04.11.2019 05:02 |

Allergischer Schock

Achtung: Diese Küsse können sogar tödlich enden!

Verliebte Allergiker leben gefährlich - aber nicht nur die: im Extremfall droht ein sogenannter anaphylaktische Schock, der eine lebensbedrohliche Situation hervorrufen kann.

Es passierte zwar in Kanada, ist aber auch in Österreich möglich: Für eine 20-Jährige endete ein Kuss tödlich! Der Freund hatte nämlich Allergene über seinen Speichel übertragen, die junge Frau starb an einem anaphylaktischen Schock. Selbst Sex kann also zu diesem fatalen Ereignis führen. Im konkreten Fall hieß der „Täter“ Erdnussbutter. Das Paar hatte sich erst sehr kurz gefunden, weshalb der Mann noch nichts von der Erdnussallergie seiner Partnerin wusste. Nachdem er ein Sandwich mit Erdnussbutter gegessen hatte, kam es zum Kuss und zur Katastrophe - Schock und Tod im Krankenhaus. In Österreich endet diese schwerste Form der allergischen Reaktion jährlich für rund 10 Personen letal. Hauptauslöser sind Insektengifte und Nahrungsmittel. Hier besonders häufig eben Produkte mit Erdnüssen. Während bei anderen Substanzen meistens nur größere Mengen lebensbedrohend sind, reichen bei Erdnüssen schon winzige Spuren. Die Allergene können nicht nur durch Speichel, sondern auch mit dem Sperma übertragen werden. Aus dem Internet: 2007 zeigte eine Frau allergische Reaktionen auf Paranüsse, obwohl sie keine gegessen hatte. Es stellte sich heraus, dass es ihr Partner war - nach dem Sex blieben die Allergene der Paranuss noch stundenlang im Sperma nachweisbar.

Schock durch Allergie
Wie kommt es zum allergischen (anaphylaktischen) Schock? Grundsätzlich handelt es sich um die übliche, überschießende Immunantwort bei Allergikern. Allerdings in extremer Form. Im Körper der betroffenen Person spielt sich Folgendes ab: Beim Kontakt mit dem nicht vertragenen Stoff wird sofort massenhaft Histamin ausgeschüttet. Dieses Gewebehormon erweitert schlagartig die Blutgefäße in der Peripherie - das heißt, sehr viel Blut sackt in Arme und Beine ab. Es fehlt dann im Körperinneren, also auch in Herz, Hirn und Lunge. Erste Symptome treten sehr rasch auf: Atemnot, Juckreiz, Hautausschlag, Kribbeln am Gaumen, Schluckbeschwerden, das Herz schlägt plötzlich unregelmäßig (Rhythmusstörungen). Es kommt zu Schwellungen im Kehlkopfbereich (Erstickungsgefahr!) und Flüssigkeitsmangel. Dadurch sinkt der Blutdruck dramatisch ab, der Kreislauf bricht sehr rasch zusammen. Zunächst werden die Geschockten ohnmächtig. Wenn nicht rasch Hilfe erfolgt, gibt es kaum eine Überlebenschance.

Woran man sterben kann
Todesursachen sind krampfartige Verengung der Bronchien (die Betroffenen ersticken), weiters Atemstillstand und Herzstillstand. Im Verlauf einer anaphylaktischen Reaktion kann auch ein Herzinfarkt eintreten. Bei der Obduktion findet man oft Lungen-, Leber- und Milzstau sowie Schwellungen im Magen-Darmbereich - Hinweise dafür, dass die Anaphylaxie den ganzen Körper betrifft. Aus diesem Grund wird Allergiepatienten dringend geraten, eine Spritze mit Adrenalin mitzuführen, die im Bedarfsfall rasch angewendet werden kann: Injektion allenfalls auch durch die Kleidung in den Oberschenkelmuskel! Zum Notfallset gehören weiters ein Antihistaminikum und ein Kortisonpräparat zum Schlucken. Es mag hier seltsam klingen, aber auch bei der schwersten Folge einer Allergie ist die beste Hilfe ausreichende Vorbeugung! Sie ist zwar nicht immer möglich, aber vielfach doch: Zum Beispiel sollte jeder Mensch nicht nur über eine bestehende Allergie Bescheid wissen, sondern auch eine entsprechende Information immer bei sich tragen. Dann kann der Arzt im Notfall richtig reagieren. Außerdem entgeht er der Gefahr, ausgerechnet ein Mittel zu verabreichen, gegen das sein Patient allergisch ist.

Für den Arzt, aber auch Personen im Umfeld des Geschockten gibt es eine Faustregel: Je früher sich die Reaktion zeigt, desto schlimmer wird sie sein. Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad. Beschränken sich die Symptome auf die Haut (Ausschlag) und bleibt der Kreislauf stabil, beginnt man mit der Einnahme von Medikamenten (Antihistaminika). Allerdings wird der Arzt vorbeugend einen venösen Zugang für eventuell nötige Infusionen anlegen. Im Schock gelingt es nämlich nur noch schwer, eine passende Vene zu finden. Werden die Krankheitszeichen stärker, setzt man Cortisonpräparate ein. Dazu fallweise Medikamente, welche die Bronchien erweitern. Kündigt sich der Schock deutlich an, greift man selbst (falls noch möglich), der Arzt oder ein Helfer zu Adrenalin, das günstigerweise - wie oben erwähnt - von Allergikern mitgeführt werden sollte (Einmalspritze).


Noch im Spital bleiben!
Ansonsten gelten bei der Anaphylaxie dieselben Grundsätze wie bei anderen Schockformen. Sinkt der Blutdruck bedrohlich ab, sind Infusionen notwendig, damit das Blutvolumen wieder ansteigt. Das hebt den Blutdruck. Wer das Gröbste überstanden hat, sollte dennoch mindestens eine Nacht im Krankenhaus bleiben. Vereinzelt kann nämlich auch nach mehreren Stunden ein sogenannter Spätschock auftreten. Zum Glück gehen Kontaktallergien meistens viel glimpflicher aus. Die häufigste Reaktion zeigt sich auf der Haut. Da genügen oft nur Salben und künftig die Vermeidung des Allergens. Kurz zurück zum Start: Wer zur Risikogruppe gehört, sollte unbedingt den jeweiligen Partner informieren - Stichworte Speichel und Sex.

Dr. med. Wolfgang Exel, Kronen Zeitung

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