10.05.2019 08:24 |

82 Mrd. $ Marktwert

Umstritten, verlustreich: Uber vor Mega-Börsengang

Der US-Fahrdienstvermittler Uber ist einer der am höchsten bewerteten, aber auch umstrittensten Börsenneulinge der Finanzgeschichte. Die rasante Expansion des 2009 in San Francisco gegründeten Unternehmens ist aber von Konflikten geprägt - mit Behörden, Wettbewerbern, intern und Gewerkschaften. Noch kurz vor dem Börsengang gab es weltweite Proteste und Streiks von frustrierten Uber-Fahrern.

„Es ist an der Zeit, die Ausbeutung zu beenden“, twitterte Australiens Gewerkschaft der Transportarbeiter. Der britischen Gewerkschaft IWGB zufolge ist den Fahrern speziell der milliardenschwere Börsengang ein Dorn im Auge, der Investoren enorme Einnahmen beschere, während ihre eigene Bezahlung weiter sinke. In den sozialen Medien solidarisierten sich Nutzer diese Woche durch den Hashtag #UberShutDown mit den zumeist frei angestellten Uber-Fahrern, die einen großen Teil der Betriebskosten selbst tragen müssen.

Uber vor Börsengang mit 82 Milliarden Dollar bewertet
Trotz dieses Gegenwinds wird die kalifornische Firma von Investoren hoch bewertet. Sehr hoch sogar. Auch wenn Uber den Ausgabepreis wegen der derzeit schlechten Stimmung an den Märkten niedriger ansetzte als zwischenzeitlich erwartet und die hohen Erwartungen letztlich nicht erfüllt werden konnten, stemmte das Unternehmen den größten Börsengang seit dem des chinesischen Amazon-Rivalen Alibaba im Jahr 2014. Investoren bewerteten Uber insgesamt mit 82 Milliarden Dollar (rund 73 Milliarden Euro), was angesichts zwischenzeitlich kursierender Summen von bis zu 120 Milliarden aber durchaus als Enttäuschung betrachtet werden kann.

Doch die Dimension bleibt enorm. Zum Vergleich: Die beiden größten US-Autobauer General Motors und Ford waren zuletzt gut 90 Milliarden Dollar an der Börse wert - zusammen wohlgemerkt. Uber sammelte beim Debüt an der New York Stock Exchange 8,1 Milliarden Dollar ein, da zunächst nur ein kleiner Teil des Unternehmens an die Börse gebracht wurde. Nun wird mit Spannung erwartet, wie sich die neuen Aktien am Freitag beim ersten Handelstag schlagen. Die Kursentwicklung des kleineren Rivalen Lyft, der im März an die Börse ging und seitdem rund 20 Prozent einbüßte, galt bis zuletzt als schlechtes Omen.

„Kommt nicht zu uns“
Aber selbst wenn die Premiere floppen sollte, ist es beachtlich, dass Uber überhaupt zu solch hoher Bewertung Geld bei Anlegern auftreiben konnte. Denn das Unternehmen schreibt tiefrote Zahlen und verfolgt ein Geschäftsmodell, bei dem das Erreichen der Gewinnzone getrost als ungewisse Wette bezeichnet werden darf. Uber-Chef Dara Khosrowshahi gibt sich keine große Mühe, dies zu kaschieren. Im Gegenteil: Wer eine absehbar profitable Firma wolle, solle lieber eine Bank kaufen, riet er im Dezember. „Kommt nicht zu uns - ganz einfach“. Auch im Börsenprospekt warnt Uber, möglicherweise nie Gewinne zu machen.

Hinzu kommt: Jahrelang lockte das Unternehmen mit Turbowachstum, doch zuletzt ging es zumindest im Fahrdienst-Hauptgeschäft kaum noch voran - hier stagnierte der Umsatz in den letzten drei Quartalen 2018 bei 2,3 Milliarden Dollar. Dabei machte Uber im vergangenen Jahr vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen einen Verlust von fast 1,9 Milliarden Dollar. Dass das Unternehmen dennoch so hoch gehandelt wird, liegt vor allem daran, dass Anleger auf Khosrowshahis Vision setzen, Uber vom Taxi-Schreck zum Mobilitätsallrounder zu machen.

Autonome Taxis als langfristige Vision
Uber dominiert den „Ride Sharing“-Markt für Fahrtenvermittlungen über Smartphone-Apps. Geld zu verdienen, gibt es hier jedoch noch nicht - auch Lyft ist tief in den roten Zahlen. Uber betreibt auch schon Services für Essenslieferungen, Frachtvermittlung für Lkw-Fahrer sowie E-Bikes und -Tretroller - ebenfalls keine Bereiche, die bis jetzt als sonderlich lukrativ gelten. Der langfristige Geschäftsplan baut auf technologischen Fortschritt. Roboterautos - die den Fahrer als Kostenfaktor beseitigen - gelten als Schlüssel zur Profitabilität. Doch bis dahin ist es noch ein weiter und ungewisser Weg.

Zumindest was den ramponierten Ruf angeht, hat es - trotz der jüngsten Streiks - schon Fortschritte gegeben. Seitdem der umstrittene Mitgründer Travis Kalanick nach einer Skandalserie den Chefposten räumen musste, bringt Khosrowshahi Stabilität in die Firma. Der vom Tourismus-Riesen Expedia abgeworbene Top-Manager bemüht sich durchaus erfolgreich, Uber nach Vorwürfen wegen Diskriminierung, Sexismus, Machokultur und zahlreicher Regelverstöße ein freundlicheres Image zu geben. Auch den Fahrern kam Uber mit einer Trinkgeld-Option in der App immerhin ein Stück weit entgegen.

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