05.08.2019 13:01 |

Schutz aufgekündigt

Hass-Forum 8Chan nach El-Paso-Massaker offline

Die umstrittene Online-Plattform 8Chan, bei der der mutmaßliche Todesschütze von El Paso ein rassistisches Manifest veröffentlicht hat, ist am Montag weitgehend offline gegangen. Zuvor hatte der IT-Sicherheitsdiensleister Cloudflare, der unter anderem Websites vor Cyberangriffen schützt, die Geschäftsbeziehung zu 8Chan gekündigt. Gelöst sein dürfte das Problem damit aber nicht, wie Cloudflare-Chef Matthew Prince einräumt.

Einer der Grundsätze von 8Chan ist, dass die Betreiber die von Nutzern geposteten Inhalte nicht kontrollieren oder löschen. Das hatte unter anderem Rassisten auf die Plattform gelockt - darunter auch der 21-jährige Patrick Crusius, der am Samstag im texanischen El Paso 20 Menschen tötete und 26 weitere verletzte. In seinem bei 8Chan veröffentlichten Manifest hatte er die Bluttat als „Antwort auf die hispanische Invasion in Texas“ angekündigt.

„Jauchegrube des Hasses“
„Leider handelt es sich hierbei nicht um einen Einzelfall“, schrieb Cloudflare-Chef Matthew Prince in einem Blogeintrag. Die Plattform habe sich zu einer „Jauchegrube des Hasses“ entwickelt, verwies Prince auf den Todesschützen von Christchurch, der Mitte März in der neuseeländischen Stadt zwei Moscheen angegriffen und 51 Menschen getötet hatte. Auch er hatte zuvor 8Chan genutzt.

Nachdem die Plattform den Schutz durch Cloudflare verlor, war die Seite zeitweise gar nicht erreichbar oder Links liefen ins Leere. Cloudflare-Chef Prince schränkte zugleich ein, dass es vermutlich nicht allzu lange dauern werde, bis 8Chan einen anderen Anbieter finde und den Dienst wieder komplett hochfahren könne. Das sei auch passiert, als Cloudflare 2017 den Schutz der Neonazi-Website Daily Stormer aufgegeben habe.

„Problem des Internets nicht gelöst“
„Leider werden die Maßnahmen, die wir heute ergreifen, den Hass im Internet nicht beseitigen. Sie werden mit ziemlicher Sicherheit nicht einmal 8chan aus dem Internet tilgen“, schrieb Prince. „Mit dieser Maßnahme haben wir unser eigenes Problem gelöst, aber nicht das des Internets“, verwies er auf den online zunehmend grassierenden Hass.

Cloudflare versuche grundsätzlich, sich aus der Debatte um Inhalte von Plattformen herauszuhalten, betonte Prince weiter. Er wolle nicht derjenige sein, der entscheidet, was im Internet veröffentlicht werden darf. Als privates Unternehmen seien sie jedoch nicht dazu verpflichtet, „Geschäfte mit allen zu machen“. Prince: „8Chans Gesetzlosigkeit hat zu mehreren schrecklichen Tragödien beigetragen. Genug ist genug.“

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