Sa, 25. Mai 2019
18.04.2019 06:00

Salzkammergut

Linzer Höhenrausch und Donaustrom

Zwischen Himmel und Erde ragt die Aussichtsplattform „Welterbeblick“ ins Nichts - 360 Meter über Hallstatt. Den mutigen Skywalkern liegt die UNESCO-Welterberegion Hallstatt-Dachstein-Salzkammergut zu Füßen. Von hier geht die Reise weiter über den Traunsee und Linz bis zur blauen Donau und dem einst gefürchteten Strudengau.

Wie ein blauer Fjord schmiegt sich der Hallstättersee tief unten an die Berge, am Ufer im Sonnenlicht glänzend Hallstatt. Der Ort, der einer ganzen Geschichtsepoche seinen Namen gab: Die ältere Eisenzeit, etwa 800 bis 400 v. Chr. trägt den Namen Hallstattzeit. Anlass für die Namensgebung war die Entdeckung eines fast dreitausend Jahre alten Gräberfelds am Salzberg, ganz in der Nähe des heutigen „Welterbeblicks“.

Damals stand der Salzbergbau in voller Blüte. Das „weiße Gold“ wurde aber schon viel länger abgebaut. „Nachweislich seit 5000 vor Christus“, erklärt Regina, die uns ihre Heimat zeigt: „Woher wir das so genau wissen? Im Bergwerk hat man ein Hirschgeweih gefunden, das vermutlich als Werkzeug zum Salzabbau verwendet wurde. Und dessen Alter lässt sich ziemlich genau angeben.“

Hallstatt ist kein Museumsdorf
Heute blüht in Hallstatt der Tourismus, auch wenn im Salzberg immer noch Salz abgebaut wird. Hallstatt ist ein Fixpunkt, vor allem für Reisende aus dem asiatischen Raum, und das nicht erst seit die Chinesen den Ort - seitenverkehrt - nachgebaut haben: „Aber jetzt kommen viele Chinesen, die das Original sehen wollen.“ Der Massenansturm auf das idyllische Nest führt auch zu Problemen: „Die Gäste aus fremden Kulturen denken, das ist ein Museumsdorf“, schildert Regina. „Da ist es Einheimischen schon passiert, dass plötzlich Fremde in der Küche stehen und fotografieren. Aber den Hallstättern ist bewusst, dass sie den Tourismus brauchen. Sonst wäre es ein toter Ort.“

So sind im weltberühmten Beinhaus neben der Kirche selbst die Toten noch eine Attraktion. Weil es auf dem kleinen Friedhof im Steilhang nicht genug Platz gibt, wurden die Gebeine regelmäßig ausgegraben und ins Beinhaus gebracht. Rund 1200 Totenschädel sind fein säuberlich aufgestapelt, die meisten von ihnen mit Namen beschriftet und oft auch bunt bemalt.

Den Hallstättersee entlang geht es Richtung Norden zum Traunsee, begleitet von der rauschenden Traun, die ein Wasserreich mit dem nächsten verbindet. Auf dem Weg liegt der „Steegwirt“, seit über 400 Jahren Rast- und Labestation für Reisende und längst zum Welterbewirtshaus erhoben.

Sushi direkt aus dem See
Nach einer erfrischenden Schwimmrunde unter den alten Klostermauern von Traunkirchen steht dann Fischen auf dem Programm. „Wir angeln unser eigenes Sushi“, kündigt Wolfgang Gröller an, Hausherr im „Traunsee“ und drückt uns auf dem Badesteg Angeln in die Hand. Bald baumeln wirklich einige Barsche am Haken, die wenig später serviert werden. Das Traunsee-Sushi kommt mit außergewöhnlichen Beilagen: Herbsttrompeten-Sauce statt Sojasauce, eingelegter Rhabarber statt Ingwer - sensationell gut - und Sauerklee-Apfel-Mousse. „Alles mit Zutaten aus der Region“, betont Gröller. Das ist auch im „Bootshaus“, dem mit zwei Hauben gekrönten Restaurant des Hotels, oberstes Gebot. Executive-Küchenchef Lukas Nagl gilt als einer der besten Fischköche Österreichs und reißt Gourmets regelmäßig zu Begeisterungsstürmen hin. Uns fegt ein echter Sturm von der Terrasse direkt über dem See. Kein Problem, der umwerfende Nachtisch aus Walderdbeeren und Baiser - klingt einfach, ist es aber dank einer bemerkenswerten Aromenvielfalt sicher nicht - wird in der gemütlichen Bar serviert. Dazu gibt‘s noch kleine Naschereien aus dem Nähkästchen.

