18.03.2019 10:38 |

Kontrollen bei Schau

Qualvolle Hundezucht im Namen der „Schönheit“

Hunde, die ihr ganzes Leben lang um Luft ringen, die unter Epilepsie leiden, weil ihr Schädel zu klein ist, die taub sind aufgrund ihrer Farbe - mittlerweile sind gewisse „Zuchtergebnisse“ unerträglich und stark in der Kritik. Bei der Rassehundeschau in Graz griffen Veterinäre streng durch. Das sollte Schule machen.

„Jeder Hund ist froh, wenn man nach einem Eingriff den Tubus entfernt“, erzählt ein steirischer Tierarzt. „Nicht so viele Französische Bulldoggen. Weil das die einzige Zeit ist, in der sie endlich einmal genug Luft bekommen.“ Der Veterinär führt oftmals Operationen durch, um Hunden durch Verkleinerung des Gaumensegels und Vergrößerung winziger Nasenlöcher Linderung zu verschaffen. Die Schreiberin dieser Zeilen hat ebenfalls Bulldoggen (aus dem Tierschutz, keine vom Züchter!) und kann bestätigen: Bei der geringsten Anstrengung legen sie sich völlig fertig auf den Boden, schnaufen buchstäblich um ihr Leben, schnarchen nächtens laut. Die Operation brachte zumindest Linderung – aber ist es ein (Hunde-)Leben, stets um Luft ringen zu müssen?

Zwergerl, die so winzig gezüchtet werden, dass das Gehirn zu groß wird für den Schädel. Weiße Hunde, deren Farbe Taubheit mit sich bringt. Zahnfehlstellungen. Der einst so stolze Schäferhund, der vielfach mit extrem abfallendem Rücken gezüchtet wird. Freilich gibt es genug seriöse Züchter, die auf Gesundheit größten Wert legen. Die Liste der Probleme bei unseriösen ließe sich aber lang fortsetzen. „Eine dramatische, traurige Entwicklung“, so Tierschutzombudsfrau Barbara Fiala-Köck, die heuer ein weiteres Symposium gegen Qualzucht plant. Mutig war das Vorgehen des Grazer Veterinäramtes unter der Leitung von Alexandra Gruber: Tierärzte schauten sich auf der Rassehundeausstellung jüngst in Graz die Tiere genau an – und schlossen acht aus! Sie wiesen neben Atmungsproblemen Bewegungsstörungen und Augendefekte auf. Weitere Züchter wurden verwarnt.

"Qualzüchtungen gibt es nur, weil die Hunde auch gekauft werden! Der Konsument trägt damit zumindest gleich viel Schuld wie der Züchter."
Maggie Entenfellner, "Krone"-Tierexpertin

Von Züchtern ging darob ein Empörungssturm auf die Veterinäre nieder. Der österreichische Kynologenverband (ÖKV), der eigentlich erste Instanz gegen Qualzucht sein sollte, stellte sich verblüffenderweise nicht hinter die Aktion der Tierärzte, sondern kündigte sogar rechtliche Schritte gegen „mutwillige Störungen unserer Ausstellungen“ an. Dabei war die „Aktion scharf“ beispielgebend, „solche Kontrollen werden hoffentlich österreichweit ausgedehnt“, meint Fiala-Köck. „Damit man im In- und Ausland weiß, dass bei uns Tierschutzgesetze gelten. Es kann nicht sein, dass Hunde mit offensichtlichen Defekten zu einer Schau kommen und ohne Rücksicht auf Gesundheit prämiert werden. Im nächsten Jahr hat das Tierschutzgesetz, das Qualzucht reduzieren soll, 15-Jahr-Jubiläum - die Auswüchse in diesem Bereich sind aber extrem. Das ist also kein Grund zu Feiern, sondern, im Gegenteil, einer zum Handeln.“

So erkennen Sie einen seriösen Züchter
Es ist schlimm, einen Hund aus dem Kofferraum, aus Welpenfabriken, von gewissenlosen Vermehrern oder aus sonstigen dubiosen Quellen zu kaufen, Hauptsache billig - da macht man sich mit ziemlicher Sicherheit der Tierqual mitschuldig. Wie aber erkennt man einen seriösen Züchter? Tierecken-Chefin Maggie Entenfellner und Tierschutzombudsfrau Barbara Fiala-Köck haben beste Tipps: Hinfahren! Das Zuhause und zumindest die Mutter anschauen. Wie werden die Tiere gehalten (Zwinger?), wie die Babys sozialisiert? Die ersten Lebenswochen sind ausgesprochen wichtig. Nachfragen, mit welchem Alter die Welpen hergegeben werden. Unter acht Wochen ist es gesetzlich sogar verboten! Da müssen sie auch gechippt sein.

Vor dem Hundekauf: Augen auf!
Natürlich auf Qualzucht verzichten! Wer kauft, was fast nicht atmen oder sich nicht ordentlich bewegen kann, bestimmt durch Nachfrage das Angebot. Sich nicht auf „alle Untersuchungen wurden gemacht“ verlassen, sondern Einschau in Befunde halten. Auch in die der Elterntiere, eventuell Röntgenbilder verlangen. Darauf achten, wie viele Rassen ein Züchter anbietet. Mehr als zwei könnte schon fragwürdig sein. Bescheinigungen verlangen, dass die Zucht, gewerblich oder als Hobby, genehmigt ist. Alles andere wäre als „Schwarzwurf“ verboten. Das Tier anschauen: Ist es sauber? Macht es einen guten Eindruck? Abgesehen vom Anschaffungspreis: Sich genau informieren, wie viel ein Hund sein Leben lang kosten kann (auch den Tierarzt mitbedenken), ob man genug Zeit, Geld und eine Vertretung im Notfall/Urlaub hat. Ans Herz gelegt sei allen potenziellen Herrchen und Frauerln folgendes: In Tierheimen warten sehr, sehr viele Vierbeiner verzweifelt auf neue, liebevolle Dauerplätze. Entzückende Promenadenmischungen – und auch Rassehunde.

Christa und Eva Blümel, Kronen Zeitung

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