24.02.2019 06:10 |

Erfolg garantiert

Diabetes die Muskeln zeigen!

Warum körperliches Training wie eine „Superpille“ Zuckerkrankheit verhindern kann und bereits Betroffenen zu dauerhaftem Therapieerfolg verhilft, erklären Diabetes-Expertin Univ.-Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer und Sportmediziner Univ.-Prof. Dr. Norbert Bachl. Er hält eine Behandlung ohne verordnete Bewegung sogar für einen Kunstfehler.

Die Zahl der Diabetiker nimmt stetig zu. Der Lebensstil spielt dabei eine große Rolle. „In Österreich sind jedes dritte bis vierte Kind und jeder zweite Erwachsene übergewichtig, zwischen 9 und 15 Prozent sogar adipös“, so Univ.-Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer, MedUni Wien, Innere Medizin III, Klinische Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel. Die wichtigsten vermeidbaren Risikofaktoren: fett- und zuckerreiche Ernährung, Schlafmangel, Rauchen, chronischer Stress und vor allem Bewegungsmangel!

„Angeleitete Programme führen oft schon nach zwei bis drei Monaten zur deutlichen Reduktion des Langzeitzuckerwertes HbA1c. Somit könnte Sport als Superpille bezeichnet werden und sollte ärztlich verschreibbar sein“, erklärt die Internistin. „Blutdruck, Blutfette und Glukosestoffwechsel werden in den meisten Fällen verbessert, selbst wenn es zu keiner Gewichtsreduktion kommt. Die Muskulatur erhöht die Insulinempfindlichkeit. Außerdem hat Muskelarbeit einen vom Insulin unabhängigen Effekt bei der Glukoseaufnahme. Krafttraining vermehrt jene Eiweißstoffe, die den Zuckertransport in die Muskelzellen regeln. Der Grundumsatz - Kalorienverbrauch zur Erhaltung der Lebensfunktionen - wird gesteigert.“ Muskeln setzen auch antientzündliche Botenstoffe - Myokine - frei. Sie verbessern die Gefäßfunktion und vermindern Bauchfett.

Jede Minute zählt
„Selbst wenn Sie längere Zeit sitzen, aber jede halbe Stunde zumindest fünf Minuten gehen oder drei Minuten leichte Bewegung machen, wirkt sich das schon positiv aus. Je höher die Intensität und Dauer, desto größer der Nutzen“, berichtet Prof. Kautzky-Willer. Bei bestehenden Komplikationen, Nervenschäden, Herz-Kreislauf-Leiden, häufiger Unterzuckerung muss die Bewegung darauf abgestimmt und unter Kontrolle erfolgen. Auf gutes Schuhwerk achten (Druckstellen!), die medikamentöse Behandlung muss angeglichen, der Patient geschult werden. Therapiebegleitend können Ausdauer als auch Kraft trainiert werden, am besten eignet sich ein Mix, wie Prof. Bachl betont. Die Intensität soll im höheren Bereich liegen, weil dann mehr Kohlenhydrate für die Energiegewinnung herangezogen werden, sowohl beim Ausdauer- als auch Muskeltraining. Oberstes Prinzip: Täglich bewegen, davon 5-mal für die allgemeine Fitness, zu Beginn mit 40 bis 50 Prozent, später mit 70 bis 80 Prozent der maximalen Leistungsfähigkeit (20 bis 60 Minuten). Zweimal wöchentlich Muskelbelastung mit 50 bis 75 Prozent der Maximalkraft mit je 12 Wiederholungen in drei Sätzen.

Dranbleiben lohnt sich 

  • Selbst wenn Sie in körperlich nicht so guter Verfassung und übergewichtig sind, nicht aufgeben! Starten Sie mit Intervalltraining: z. B. 2 Minuten schnell gehen, 1 Minute langsam. Stetig steigern, nach 3 bis 4 Wochen können Sie sich kontinuierlich 20 Minuten belasten.
  • Blutzucker regelmäßig kontrollieren, um zu sehen, wie der Körper auf Aktivität und Ernährungsumstellung reagiert.
  • Grundsätzlich sind alle Sportarten geeignet. Bei Übergewicht Sportspiele entsprechend anpassen. Darauf achten, Unterzuckerung zu vermeiden. Im Einzelfall mit dem Arzt besprechen.

Eva Rohrer, Kronen Zeitung

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