10.10.2018 09:53 |

Lemawork Ketama

Marathon-Held kämpft um seinen Olympia-Traum

Marathon-Held Lemawork Ketama, der gemeinsam mit Peter Herzog und Christian Steinhammer bei der Leichtathletik-EM in Berlin mit dem Team sensationell die Bronze-Medaille gewonnen hatte, hegt einen neuen Traum. Olympia 2020 in Tokio. Wobei die Qualifikation ein steiniger, harter Weg sein wird. Finanziell und sportlich. Dem 31-jährigen gebürtigen Äthiopier, der seit seinem Asylverfahren in Österreich vor fünf Jahren „noch nie einen Euro aus dem Sozialtopf genommen hat“, plagen für seinen olympischen Traum allerdings große finanzielle Sorgen…

Die Bronze-Medaille von Berlin, für Österreichs Leichtathletik speziell und für den heimischen Mannschaftssport generell heuer schlicht eine der größten Überraschungen überhaupt, hat Lemawork Ketema Mut gemacht, die Öffentlichkeit um Unterstützung zu bitten. „Es hat mich unendlich stolz gemacht, für Österreich die Medaille zu holen, einem Land, dem ich viel zu verdanken habe und dem ich sehr gerne viel zurückgeben möchte. Nach der Europameisterschaft haben mich viele Leute ermutigt, einen neuen Schritt über Crowdfunding zu versuchen.“ Um die fehlenden Gelder für die Höhentrainingslager zu erhalten, wählte er die Plattform „I believe in you“.

170 bis 220 Kilometer pro Woche
Die (finanzielle) Rechnung ist schnell gemacht. „Für die Vorbereitung ist es extrem wichtig, Höhentrainingslager zu absolvieren. Diese finden, ja nach der Jahreszeit, entweder in Kenia oder in St. Moritz statt. Grob muss man ja nach Länge des Aufenthaltes zwischen 3000 und 5000 Euro pro Trainingslager kalkulieren.“ Diese Unkosten setzen sich aus Flug, Hotel, Verpflegung, Pace Maker (lokale Trainingspartner), Massage und Trainer zusammen. In der Woche läuft er im Schnitt 170 bis 220 km. „Dabei komme ich in einer ‚normalen‘ Laufsaison auf Kosten von rund 25.000 Euro.“ Aber jetzt hapert‘s finanziell wirklich an allen Enden.

Das Crowdfunding für den passionierten Athleten („Ich habe einen Job, ich bin Läufer“) ist ermutigend angelaufen, von den erträumten 15.000 Euro sind bisher von 59 Unterstützern schon 4690 Euro (Stand 9. Oktober) gespendet worden. Doch eben noch nicht genug. „Und ich habe auch zahlreiche Gegenleistungen vorbereitet, die es euch hoffentlich attraktiv machen, mich zu unterstützen.“ Je nach Unterstützung hat „Kema“, der für Österreich auch schon zweimal den „Wings for Life World Run“ gewonnen hat, Bücher, Sonnenbrillen, gemeinsame Läufe im Prater oder gar ein Lauftraining für ein Firmenteam (bis 20 Mitarbeitern) ausgelobt. Alles für Tokio 2020.

Olympia war stets der Kindheitstraum
Schon als Kind hat Lemawork Ketema, der am 22. Oktober 1986 in Huruta in Zentral-Äthiopien geboren wurde, von einer Olympia-Teilnahme geträumt. Natürlich im Laufsport. Kein Wunder in einem Land der Wunderläufer wie Abebe Bikila, Haile Gebrselassie oder Kenenisa Bekele, allesamt im Lauf-Olymp vereint. 2013 war Lemawork aus Äthiopien geflüchtet, kam im Mai nach Österreich. Selbst im Auffanglager Traiskirchen, wird berichtet, ist er seine Runden gelaufen. Um als Läufer nicht zu verrosten.

Bester Österreicher bei EM-Sensation
Im Dezember vor drei Jahren erhielt er die österreichische Staatsbürgerschaft. Und mit großem Stolz läuft er für Rot-Weiß-Rot. Wie bei der EM in Berlin, als er lange Zeit sogar mutig ganz vorne in der Spitze mitlief und schließlich als Achter in persönlicher Bestzeit von 2:13:22 Stunden bester Österreicher wurde. Die EM soll aber nicht sein letztes Wort gewesen sein, sondern - wie natürlich auch für die anderen österreichischen Läufer - der Startschuss für eine Marathon-Teilnahme in Tokio. „Man muss im Leben immer kämpfen!“ Das hat ihm einst seine Mutter mit auf den Weg gegeben. Und daran hält er sich.

Olaf Brockmann

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