Mi, 25. April 2018

Menschen in Salzburg

16.01.2018 16:13

Respekt im Landtag

Josef Schöchl, seit vielen Jahren schon Landesveterinär, ist neuer Präsident: Er will in seiner kurzen Amtszeit einen guten Umgang pflegen.

Wie viele Tiere hat er schon geimpft? Wie oft vor Seuchen gewarnt? Oder sich um grausame Verstöße gegen den Tierschutz gekümmert? Da kann Josef "Peppi" Schöchl längst nicht mehr mitzählen. Seit den 90ern ist er schon Landesveterinärdirektor und damit ein Fürsprecher für Tiere und faire Haltung. "Man rechnet als Student ja nicht damit, dass man gleich ins Amt geht", sagt er, dass jeder junge Tierarzt zuerst einmal mit der "Spritze durchs Land ziehen will". Doch er wuchs in die vielseitige Rolle des Kontrollorgans schnell hinein.

"Die Wertschätzung guter Lebensmittelqualität war bei mir immer da", erzählt Schöchl von früher. Seine Eltern betrieben in Parsch einen Kramerladen, der nach ihrem viel zu frühen Tod nicht mehr weitergeführt wurde. Schöchl wollte Veterinär werden, ging zum Studium nach Wien. Wieder in Salzburg arbeitete er lange im Schlachthof, kontrollierte dort auch die Tiertransporte. Vor der EU waren lebende Tiere nur auf der Bahn unterwegs: "Es gab eine eigene Gleisanlage, wo jetzt der Obus hält."

"Nach dem Beitritt zur Union passierten die meisten Verstöße", erzählt der Veterinär von katastrophalen Mängeln. Kälber, die fast verdursteten oder gar tote Tiere, die auf der Ladefläche niedergetrampelt worden waren...

1994 wurde er Chef im Veterinäramt, sichert seither beste Qualität in Salzburger Betrieben: Fleischproben werden gezogen, die Tiere auf Medikamentenrückstände überprüft. Ein weiterer Bereich: "Tierseuchen", erinnert sich Schöchl an die BSE-Kuh aus Seekirchen oder die aktuelleren Fälle von Vogelgrippe.

Amtliche Vorgänge hat der Veterinär längst verinnerlicht. Überaus korrekt hält er Vorschriften ein. Politisch wurde Schöchl an der Basis: Zuerst im Elternverein in der kleinen Volksschule Eugendorf-Schwaighofen, dann als Gemeindevertreter. Und: "Ich bin heute Parlamentarier mit Leibe und Seele", betont er und freut sich über die Nominierung.

Im Salzburger Landtag will er eine respektvolle Kultur pflegen: "Vom Typ her bin ich ein verbindender Mensch. Ich bemühe mich auch um Deeskalation."

Als Veterinär wird sich Schöchl jetzt stark reduzieren lassen. Verschnaufpausen sind rar. "Freizeit, was ist das?", lacht er. Als Ausgleich schreibt er gern und forscht in historischen Quellen. Seine Bücher "Lebensmittelgeschichten" und "Zu Tisch" brachten teils kuriose Anekdoten zu Tage: Wer weiß beispielsweise schon, dass Konrad Adenauer im I. Weltkrieg ein Patent für eine erste "vegetarische Wurst" bekam...

Sabine Salzmann, Kronen Zeitung

Steckbrief:

Geboren am: 20. Jänner 1959, am Tag des Heiligen Sebastian.
Sternzeichen: Steinbock.
Familie: Verheiratet mit Doris (Hebamme), Tochter Agnes (25) studiert Jus.
Ausbildung/Berufsweg: Veterinär-Studium in Wien, seit 1994 Landesveterinärdirektor, politischer Start in der Gemeindevertretung von Eugendorf, seit 2009 auch VP-Landtagsabgeordneter.
Freizeit: Was ist das? Gerne in der Natur, mit unserem Hund Emil spazieren gehen (ein Appenzeller Sennenhund); meine Buchprojekte (Lebensmittelgeschichten und Zu Tisch).
Ich lese: Vor allem Sachbücher, ich bin historisch sehr interessiert.
Ich höre: Da bin ich vielseitig, vom Stones-Konzert, wo ich gerade war, bis zum Festspielbesuch.
Ich bin: Neugierig, interessiert, engagiert; relativ gründlich.
Erfolg ist: Auch in der Politik vor allem eines: Zufriedenheit; andere haben oft zu viel Gier, wollen immer noch mehr.
Meine Glücksmomente: Ich bin mit dem, was ich mache, zufrieden; es ist eine Aneinanderreihung von vielen guten Momenten; ich hatte das Glück, in meinem Leben schon viele Chancen nutzen zu dürfen.
Mein Motto: Ein respektvoller Umgang! Das will ich auch im Landtag so pflegen. Argumente statt Angriffe

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