24.12.2019 12:00 |

Weihnachten im Häfn

Dreifache Mama fragt: „Wo ist die Gerechtigkeit?“

Den Heiligen Abend wird eine Flachgauer Familie mit drei Kindern ohne ihre Mama verbringen: Die 33-Jährige sitzt nämlich im Salzburger Puch hinter Gittern. Zehn Jahre Haft hat sie im März ausgefasst - eine einzige Geschworenenstimme hat zur Verurteilung wegen versuchten Mordes geführt. Ein Hilferuf aus dem Frauentrakt.

„Wo ist die Gerechtigkeit“, fragt sich die Frau, die zum Schutz ihrer Familie anonym bleiben möchte: Sie verstehe es nicht. Im Vergleich zu anderen Fällen sei sie zu hart bestraft worden, meint sie zur „Krone“.

Mindeststrafe von zehn Jahren ist rechtskräftig
Sie habe in jener Nacht des 2. Oktober 2018 einfach alkoholbedingt überreagiert: Mit zwei Promille intus würgte sie ihre Nachbarin. Seither fristet die Mutter dreier Kinder ein Zellendasein. Dass sie im März verurteilt werden würde, sei ihr bewusst gewesen. Aber nicht wegen versuchten Mordes. Es war auch denkbar knapp: Mit fünf zu drei Stimmen bejahten die Geschworenen die Mord-Frage. Bei vier zu vier wäre es zu ihren Gunsten ausgegangen. Sie hadert damit: „Zehn Jahre sind einfach zu viel.“ Dabei ist es eigentlich die Mindeststrafe: Auf Mord, auch wenn die Tat nur im Versuch war, beginnt die Strafdrohung bei zehn Jahren und endet bei 20 Jahre oder lebenslang.

Briefe der Kinder an Behörden blieben unerhört
Bei der Berufungsverhandlung im Oktober bat sie den Richter-Senat noch um Milde. Ihr Verteidiger Stefan Huber kämpfte um eine außerordentliche Strafmilderung - wie in Paragraf 41 Strafgesetzbuch beschrieben. Eine geringere Strafe wäre möglich. Mit einem Aber: „Es wird nur in äußersten Ausnahmefällen erteilt“, erklärt Huber. So war es auch.

Das Oberlandesgericht bestätigte das Ersturteil. Es ist damit rechtskräftig. Briefe ihrer Kinder an Behörden und Justizministerium blieben unerhört. Sie wäre gerne bei ihnen, aber es bringe nichts. Fünf bis sechs Jahre werde sie - laienhaft gesagt - selbst bei „guter Führung“ noch absitzen müssen: „Ich mache das Beste daraus. Die Arbeit hier ist die beste Medizin.“

Antonio Lovric
Antonio Lovric
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Donnerstag, 13. Mai 2021
Wetter Symbol