäftigte und mehr Geld für Teilzeitbeschäftigte bringt“, bekräftigen die beiden.

Großdemo mit 1500 Streikenden am Praterstern
An der Streikdemo der Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) beteiligten sich mehr als 22 Organisationen, darunter etwa die Lebenshilfe Wien, Jugend am Werk und der Wiener Behindertenbereich. Etwa 1500 Teilnehmer versammelten sich am Donnerstagnachmittag am Praterstern, um sich gemeinsam auf den Weg zum Sozialministerium zu machen.

WKO-Chef Mahrer Ziel der Kritik
Die Kritik der Protestierenden richtete sich unter anderem an WKO-Präsident Harald Mahrer, der die geforderte Arbeitszeitverkürzung als „Jobvernichtungsmaschine“ bezeichnet hatte. Mehrere Redner verwiesen auf dessen Aussage mit dem Hinweis, sich „nicht für blöd“ verkaufen lassen zu wollen. 

Die Arbeitgeberseite habe ein „lächerliches Angebot“ von einer 2,7-prozentigen Lohnerhöhung für die Jahre 2020 und 2021 vorgelegt. Bereits am Sonntag hatte die GPA-Vorsitzende Barbara Teiber der Sozialwirtschaft „völlige Ahnungslosigkeit“ in Sachen KV-Verhandlungen attestiert. Zuletzt hatte die sechste Runde der KV-Verhandlungen mit „null Annäherung“ geendet.

Zahlreiche Redner am Praterstern verteidigten ihre Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich und präsentierten sich kampfbereit: „Wir sind das Rückgrat dieser Stadt“, sagte etwa Derya Dagasan, eine Beschäftigte bei Bildung im Mittelpunkt. Der Großstreik ist der Höhepunkt einer zweitägigen Streikwelle der Gewerkschaften, an der sich mehr als 400 Betriebe beteiligten. Die nächsten KV-Verhandlungen finden am 2. März statt. 

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