13.08.2019 09:00 |

Arbeitskräfte fehlen

Ohne Helfer aus Rumänien kein Gemüse aus Tirol

Erntehelfer dringend gesucht! Dieser Satz beschreibt einen Dauerzustand der Tiroler Gemüsebauern. Rund 300 Arbeitskräfte fehlen aktuell. Derzeit sichern vor allem Rumänen die Tiroler Gemüseproduktion. Ein Besuch auf den Thaurer Feldern, wo zwischen Salat und Jungzwiebeln auch Völkerverständigung wächst.

Aurel Adam ist das, was man einen typischen Tiroler Erntehelfer nennt. Er kommt aus Rumänien. „Daheim keine Arbeit.“ Mit drei Worten hat Relu - wie ihn alle nennen - beschrieben, warum er vor 15 Jahren in die Fremde ging. Bei Gemüsebauer Romed Giner in Thaur fand der heute 39-Jährige einen Job. Giner gehört zu jener Generation Landwirte, die sich für faire Arbeitsbedingungen einsetzen und dafür auch ein Gütesiegel erhalten haben.

„Es ist eine einfache Rechnung: Ich brauche gute Leute, also müssen Bezahlung, Unterkunft und Arbeitsbedingungen passen. Was ich zahlen kann, das bestimmen aber Handelsketten als Abnehmer und letztlich die Konsumenten. Sie entscheiden, wie viel ihnen heimisches Gemüse wert ist“, spricht Giner Zusammenhänge an, die Bauern auf der ganzen Welt unter Druck setzen. Giner zahlt seinen Leuten mindestens 1200 Euro netto. 

Arbeiter sind heute besser vernetzt
„Chef super“, stellt Adam seinem Arbeitgeber ein gutes Zeugnis aus. In den vergangenen Jahren geriet die Branche in Verruf, weil es einige Landwirte mit den Rechten der Mitarbeiter nicht so genau nahmen. Adam zeigt auf sein Handy. Über das sind die Erntehelfer heute viel besser vernetzt als früher. Sie tauschen sich aus und wissen, in welchen Betrieben faire Bedingungen herrschen. Auch die Gewerkschaft und die Landarbeiterkammer schauen regelmäßig vorbei. „Guter Chef, gute Arbeiter.“ Adam trifft mit wenigen Worten den Nagel auf den Kopf.

Auch Adams Landsmann Alex Ciobanu ist schon neun Jahre Erntehelfer bei Romed Giner. „Daheim verdiene ich nicht mal die Hälfte“, stellt Ciobanu den Vergleich an, den viele seiner Landsleute auswandern haben lassen. Alle seine Freunde seien nach Westeuropa gegangen. Ciobanus Kinder gehen hier zur Schule. Sie haben zur Heimat ihres Vaters nur noch wenig Bezug.

Besuche in der Heimat werden immer kürzer
Zwei typische Gastarbeiterbiografien! Sowohl Adam als auch Ciobanu haben es mit dem in Tirol verdienten Geld in der Heimat zu bescheidenem Wohlstand gebracht, ein Eigenheim geschaffen. Doch keiner weiß, ob sie je dort leben werden. 24 Stunden ist Adam unterwegs, wenn er nach Hause in den Osten Rumäniens fährt. Die Besuche werden immer kürzer, weil er mittlerweile als Ganzjahreskraft bei Giner arbeitet und „unersetzlich“ ist, wie der Chef betont. Ob die Männer in Tirol bleiben möchten? Eine Frage, die beide sichtlich ratlos macht. Eigentlich war die Rückkehr immer der Plan, doch mittlerweile haben viele Erntehelfer auch in Tirol Wurzeln geschlagen.

Rumäniens Wirtschaft boomt, das Land will die Auswanderer zurückholen. Tirols Bauern kommen viele Mitarbeiter abhanden. Der Ruf nach einem höheren Saisonarbeiter-Kontingent aus Drittstaaten wie Bosnien oder Ukraine wird immer lauter. Die Tiroler-Quote am Feld geht hingegen gegen Null. Giner: „Ohne mehr Erntehelfer aus dem Osten müssen wir zuschauen, wie das Gemüse am Feld verdirbt. Einige Bauern denken ans Aufhören. Dann ist es mit dem Tiroler Gemüse bald vorbei.“

Claudia Thurner
Claudia Thurner

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