07.05.2019 17:15 |

Prozess gegen Arzt

Gerichtsgutachterin: „Er wollte Mitleid für sich“

Beachtung sei es gewesen, was der angeklagte steirische Arzt Eduard L. wollte. Das Quälen seiner Kinder, wie die Anklage vorwirft, sei laut Gerichtsgutachterin Heidi Kastner nicht im Vordergrund gestanden. Um sein Ziel zu erreichen, erzeugte er Mitleid durch Selbstmorddrohungen und Verletzungen.

Ein auffälliges familiäres System, in dem Leistung und Erdulden im Vordergrund standen, sei der Auslöser für den übertriebenen Geltungsdrang gewesen, beschrieb Psychiaterin Heidi Kastner das Umfeld, in dem Eduard…L. aufgewachsen war. Dieses sei auch der Auslöser für seine Persönlichkeitsakzentuierung gewesen: Durch das Erregen von Mitleid, das er durch Selbstmorddrohungen und Selbstverstümmelungen auslösen wollte, hätte er Beachtung erlangen wollen.

Nur das, was er wollte, habe in diesem Augenblick gezählt – ein Quälen der Kinder sei dabei nicht im Vordergrund gestanden. Für die zerrüttete familiäre Situation sei zudem nicht der Angeklagte alleine verantwortlich, die Mutter hätte auch das Ihre dazu beigetragen: „Ein Scheidungsszenario zweier Menschen, die sich selbst in den Vordergrund stellen.“

„Er wurde gern bemitleidet“
Zuvor kam auch die ehemalige Haushälterin des Ehepaars im Zeugenstand zu Wort. 14 Jahre arbeitete sie bei der Familie. Unrecht habe sie dabei nicht erlebt, aufgefallen sei ihr jedoch, dass der Angeklagte gerne bemitleidet wurde. „Ich habe das auf sein vieles Arbeiten zurückgeführt.“

Was bedenklich wirkt: Sowohl sie als auch eine Ordinationsmitarbeiterin wurden von der Ex-Gattin und der Ex-Freundin des Angeklagten zu Kaffee und Jause eingeladen. Die Frauen versuchten dabei offenbar, an weitere Informationen über den Arzt zu kommen. Was die eingeladenen Damen und Zeuginnen allerdings nicht wussten: dass die Gespräche mitgeschnitten wurden – diese Aufzeichnungen wurden gestern beim Prozess in Graz vorgelegt.

Ein Urteil könnte kommende Woche am 16. Mai gefällt werden.

Monika Krisper
Monika Krisper
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