Sa, 20. Oktober 2018

„Krone“-Osterinterview

01.04.2018 08:59

Schönborn: „Wir können den Himmel nicht kaufen“

Die Perspektive der christlichen Auferstehung darf zu Ostern nicht fehlen. Mit der „Krone“ sprach Kardinal Christoph Schönborn über Himmel, Fegefeuer und Hölle und zeigte sich sehr persönlich. Am Ende ist auch er auf die Hilfe Gottes angewiesen, um das ewige Leben geschenkt zu bekommen.

Krone“: Herr Kardinal, wie würden Sie einem Kind die zentrale Botschaft des Christentums, die Auferstehung, erklären?
Kardinal Christoph Schönborn: Das ist eine gute Frage. Ich würde sagen, wir werden uns alle wiederfinden und leben. Kinder können das Sterben durchaus annehmen und wahrscheinlich können Kinder besser als Erwachsene auch annehmen, dass die Oma gestorben ist, wenn man ihnen sagt, dass sie jetzt beim lieben Gott lebt.

Wir leben in einer Welt, die sehr von den Naturwissenschaften geprägt ist, wie kann man heutzutage die Auferstehung im christlichen Sinne verstehen?
Manche Naturwissenschaftler versuchen die Auferstehung so zu erklären, dass die Energie im Universum sich wandelt, aber nicht verloren geht, dass wir gewissermaßen in einen neuen Energiezustand übergehen.

Viele Menschen haben noch immer Angst vor Fegefeuer und Hölle. Braucht es hier theologische Aufräumarbeit?
Hölle und Fegefeuer sind zwei ganz verschiedene Sachen. Das Fegefeuer ist die gute Nachricht, dass wir nach dem Tod noch manches aufarbeiten können, aber wir wissen, dass es grundsätzlich gut ausgeht. Denn das Fegefeuer ist eine Vorbereitung auf den Himmel. Wenn ich es im Leben versäumt habe, kann ich hoffen, dass ich nach meinem Tod die Chance habe, geläutert, gereinigt zu werden und so bereit zu werden für den Himmel, das ewige Glück. Die Hölle sagt was anderes: Weil wir frei sind, können wir auch Nein sagen zu Gott, zur Liebe, und das nennen wir die Hölle. Gott schickt niemanden in die Hölle, denn er will, dass alle Menschen gerettet werden. Aber er hat uns die Freiheit gelassen, Nein zu sagen.

Wie schaut es bei Ihnen aus, werden Sie einen Zwischenstopp im Fegefeuer machen oder kommen Sie kerzengerade in den Himmel?
Ich glaube, bei mir ist auch manches zu klären, zu reinigen, zu vergeben. Auf jeden Fall weiß ich eines: In den Himmel komme ich sowieso nur mit der Hilfe des lieben Gottes.

In der Sonntagsausgabe der „Krone“ wird auch über Auferstehung im irdischen Leben geschrieben. Ist für Sie das Wunder von Lassing eine Art Auferstehung des Bergarbeiters Georg Hainzl?
Es gibt wirkliche Auferstehungserfahrungen in diesem Leben, wie das Beispiel von Lassing oder damals in Chile, wo viele Bergwerksarbeiter verschüttet waren, die dann auf unglaubliche Weise gerettet worden sind. Es gibt auch die Auferstehung nach einer schweren Krankheit, wenn man wirklich an der Schwelle zum Tod ist und langsam die Kräfte wiederkommen.

Dann gibt es noch die Auferstehungserfahrung, wenn man aus einer tiefen Depression rauskommt und man das Leben wieder zu leben beginnt, die Kräfte wiederkommen, der Tag nicht nur eine einzige Mühsal ist. Wir machen in vielen kleinen Schritten die Erfahrung der Auferstehung.

Das Ziel der Auferstehung ist eigentlich das Weiterleben im Himmel. Wie bekommt man quasi einen Fixplatz?
(lacht)
Wir können den Himmel nicht kaufen. Franz Werfel hat darüber einen wunderbaren Roman geschrieben, „Der veruntreute Himmel“, wo eine Frau versucht, ihren Neffen zu überzeugen, dass er Priester wird, damit sie in den Himmel kommt.

Gelingt es ihr?
Sie kommt drauf, dass man den Himmel nur geschenkt bekommt.

Hinter den Leitworten „Mission first“ steckt der Auftrag, die Kirche wieder näher an den Menschen zu bringen. Sind die Kirchenbänke sonntags schon voller geworden?
Es gibt auch in Österreich Gemeinden, in denen die Bänke wieder voller sind. Ich habe vor Kurzem eine Wiener Pfarre besucht, da ist der Kirchenbesuch um 100 Prozent gestiegen. Viele Familien, eine ganz lebendige Gemeinde. Was ist das Geheimnis? Eben Lebendigkeit. Es liegt sehr stark am Pfarrer, aber bei Weitem nicht nur.

Reicht es aus, wenn man jeden Sonntag in die Kirche geht, um ein guter Christ zu sein?
Christsein hat ein eindeutiges Bewährungsfeld und das ist der Alltag. Man kann es auf die einfache Formel bringen: Zeig mir deinen Alltag und ich sag dir, ob du ein Christ bist.

Welche Kindheitserinnerungen verbinden Sie persönlich mit Ostern?
Ostereier suchen im Garten - das sind meine allerersten Ostererinnerungen - wo wir als Flüchtlinge am Attersee untergebracht waren und ich vier Jahre alt war. Es ist keine sehr fromme Erinnerung, aber eine sehr typische (lacht).

Erlauben Sie mir ein Gedankenexperiment am Ende?
Bitte!

Welches Tier wären Sie gerne, würden Sie an die Reinkarnation glauben, und warum?
Erstens, ich glaube nicht an die Reinkarnation, sondern an das ewige Leben. Zweitens finde ich es wunderschön, Tiere zu mögen und zu schätzen. Ich freu mich, wenn ich ein Lebewesen sehe, ich muss mir aber nicht vorstellen, dass es früher mal ein Mensch gewesen ist. Mir genügt das Staunen über die Größe des Schöpfers, der so wunderbare Geschöpfe geschaffen hat, das macht mir Freude. Zum Beispiel ein Schneckenhaus - es gibt kaum eine vollkommenere Form als ein einfaches Schneckenhaus.

Kathi Pirker, Kronen Zeitung

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