Di, 18. Dezember 2018

Fluchtdrama in Arizona

25.08.2018 11:18

Sohn findet verschollene Leiche des Vaters online

Zehn Jahre ist es her, dass Eliseo Cárdenas Sánchez - damals noch ein Kind - auf der Flucht von Mexiko in die Vereinigten Staaten in der Wüste von Arizona von seinem Vater getrennt wurde. Er war verschollen, höchstwahrscheinlich tot, doch genau wusste es niemand - bis zu einer Nacht im März. Sánchez stöberte auf Facebook nach Hinweisen auf den Verbleib seines Vaters - und stieß plötzlich auf ein Foto seiner sterblichen Überreste.

„Es war zwei oder drei Uhr morgens. Ich rief die Nummer an, die mit den Fotos gepostet wurde“, erinnert sich Sánchez. Am anderen Ende der Leitung meldete sich Cesar Ortigoza (44) von der NGO Los Armadillos aus Vista in Kalifornien. Er fährt mit einer Gruppe von rund 15 Freiwilligen regelmäßig in die Wüste, um im Grenzgebiet nach Verunglückten zu suchen. Finden sie menschliche Überreste, suchen sie so gut es geht nach den Hinterbliebenen.

Ortigoza entdeckte die Überreste von Sánchez‘ Vater. Dies ist der exakte Fundort:

„40 waren noch am Leben, 50 waren Leichen“
Bisweilen stoßen die Helfer in der Wüste auf Verirrte, denen noch zu helfen ist. Doch der Tod ist allgegenwärtig im glühend heißen Grenzgebiet. 90 Menschen haben die Los Armadillos in den letzten fünf Jahren aufgespürt. „Ich würde sagen, 40 waren noch am Leben. Die anderen 50 waren Leichen“, erinnert sich Ortigoza im Gespräch mit dem Enthüllungsmagazin „Reveal“ des Centre for Investigative Reporting.

Auf der Suche nach einem besseren Leben in den USA bleiben immer wieder illegale Einwanderer aus Südamerika auf der Strecke. Selbst weit aus dem Süden, zum Beispiel aus Brasilien, erreichen ihn Anrufe von Menschen, die nach ihren verschollenen Angehörigen suchen, erzählt Ortigoza, der 1989 selbst als illegaler Migrant aus Mexiko über die Grenze kam und heute als Hausmeister arbeitet. Und er sagt: „Die ganze Grenze ist ein Teppich menschlicher Überreste.“

Vater starb fünf Kilometer von der Autobahn entfernt
Eliseo Cárdenas Zetina, den Vater von Herrn Sánchez, fanden Ortigoza und sein Team unweit eines Luftwaffenstützpunktes, gerade einmal drei Meilen (4,8 Kilometer) von der nächsten Autobahn entfernt.

Auf der Flucht war der damals 53-Jährige zurückgeblieben, um zu rasten, erinnert sich sein Sohn. Doch Cárdenas Zetina wurde nie wieder gesehen - bis ihn Ortigoza und sein Team, die skelettierte Leiche schon stark mitgenommen, in einer Höhle fanden. Einzig sein laminierter Ausweis verriet noch, um wen es sich handelte.

Seit dem Fund von Eliseo Cárdenas Zetina - ein DNA-Test soll seine Identität endgültig bestätigen - haben Ortigoza und seine Mitstreiter sechs weitere Leichen gefunden, eine bestand nur aus einer winzigen Wirbelsäule. Ein Kind von höchstens sechs Jahren, glaubt Ortigoza, und sagt nachdenklich: „Die Knochen … Sie waren so klein.“

 krone.at
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