Fr, 24. November 2017

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30.06.2008 10:53

Stimmen zum Finale Deutschland - Spanien

Spanien hat sich mit einem verdienten 1:0-Finalsieg über Deutschland zum Europameister 2008 gekrönt. Hier liest du, was die Trainer, Spieler und Experten zum Endspiel im Wiener Ernst-Happel-Stadion sagen:

Joachim Löw (Teamchef Deutschland): "Ich glaube, wir müssen die hohe Qualität der Spanier anerkennen. Klar sind wir enttäuscht, weil wir verloren haben. Trotzdem muss ich meiner Mannschaft ein Riesenkompliment machen, was wir in sechs Wochen erreicht haben. Ich habe jedem Spieler gesagt, er soll den Kopf nicht hängen lassen. Wir haben es geschafft, ins Finale zu kommen, das ist was besonderes. Die Spanier hatten die besseren Chancen, auch wenn das Tor nicht unbedingt fallen müsste, so wie es letztlich passiert ist."

Luis Aragones (Teamchef Spanien): "Ich bin absolut glücklich. Normalerweise zeige ich nicht, was ich empfinde. Aber in mir bin ich ganz voll mit Freude. Wir haben eine Mannschaft zusammengestellt, die man kaum stoppen kann. Sie ist sehr ballsicher, sie spielt gut. Wir arbeiten alle zusammen. Das ist ein glücklicher Tag für Spanien. Wir haben dieses Turnier auf brillante Art und Weise gewonnen. Wir sind glücklich und froh für Spanien und für uns alle. Jetzt wissen wir, dass wir gewinnen können - eine Europameisterschaft und auch jedes andere Turnier.

Bei der WM 2006 war unser Spiel am Anfang ganz ähnlich. Im Achtelfinale haben wir gegen Frankreich verloren, aber die Spieler von damals sind jetzt reifer geworden. Das ist jetzt eine Gruppe, die weiß, wie man gewinnt. Ich hoffe, dass sich Spanien so weiterentwickeln wird. Ich kann meinem Nachfolger nur alles Gute wünschen und, dass er gut mit dieser Mannschaft umgeht. Torres ist ein großer Spieler, er ist außerordentlich schnell und dribbelt sehr gut. Ich sage ihm das auch. Er ist noch so jung, er kann alles erreichen."

Michael Ballack (Kapitän Deutschland): "Es ist immer enttäuschend, wenn du so weit kommst und dann im Finale verlierst. Das Team hat eine tolle EM gespielt. Wir haben eben ein, zwei Fehler zu viel gemacht. Wir haben lange das Spiel offen gehalten, und das gegen ein starkes spanisches Team. Aber sie haben verdient gewonnen. Es hat dann hinten raus ein wenig die Kraft gefehlt, das Turnier war lang. Wir wollten, aber so richtig konnten wir dann nicht mehr. Die Mannschaft ist ins Finale gekommen und wenn man das Niveau des Teams betrachtet, dann war es toll, ins Finale zu kommen. Ein großes Dankeschön an Klaus Eder, der mich behandelt hat. Gestern war noch nicht daran zu denken, dass ich auflaufen kann, er hatte großen Anteil daran, dass ich am Platz stehen konnte."

Iker Casillas (Tormann und Kapitän Spanien): "Am Ende haben wir uns wirklich durchgesetzt. Als der Schiedsrichter abgepfiffen hat, verspürte ich eine immense Freude. Aber ich spüre auch sehr viel Müdigkeit."

Cesc Fabregas (Spieler Spanien): "Es ist fantastisch. Das ist mein schönster Tag als Spieler. Ich denke nicht, dass uns bewusst ist, was wir geschafft haben. Nach 44 Jahren. Das war einer meiner Träume und ich habe ihn verwirklicht. Wir haben uns Chancen erarbeitet, wir haben schönen Fußball gespielt, und wir haben schließlich verdient Erfolg gehabt. Wir sind ein junges Team und wir werden versuchen, auch in zwei Jahren den WM-Titel zu gewinnen."

Fernando Torres (Torschütze Spanien): "Ich bin unglaublich glücklich. Es wird ein gewaltiges Fest in Spanien geben. Für mich hat sich ein Traum erfüllt. Ein Sieg bei der EURO ist fast gleichbedeutend wie ein WM-Titel. Ich denke, dass wir während des Turniers einen sehr guten Fußball gespielt haben. Somit ist es nur gerecht, dass wir den Titel gewonnen haben. Wir haben unseren Platz in Europa gefunden."

Thomas Hitzlsperger (Spieler Deutschland): "Wir sind am Boden nach dieser Niederlage. Spanien hat verdient gewonnen, sie haben sehr, sehr guten Fußball gespielt. So kurz nach dem Spiel ist es schwer, ein Fazit zu ziehen. Wir haben viel Gutes gezeigt, und das müssen wir mitnehmen."

