28.06.2019 12:59 |

Drohnen, KI, Sensoren

Mit dieser Technologie überwachen USA ihre Grenze

Die Grenze zwischen den USA und Mexiko gilt als eine der am besten gesicherten weltweit. Trotzdem versuchen Tag für Tag Migranten aus Südamerika, sie zu überwinden und Armut und Gewalt in ihren Heimatländern zu entrinnen. Für sie wird es immer schwieriger - nicht nur, weil unter Präsident Donald Trump eine tägliche Quote für Asylwerber eingeführt wurde, durch die sich immer mehr Migranten in Mexiko sammeln. Sondern auch, weil die USA Hunderte Millionen Dollar in die Hightech-Überwachung der Grenze investiert haben.

Es ist ein verstörendes Bild, das diese Woche an der Südgrenze der USA geschossen wurde. Ein 25-Jähriger aus dem südamerikanischen El Salvador, ertrunken beim Versuch, den Grenzfluss Rio Grande zu durchschwimmen, treibt leblos mit dem Gesicht nach unten und seiner ertrunkenen zweijährigen Tochter am Rücken in den Fluten.

Nach zwei Monaten in Mexiko wollte er nicht mehr warten, einer der wenigen Asylsuchenden zu sein, die täglich nach Norden durchgelassen werden. Er versuchte, auf illegalen Wegen in die USA zu gelangen - und bezahlte den Versuch mit dem eigenen und dem Leben der Tochter.

USA haben tägliche Asyl-Obergrenze eingeführt
Dass Migranten aus Südamerika - vor allem aus El Salvador, Honduras und Guatemala sind Hunderttausende auf der Flucht vor organisierter Drogenkriminalität und Gewalt - solche Risiken in Kauf nehmen, liegt daran, dass es schwierig geworden ist, in die USA zu gelangen. Die USA haben eine Tagesquote für Asylanträge eingeführt, lassen pro Tag nur mehr wenige Migranten aus dem Süden ins Land.

Die Zahl der in Mexiko Harrenden wächst derweil jeden Tag. Wer das Warten leid ist, versucht es auf illegalen Wegen. Denn wer einmal einen Fuß auf US-Boden gesetzt hat, kann dort auch einen Asylantrag stellen, ein illegaler Grenzübertritt spart also Zeit.

Doch wer in die USA will, muss laut „CNET“ an einem ausgeklügelten System aus Überwachungstechnik vorbei:

Drohnen vom Typ Predator patrouillieren in bis zu 14 Kilometern Höhe über der Grenze und sind mit Radar ausgerüstet, das selbst Fußspuren im Sand erkennt. Nachts kreisen zusätzlich kleinere autonome Flugobjekte vom Typ RQ7-Shadow über der Grenze, suchen mit einem System aus Kameras, Laser- und Radarstrahlen nach illegalen Migranten und erkennen diese aus bis zu 100 Kilometern Entfernung. Es sind Systeme, die auch in Kriegsgebieten wie dem Irak und Afghanistan genutzt wurden.

Entlang der ganzen Grenze ist in den letzten Jahrzehnten ein Netzwerk aus seismischen Sensoren im Sand vergraben worden. Sie schlagen an, wenn ein Fahrzeug oder eine Person sich über sie bewegt, sind allerdings auch anfällig für Fehlalarme, da sie nicht zwischen Tier und Mensch unterscheiden können. Noch nicht: Einige Unternehmen im Silicon Valley arbeiten daran, den US-Grenzschutz mit intelligenteren Sensoren auszurüsten, die zwischen Mensch und Tier unterscheiden sollen.

40 Meter hohe Kameratürme stehen entlang der Südgrenze der USA und filmen mit hochauflösenden Kameras am Tag und mit Infrarot-Kameras nachts, was sich an der Grenze tut. Grenzbeamte sichten das Bildmaterial in ihrer Kommandozentrale und schicken eine Streife, wenn sich ein illegaler Übertritt abzeichnet. Besonders hoch entwickelt sind diese Kameratürme im US-Bundesstaat Arizona: Dort stehen derzeit 43 Hightech-Kameratürme eines israelischen Unternehmens, die Migranten schon aus zehn Kilometern Entfernung erkennen. Die US-Grenzschutzbehörde hat 2014 einen 145-Millionen-Dollar-Vertrag mit dem Lieferanten abgeschlossen.

Künstliche Intelligenz ist eine der neuesten Technologien, die an der US-mexikanischen Grenze eingesetzt werden. Das Start-up Anduril des Oculus-Gründers Palmer Luckey greift auf Sensoren- und Kameradaten der ganzen Grenze zu und analysiert dieses laufend auf Ungewöhnliches. Werden Fahrzeuge oder Menschengruppen erkannt, wird eine Patrouille hingeschickt.

Ein System namens Aerostats überwacht die Grenze aus 1,5 Kilometern Höhe. Es handelt sich dabei um Mini-Luftschiffe, die an einziehbaren Nylonkabeln hängend über der Grenze schweben und mit einem System aus Radar, Infrarot- und elektrooptischen Kameras nach Migranten Ausschau halten. Die Mini-Luftschiffe sollen bis zu 32 Kilometer weit sehen und liefern ihre Aufnahmen laufend an die Grenzschutzbehörde.

Röntgen-Scanner kommen an den offiziellen Grenzübergängen zum Einsatz. Die Grenzschutzbehörde hat mehr als 300 große Rönten-Scanner für Fahrzeuge installiert, durch die Autos durchgeschleust werden, um diese auf illegale Migranten und Schmuggelware zu überprüfen. Hinzu kommen rund 3500 kleinere stationäre Röntgensysteme und rund 35.000 tragbare Scanner für Grenzbeamten.

Trump-Parteikollegen empfehlen „smarte Mauer“
Diese Hightech-Systeme für den Grenzschutz werden laufend ausgebaut, zuletzt wurde 2014 eine 100 Millionen US-Dollar teure Geldspritze für Luft- und Sensorüberwachung der Grenze beschlossen. Die vom US-Präsident Donald Trump lautstark geforderte Grenzmauer zu Mexiko sehen angesichts der bereits vorhandenen Technik selbst Trumps Parteikollegen wie der republikanische Kongressabgeordnete Will Hurd aus Texas kritisch. Er empfiehlt statt einer Mauer aus Beton oder Stahl eine „smarte Mauer“ als billigere und effektivere Lösung.

Immigrationsanwälte wie die Texanerin Jodi Goodwin halten dem entgegen, dass selbst die teuerste Überwachungstechnik menschliche Tragödien wie den gemeinsam mit der zweijährigen Tochter ertrunkenen Mann im Rio Grande nicht verhindere. „Wenn man die Leute davon abhalten will, dass sie zu uns kommen, muss man die Gründe für die Flucht aus ihren Heimatländern beenden.“

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