In Dialog gesetzt wurden die Arbeiten mit vier frühen Kurzfilmen von David Lynch, dessen Film "Blue Velvet" für Manson "eine große Inspiration" war.
Manson mag Schieles "seltsame Schönheit"
"David Lynch ist in seinem Herzen ein Künstler, der nur zufällig ein Regisseur ist", konstatierte Manson vor versammelter Presse. Für Kunsthallen-Direktor Gerald Matt, der die Schau gemeinsam mit Catherine Hug kuratiert und in Kooperation mit der Galerie Brigitte Schenk in Köln realisiert hat, steht Manson Lynch künstlerisch auch deutlich näher als etwa Egon Schiele oder Gottfried Helnwein: "Das sind unzureichende Analogien", so Matt, auch wenn Manson deren Einflüsse gar nicht abstreiten will: "Was ich an Schiele mag, ist die seltsame Schönheit, mit der er Sexualität darstellt."
Malerei für Manson wichtiger als Musik
Manson besuchte keine Kunstschule, zu malen begann er während der Arbeit am Album "Mechanical Animals" (1998). Trotzdem will er die beiden künstlerischen Bereiche Musik und Kunst auf keinen Fall vermischen: "Das ist für mich etwas ganz Anderes", so der Künstler, "in meinen Bildern sage ich, was ich über die Menschen denke; das ist etwas, das ich in meinen Liedern nicht tue." Außerdem halte er die beiden Bereiche auch so gut wie möglich getrennt, um die Malerei nicht nur wie ein Hobby wirken zu lassen. Die Kunst sei mittlerweile sogar wichtiger für ihn als die Musik - und sie kommt auf den ersten Blick auch um einiges weicher daher.
Ein schlichtes "MM" in Bleistift in der rechten Ecke, sanfte Pastelltöne in weichen Aquarellzügen - und das Motiv ein abgemagerter Körper auf einem Bett, das Gesicht schmerzverzerrt, der Schädel offen, darunter eine Blutlacke. "Everyday it hurts to wake up" (2002) ist nur eines der ausgestellten Werke, die den Kontrast von sanfter Malerei mit harten Themen wie Schmerz, Selbstverstümmelung und Folter aufzeigen. "Ich versuche, Dinge auf die Art und Weise zu malen, in der ich träume", erklärt Manson die weichen Züge in seinen Werken.
Skelette und Aliens
Der 41-Jährige, der sich als Musiker selbst zur Kunstfigur stilisiert hat, ist auch selber in einzelnen Bildern zu erkennen: So erinnert sein wohl bekanntestes Bild, "The men who eats his fingers" (2006), an einen bleichen, stark geschminkten, beinahe furchterregenden Manson. Überhaupt sind skelettartige Körperformen ebenso oft zu sehen wie Alien-artige Wesen mit überdimensional großem Kopf. Einen besonderen Fokus legt Manson auf die Augen: ob blutunterlaufen, ungleich groß, in Form schwarzer Löcher oder als leere, helle Höhlen, sie stechen in den Werken stets hervor.
Kunsthallen-Direktor Matt war von der Qualität der Werke "positiv überrascht", wie er gestand. Für ihn bewegt sich Mansons Malerei in einer "existenziellen Twilight-Zone". Drei Werke hat der US-Star extra für die Ausstellung angefertigt, zwei davon zeigen ein Herz in der Mitte des Bildes: einmal klein, verletzlich und rosa auf einer hellen, verspielt wirkenden Fläche, das andere Mal groß, dunkelrot und blutunterlaufen. "In jedem Liebesschmerz ist auch etwas Weiches vorhanden", schildert Manson den Hintergrund der noch unbenannten Werke. "Ich will es aber nicht genau definieren, jeder soll seine eigene Bedeutung daraus ziehen."
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