Jens Lehmann (Tormann Deutschland): "Leider stehen wir auf der Seite, die nichts zu feiern hat. Die echte Enttäuschung wird in den nächsten Tagen, Wochen und Jahren kommen. Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, das Turnier zu gewinnen. Und wir sind kurz davor gestanden und die Spanier sind zu packen gewesen. Das ist doppelt bitter. Für mich war das die letzte EM, das Turnier 2012 werde ich sicher nicht mehr bestreiten. Über die WM 2010 will ich jetzt gar nichts sagen. Wenn es eine Entscheidung gibt, dann erfahren die zuerst meine Mitspieler und Trainer."

Philipp Lahm (Verteidiger Deutschland): "Als ich den Ball rausgeschlagen habe, hat einer drübergehalten, das musste genäht werden. In der Kabine gab es keinen Fernseher, deshalb habe ich erst nach dem Rauskommen ab der 70., 75. Minute wieder das Spiel gesehen. Wir haben nicht so gut nach vorne gespielt, wie wir uns das erhofft haben. Unser Kombinationsspiel war nicht so zielstrebig wie sonst. Natürlich ist die Stimmung im Team jetzt schlecht, wir wollten den Titel holen. Aber wir müssen nach vorne schauen. Es steht jetzt eine WM-Qualifikation an, wo wir uns qualifizieren wollen und müssen."

Juan Carlos (König Spanien): "Ich freue mich für Spanien, für die Jungs von unserer Nationalelf, für alle. Wir mussten leiden, aber es hat sich gelohnt."

Jose Luis Rodriguez Zapatero (Ministerpräsident Spanien): "Ich bin stolz, als ersten Regierungschef seit der Wiedereinführung der Demokratie in Spanien einen EM-Titel feiern zu können."

Angel Maria Villar (Präsident des spanischen Verbandes): "Das ist ein Erfolg für den gesamten spanischen Fußball und einer der glücklichsten Tage für mich als Präsident."

Günter Netzer (ARD-Experte): "Auch von meiner Seite Glückwunsch an die Spanier. Sie waren die besten Mannschaft des Turniers, haben außer gegen Italien fast ein perfektes Turnier gespielt. Die deutsche Mannschaft ist im Wachstum begriffen, aber ihr wurden die Grenzen aufgezeigt. Die Spanier sind eine eingespielte Mannschaft, da müssen wir hin. Bei der Chancen Ballacks in der 68. Minute glaubte man, dass nun ein Ruck durch das Team geht, aber die Spanier haben das wieder unter Kontrolle bekommen.

Es war so, dass das Spiel der Spanier, wo man immer hinterher laufen muss, Verschleiß bringt. Da ist im Finale nach fünf Spielen normal, dass jenes Team, das dem Ball immer hinterher laufen muss, dann auch irgendwann konditionell unterlegen ist. Die Spanier haben ihre Spielweise nie geändert, ihren Rhythmus nie verlassen, hätten das Spiel schon früher entscheiden können."

Andreas Herzog (ÖFB-Teamchefassistent): "Es ist ein verdient Europameister. Spanien war in jedem Spiel fein anzusehen. Deutschland hat viel zu wenig Druck gemacht. Nach 60 Minuten hätte man versuchen können, mit vielen hohen Bällen zum Erfolg zu kommen. Ballack hat bis zum Schluss alles versucht, es war nicht der Tag der Deutschen. Wenn man von sechs Spielen nur zweimal richtig gut spielt, dann muss man mit dem Finale eigentlich zufrieden sein."

Friedrich Stickler (ÖFB-Präsident): "Ich bin ein bisschen wehmütig, dass dieses Fest zu Ende geht. Es war ein wunderbares Finale mit sehr gutem Fußball. Nach den Vorstellungen im Finale und Halbfinale haben sie (Spanien, Anm.) sich diese Krone sicher verdient."

Fernando Alonso (zweifacher Formel-1-Weltmeister): "Das ist ein tolles Gefühl. Es gab ja keinen Favoriten für das Finale, man wusste nicht genau, was passiert. Deshalb freue ich mich für die jungen Spieler, hoffentlich war das nicht der letzte Titel und sie holen noch mehr. Wir haben in Spanien viele gute Sportler, aber nach den Auf und Abs des Nationalteams war das eine großartige Leistung. Sie haben das Feiern verdient, sie haben die Spanier glücklich gemacht."

Angela Merkel (deutsche Bundeskanzlerin): "Im Finale zu stehen ist schon toll. Die deutschen Fußballer haben gekämpft, es hat nicht ganz gereicht. Bei der WM waren wir Dritter, jetzt Zweiter - wir schauen jetzt nach Südafrika, vielleicht geht es ja so weiter. Ich habe Michael Ballack nach dem Finale gesagt, dass wir noch ein bisschen warten müssen, bis wir ganz doll feiern können und uns halt langsam hocharbeiten. Die Fans werden unserer Mannschaft sicher lt, da das Finale zu erreichen, ist schon großartig."

Horst Köhler (Bundespräsident Deutschland): "Zum Fußball-Europameister 2008 hat es nicht ganz gereicht - aber das Endspiel erreicht zu haben, ist ein großer Erfolg, zu dem ich Joachim Löw und der Nationalmannschaft von Herzen gratuliere. Ich bin sicher: Diese Mannschaft hat alle Möglichkeiten noch mehr zu erreichen. Spätestens bei der WM 2010 in Südafrika."

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