14.05.2010 21:45 |

BMW "Xaver 1"

Der X1 stülpt sich über den Fahrer wie ein Handschuh

Ein junger Mann, nennen wir ihn Xaver, hört Stimmen, seit er zum ersten Mal in einem BMW X1 gesessen ist. Genauer gesagt ist es nur eine einzige Stimme, und zwar eine sehr sonore, kräftige, eindringliche Stimme. Und die wird nicht müde, dem armen Untertanen den Auftrag einzusagen: Kauf dir den X1, wirf den Motor an und dich ins Vergnügen. Allein, zunächst mangelte es an einer auch für Xaver leistbaren Einstiegsversion. In München hat man die Rufe des Volkes mittlerweile erhört und so spannt sich das Diesel-Band nun von 143 PS im 18d bis zu 204 PS im 23d. Wird X. nun glücklich? Ja, er wird.

Ein BMW ist per se ein Auto, das man nicht ohne Emotionen betrachten sollte, aber 143 PS in einem weit über 1,5 Tonnen schweren Auto mit Allradantrieb – bleibt da noch Raum für Spaß? Absolut,  denn der X1 stülpt sich über den Fahrer wie ein Handschuh. Die Kombination aus Lenkung (weiches Leder am Lenkradl ist Serie) und Fahrwerk vermittelt ein Gefühl für die Fahrbahn, als wenn man mit den Fingern über die Straße laufen würde. Die rechte Hand greift direkt ins Getriebe, so knackig und exakt führt der Schalthebel durch die sechs Gänge. Durch den Allradantrieb kommt das ESP kaum zum Einsatz und man schießt förmlich durch Kurven. Die erhöhte Sitzposition vermittelt eine Extraportion Souveränität.

Klar, im 23d wird der Handschuh zum Fehdehandschuh und man wird zu einem kleinen König der Landstraße, mit 7,3 Sekunden für den Hundertersprint und einem Fahrwerk, das Sport statt Sänfte in den Genen hat. Doch auch der kleinste Diesel ist nicht schwach auf der Brust, auch wenn er die 100 knapp nicht unter 10 Sekunden schafft. Trotzdem passt der Handschuh und man fühlt sich nicht untermotorisiert, immerhin drücken ab 1.750/min. volle 320 Nm an. Ein Diesel ist auf jeden Fall die richtige Wahl, sie passen vom Charakter her besser als der 3-Liter-Sechszylinder-Benziner namens 28i mit 258 PS, da wirkt der X1 immer ein bisserl halbstark.

Italian Huping
Der Innenraum ist wohnenswert, die Armlehne verschiebbar, in die Türfächer passen sogar 1,5-Liter-PET-Flaschen, das ist gut für lange Reisen, die unangestrengt absolvierbar sind. Mit einer Einschränkung: Bei höherem Tempo stören die Windgeräusche. Die serienmäßige Audioanlage hält zwar munter mit, aber es strengt an. Nette Details machen das Leben hingegen leicht: ein Gummiband im Türfach etwa, oder der doppelte Boden im Kofferraum, der eine Art Setzkastensystem verbirgt, oder der griffgünstig gelegene USB-Anschluss. Für den lässigen Fahrer ist die Hupe ein Genuss, die „italienisches Hupen“ zulässt, also einen kurzen, zarten Ton von sich gibt, wenn man kurz auf die Lenkradmitte haut. Eher unlässig wirkt, wer unbedarft versucht die manuelle Sitzhöhenverstellung zu benutzen – er wird nach hinten abstürzen. Vorsicht oder die optionale elektrische ist anzuraten.

Gutes Maß
Der X1 hat eine gute Größe für ein SUV (BMW sagt SAV): Platz genug für die meisten Belange (420 bis 1.350 l Kofferraum), aber klein genug, um keinen Neid zu erzeugen und in der Stadt einen Parkplatz zu bekommen. Man wird auch ob der Vernunft (Auto-Start-Stopp-System bei den Vierzylindern serienmäßig, Bremsenergie-Rückgewinnung) und des guten Geschmacks gelobt werden. Ein Sparwunder ist der X1 freilich nicht, aus den 5,7 Litern Normverbrauch im 18d etwa wurden im Test 7,5 Liter, der 23d liegt noch mal deutlich drüber. Drunter läge der 18d ohne Allradantrieb, der auch angeboten wird.

33.200 Euro ruft BMW für den 18d xDrive aus. Da sind Front- und Seitenairbags für Fahrer und Beifahrer sowie Kopfairbags für alle dabei, ebenso Bergabfahrhilfe (wenn man sich doch mal ins Gelände verirrt), MP3-Radio mit AUX-IN usw., man kann damit also ganz gut leben. Empfehlenswert ist dazu der Einfachheit halber das Österreich-Paket Plus mit Parkpiepser, Xenon, verschiebbarer Armlehne und was das Leben sonst noch angenehmer macht. Kostenpunkt: über 4.000 Euro, wobei BMW in der Preisliste den Netto-Betrag angibt (windiger Taschenspieler-Trick).

Xaver ist glücklich. Er ist die Stimme los, dafür hat er jetzt ein Auto, das Spaß und eine ganze Menge mit-macht, auch wenn ihn mal der Hafer sticht und er aus seinem Herzen eine Kiesgrube macht.

Stephan Schätzl

Warum?

  • Das Handschuh-Gefühl in einem SUV.
  • Weil fast egal ist, welchen Diesel man nimmt.

Warum nicht?

  • Taschenspielertricks in der Preisliste gehören nicht unterstützt.

Oder vielleicht …

  • … tut’s ja doch ein 3er-Kombi?
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