Mo, 20. August 2018

Museum der Moderne:

16.07.2018 11:21

Das Trauma im Hinterkopf

beleuchtet einmal mehr die dunklen Seiten der Moderne: Resonanz von Exil

Wie wichtig es ist, neben den Sternstunden auch die dunklen Seiten der Moderne und somit vergessene oder schlichtweg ignorierte Kunstgeschichte zu beleuchten, hebt Sabine Breitwieser nun bereits in der zweiten Schau hervor. Während sich die Erste, „Auf/Bruch“ mit durch erzwungenes Exil herbeigeführte Zäsuren in Werk und Leben der Künstler auseinandersetzte, beschäftigt sich nun die Ausstellung „Resonanz“ damit, wie sich der Exilaufenthalt auf ihr Schaffen auswirkte.

Dass es zumeist eine Verarbeitung des Traumas inne hat, wird bei Madame d’Ora besonders deutlich. Die gebürtige Wienerin Dora Kallmus war in den 1920ern in Wien, aber auch Paris eine äußerst erfolgreiche Mode- und Porträtfotografin, die Stars wie Josephine Baker für die renommiertesten Magazine ablichtete. Nachdem sie 1942 Paris aufgrund ihres jüdischen Hintergrunds verlassen musste und die Kriegszeit in einem Dorf in der Nähe von Lyon überlebte, gibt sie die Tristesse dieser Zeit und den Schrecken des Holocaust’ beeindruckend in ihren Arbeiten wieder. „In ihrer ,Schlachthofserie’, die in Salzburg entstandenen Aufnahmen in den Flüchtlingslagern, oder die düster inszenierten Figuren des Salzburger Marionettentheaters scheinen zutiefst von ihren eignen Erfahrungen geprägt“, betont Christiane Kuhlmann. Auch die Damen, schick in Salzburger Tracht gewandet, wirken nicht glücklich und scheinen aus der Dunkelheit der Vergangenheit vor die Kamera zu treten. Ihre Bilder sind perfekte Inszenierungen, die die Tragik nur subtil durchblicken lassen.

Als wohl die „groteskeste und skandalträchtigste Tänzerin“ Berlins in den 1920ern galt Valeska Gert. „Sie demaskierte die Lächerlichkeit von Traditionen und aktuellen Modeerscheinungen und brachte Bewegungen und Typen auf die Bühne, die bis dahin noch nie so zu sehen gewesen waren - den Orgasmus, den Schmerz und den Tod“, so Kuhlmann. 1939 emigrierte sie in die USA und gründete die „Beggar Bar“ (Bettlerbar), eine Mischung aus Kabarett und Nachtclub, wo sie ihre künstlerischen Ambitionen frei ausleben und sich mit Gleichgesinnten austauschen konnte. Nach ihrer Rückkehr nach Europa 1947 eröffnet sie solche Bars auch in Zürich, Berlin und auf Sylt. Auf Sylt im „Ziegenstall“ wirkten u. a. auch Klaus Kinski oder Tennessee Williams als „Angestellte“ mit. Allerdings wurde auch sie enttäuscht. Denn ihre Hoffnung, es könnte sich wie schon nach dem Ersten Weltkrieg wieder eine künstlerische Avantgarde etablieren, wurde nicht erfüllt.

Eine, wenn man so will, „positive“ Komponente hatte das Exil für den Wiener Amos Vogel. Er musste, nachdem er nach dem „Anschluss“ als Jude von der Schule verwiesen wurde, mit seinen Eltern noch als Teenager über Kuba in die USA flüchten, wo er später den Avantgarde- und Experimentalfilm prägte. „Er gründete mit seiner Frau den privaten Filmclub ,Cinema 16’, in dem er ,Films you cannot see elsewhere’ zeigte und jungen Talenten eine Plattform bot. Darunter befanden sich die heute allseits bekannten Filmemacher Martin Scorsese, Robert Bresson oder Roman Polanski“, so Breitwieser.

Tina Laske
Tina Laske

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.