Di, 12. Dezember 2017

Trostloses Derby

16.04.2012 10:52

Vastic: "Wir haben halt keine Robbens und Riberys"

Selten erwies sich eine Analyse von Austria-Cheftrainer Ivica Vastic so sehr als Punktlandung wie nach dem 0:0 zwischen den Veilchen und Rapid am Sonntag. "Wir haben eben keine Robbens und Riberys", stammelte er nach dem Grottenkick in der Generali-Arena, durch den zum ersten Mal Realität wurde, was es bis dahin 32 Jahre nicht gegeben hatte: zwei 0:0 endende Derbys in einer Saison.

Jürgen Patocka ist von seinem fußballerischen Naturell her nicht eben das, was man sich unter einem elegant tricksenden "Alpen-Messi" vorstellt; keiner, der mit kickender Genialität die Massen in seinen Bann ziehen könnte. Trotzdem hebt sein Trainer Peter Schöttel im Smalltalk mit Journalisten gerne Patockas "super Einstellung zum Profisport" hervor. Auf Markus Katzer, ebenfalls mit eher wenigen "Brasilianer-Genen" gesegnet, hält Schöttel ebenfalls große Stücke und tut diese Haltung auch gerne kund.

Auch nach dem trostlosen Derby verteilte Schöttel öffentlich Extralob. Und zwar für - erraten - "meine beiden Innenverteidiger (Mario Sonnleitner und Harry Pichler, Anm.), die einen großen Anteil daran haben, dass wir in der Tabelle so weit vorne stehen".

Kaum Kreativität
Es wäre freilich zu einfach, aus Schöttels oftmaligem Beifall für seine Defensivleute auf die oft spielerisch mäßigen Darbietungen seiner Truppe zu schließen. Dafür ist ein Fußballspiel zu komplex. Und sicher waren der Ausfall von Steffen Hofmann sowie die Verletzung von Boris Prokopic im Derby nicht förderlich für das Spiel seiner Mannschaft. Trotzdem: Schöttel scheint (noch) nicht gewillt (oder fähig?), Spielmachertypen heranzuzüchten, die jederzeit eine Eins-gegen-eins-Situation lösen und Tore erzielen können.

Oberknipser Hamdi Salihi verbannte Schöttel aus dem Kader, weil er seiner Auffassung nach zu wenig für die Mannschaft arbeitete. Da half es auch nicht, dass "Hamdi sicher der beste Strafraumstürmer Österreichs" war. Selbst "Fußballgott" Hofmann pferchte er zu Saisonbeginn in sein striktes System, ließ dem Kapitän weniger Freiheiten, als dieser gewohnt gewesen war.

Und auch im Derby gegen die Austria waren flüssige Kombinationen praktisch gar nicht, Torchancen in nur sehr geringem Ausmaß vorhanden. Die beste verstolperte Deni Alar in der Schlussphase stümperhaft. Zumindest Realitätsverweigerung konnte man Schöttel danach nicht vorwerfen. "Nach diesem Spiel muss ich mit dem einen Punkt zufrieden sein", sagte er nach dem Derby: "Wir haben unser Minimalziel erreicht und die Austria auf Distanz gehalten."

Vastic: "Kein Wunschkonzert"
Wirklich enttäuscht war auch Schöttels Widersacher, Austria-Trainer Vastic, nicht. "Die Leistung hat schon gepasst. Fußball ist kein Wunschkonzert." Vastic, als Aktiver begnadeter Individualist, scheint als Trainer ebenfalls zum Defensiv-Apostel konvertiert zu sein. Auch er hat für einen echten Strafraumstürmer wie Roland Linz wenig übrig. Tore schießt die Austria derzeit aber ebenso wenige.

Für Vastic vor allem deswegen, "weil wir eben keine Robbens und Riberys haben, die mit ihrer individuellen Klasse das Spiel entscheiden können. Denn auch in der deutschen Bundesliga gibt es ganz schlechte Spiele. Aber dann kommt Robben, macht zwei super Aktionen, und alle schwärmen, was das nicht für ein tolles Spiel gewesen wäre."

"Es steht extrem viel auf dem Spiel"
Von einem "tollen Spiel" konnte beim Derby aber nicht einmal ansatzweise die Rede sein, auch wenn die Austria etwas mehr vom Spiel hatte. Kapitän Manuel Ortlechner erklärte die schwache Partie damit, "dass für beide Mannschaften extrem viel auf dem Spiel steht. Da ist es doch nur verständlich, dass niemand verlieren und zuerst auf Sicherheit spielen will". Rapid-Trainer Schöttel pflichtete bei: "Natürlich macht mich diese Darbietung nachdenklich. Aber offenbar versuchen derzeit beide Mannschaften - wenig überraschend - mit den gleichen Mitteln zum Erfolg zu kommen."

Linz geht in die Offensive
Zumindest Linz, der über die Joker-Rolle wieder nicht hinauskam, wurde nach dem Spiel verbal etwas offensiver. "Nur mit Nicht-Verlieren gewinnt man sicher keine Meisterschaft. Wir müssen auch endlich wieder Spiele gewinnen." Vermutlich ist Linz nicht der Einzige, der dieser Tage die viel frequentierte These, wonach die Offensive Spiele, die Defensive aber Meisterschaften gewinne, satt hat.

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