Politik sucht Rezept

Nur ein Kassen-Kinderarzt für 60.000 St. Pöltner

Seit Oktober steht in Niederösterreichs größter Stadt nur ein Kassen-Kinderarzt in „Vollzeit“ zur Verfügung. Das wird vorerst auch so bleiben, denn: Für die ausgeschriebene Stelle in St. Pölten sind noch keine Bewerbungen eingelangt. In den Ordinationen, aber auch bei der Krankenkasse läuten deshalb schon die Alarmglocken.

„Zwischen St. Aegyd und Krems, aber auch von Melk bis nach Wien bin ich derzeit eigentlich der Einzige“, weiß Robert Artmann. Als einziger Kassen-Kinderarzt in St. Pölten spult er derzeit ein Pensum von bis zu 60 Arbeitsstunden pro Woche ab und erklärt: „Wir sind absolut am Limit.“ Neu aufnehmen kann er daher nur Babys, allen anderen muss der Besuch beim Hausarzt nahegelegt werden.

Der Arztbesuch mit dem eigenen Kind wird für Eltern somit mehr und mehr zum Spießrutenlauf. Die einzige echte „Kassen-Alternative“, ist Julia Kubinger, Kinderärztin in Böheimkirchen. Sie öffnet ihre Ordinationstüren allerdings nur für zehn Stunden pro Woche.

PVZ versorgt bereits 800 Kinder
Neben den Hausärzten und dem Krankenhaus, hat sich auch das Primärversorgungszentrum (PVZ) in Harland zur Anlaufstelle entwickelt. „Wir versorgen aktuell bereits etwa 800 Kinder pro Quartal“, berichtet Rafael Pichler, der leitende PVZ-Arzt. Vor Ort könne man zwar gewisse Untersuchungen und Impfungen bei den Kindern durchführen, für spezifischere Untersuchungen sei man jedoch „einfach auch gar nicht ausgebildet“, analysiert Pichler. Nun steht obendrein auch noch fest, dass die so dringend benötigte zweite Kassenstelle zumindest kurzfristig auch gar nicht besetzt werden kann. Die aktuelle Stellenausschreibung endete bereits am Montag. Dafür beworben hat sich niemand.

Politik will rasche Maßnahmen setzen
Alarm geschlagen wird daher auch von der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse selbst. „Die Politik, aber auch die Spitäler, sind dringend gefordert“, meint NÖGKK-Direktor Günter Steindl. Die für das Gesundheitsressort verantwortliche Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SP) fordert ihrerseits indes ein ganzes Bündel an Maßnahmen, „die rasch Wirkung zeigen“.

Zitat Icon

"Bevor sich nicht maßgeblich die Rahmenbedingungen für Jungärzte verbessern oder attraktiver gestaltet werden, wird sich an der Gesamtsituation schwerlich etwas ändern."

Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig

Nikolaus Frings, Kronen Zeitung

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