19.11.2019 10:00 |

Schutz der Kleinsten

Darum gehören Kinderfotos nicht ins Internet

Ultraschallbilder, Geburts-Selfies oder gar ein Live-Stream aus dem Kreißsaal: Selbst die Kleinsten unter uns werden ab dem Zeitpunkt der Befruchtung dem Internet präsentiert - ob sie es wollen oder nicht, kritisiert die Initiatorin der Kampagne „Dein Kind auch nicht“, Toyah Diebel. Anlässlich des Tags der Kinderrechte an diesem Mittwoch ruft die Bloggerin alle Eltern dazu auf, ihre Sprösslinge auch im Netz zu schützen.

„Wir selbst wollen auf unseren Profilen und Accounts immer im besten Licht und bestem Filter wahrgenommen werden, bei unseren Kindern sind wir da aber nicht so streng“, kritisiert Diebel. „Egal ob diese weinen, lachen oder schlafen, alles wird gepostet, dokumentiert und kommentiert. Selbst Kinder auf dem Töpfchen sitzend, vollgekotzt oder nackt in der Badewanne finden wir gerade gut genug, um diese dann ins Internet zu laden. Privatsphäre? Nein, danke.“

Verstoß gegen Kinderrechte
Ohne überhaupt zu wissen, von wem diese Bilder eigentlich angesehen und weitergeschickt würden, schickten Eltern ihre Kinder auf Fotos und Stories durchs Netz und verstießen damit tagtäglich gegen deren Rechte, so die Bloggerin und Initiatorin der Kampagne „Dein Kind auch nicht“. Das Ganze verkauften sie dann „als harmlosen Spaß, der den Kleinen angeblich, ganz, ganz große Freude bereitet“ - wie sonst solle man die Kooperationen rechtfertigen, die schließlich ein paar Euros in die elterliche Kasse oder kostenloses Spielzeug ins Kinderzimmer spülten, fragt Diebel.

Das Internet vergisst nicht
Was der später mal erwachsene Mensch wohl davon hält? „Auch egal, kann man ja löschen dann, also vielleicht, irgendwie halt. Geht nicht? Ach, keine Ahnung, auch nicht so schlimm“, spielt Diebel zynisch auf die Problematik des niemals vergessenden Internets an. Dadurch werde dort „eine vorgeformte, unveränderliche Identität“ des Kindes erschaffen - ob es dies wolle oder nicht.

Eltern in der Pflicht
Entsprechend hart geht Diebel mit nach Aufmerksamkeit heischenden Eltern ins Gericht: „Social-Media generiert in uns Erwachsenen den dringenden Wunsch nach Aufmerksamkeit, Likes und vielen Followern, wir wollen Anerkennung für alles, was wir tun, egal von wem, Hauptsache von vielen. Doch ob unsere Kinder das auch möchten, müssen sie irgendwann selbst entscheiden dürfen. Wir sind dafür verantwortlich, dass die Rechte von Kindern eingehalten und geschützt werden, das gilt auch im Internet.“

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