So gestärkt, führt uns Gröller durch sein Traunkirchen. Es ist uralter Siedlungsboden: Pfahlbausiedlungen wurden gefunden, die Kapelle auf dem Johannisberg steht auf den Überresten eines römischen Tempels. Odinstein hieß dieser Felsen früher, der keltische Name ist heute noch in der Bevölkerung in Gebrauch. Auf der anderen Seeseite steigt der Traunstein auf. „Hat der Traunstein einen Hut, wird das Wetter gut“, zitiert Gröller eine alte Volksweisheit. Doch wie das so ist mit Wettervorhersagen: Der Traunstein hat zwar einen Wolkenhut, aber als wir im nahen Gmunden ankommen, ist von der Sonne nichts zu sehen - es regnet.

Klos, Keramik und andere Ufer
Ein skurriles Museum bietet Unterschlupf: Im Klo & So wird die Geschichte des stillen Örtchens zelebriert. Wer schon immer mehr über die intimere Morgentoilette von Franz Joseph und seiner Sisi erfahren wollte, ist hier richtig. 
Weniger ins Detail geht man bei der Führung durch die Gmundner Keramik-Werkstätte. Was genau die Faszination des weltbekannten Ringelmusters - mittlerweile gibt es auch Hirsche und Skifahrer - ausmacht, bleibt Betriebsgeheimnis. Dafür darf sich jeder, der mag, seinen eigenen Teller malen. Der wird dann gebrannt und nach Hause nachgeschickt - ein wahres Unikat.

Linz
Von den Salzkammergut-Seen geht es weiter nach Linz.
Das Wasser bleibt unser Begleiter, auch beim „Höhenrausch“ hoch droben über den Dächern von Linz. In der Ausstellung „Das andere Ufer“ beschäftigen sich internationale Künstler mit dem Element Wasser, und über der Ursulinenkirche schwebt das „Fliegende Schiff“. Nur die Donau ist von hier oben nicht zu sehen. Auf die treffen wir beim Stadtrundgang mit Sebastian, der uns versichert, dass „Linz von der Geschichte her immer unbedeutend war!“ Kein Bischof, kein König, kein Kaiser habe hier residiert, selbst das Schloss sei lediglich eine Fluchtburg für die Habsburger gewesen.

Heute bietet sich vom Schloss ein prachtvoller Rundumblick. Und von unbedeutend kann in Linz längst keine Rede mehr sein, Kultur, Industrie und Tourismus boomen. Dazu tragen auch Projekte wie der „Turmeremit“ bei: 395 Stufen geht es hinauf in die Einsamkeit der Türmerstube des Mariendoms. Eine Woche lang kann man sich hier einmieten, die Warteliste ist lang.

Letzte Station unserer Reise ist das Wasserreich des Strudengaus. „Das war bei den Schiffern die gefürchtetste Teilstrecke an der Donau“, erklärt die Greiner Stadt- und Museumsführerin Christine Mandlmayr. Hinter Grein teilt die Insel Wörth die Donau: „Der rechte Arm war versandet, die Wassermassen schossen mit hoher Geschwindigkeit durch den linken, in dem sich Felsbrocken türmten. Dann lauerten noch mächtige Strudel.“ Auch die kaiserliche Zille „Adler“ an Bord verunglückte hier.

Heute sind die gefährlichen Stellen dank des Kraftwerks Ybbs-Persenbeug Vergangenheit. Hans-Peter, der mit der Überfuhr „Schwallenberg“ zwischen den Ufern des Stroms pendelt und Ober- mit Niederösterreich verbindet, fährt mit geführten Touren auch zur Insel Wörth. Diese einzige erhaltene Donauinsel ist heute ein Naturschutzgebiet.

Grein wurde dank der gefährlichen Engstelle reich
Hier legten die Schiffe an, um Lotsen an Bord zu nehmen. Schon 1791 leistete sich das „goldene Städtchen“ ein Theater, heute das letzte noch original erhaltene Bürgertheater im deutschen Sprachraum. Kein Museum, es wird immer noch bespielt. Dafür sorgt schon die Greiner Dilettantengesellschaft.

Waltraud Dengel, Kronen Zeitung

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