Das freie Wort

Politik und Handwerk

Derzeit werden Politiker regelrecht überschüttet mit Vorwürfen zu ihrem Verhalten in der Pandemie, vor allem in den letzten Monaten. Das Vertrauen wurde verspielt. Das gilt allerdings nicht nur für Österreich, in Deutschland ist genau die gleiche Situation gegeben, man kann die offenen Fragen 1:1 übereinanderlegen. Die Kritik ist berechtigt, und wenn auch nicht alles falsch gemacht wurde, so waren doch die Fehler in der Überzahl. Es fehlte der rechtzeitige Vorausblick und vorausschauendes Handeln, schlimm war es auch, von Beginn an immer wieder auf eine führende Rolle Österreichs in Europa hinzuweisen, sich sogar jetzt noch als „Impfeuropameister“ hinzustellen. Und schlimm war auch die Rücksichtnahme auf Wahlen und Wählerstimmen (Oberösterreich). Man hat den Eindruck, dass es den Politikern am notwendigen „Handwerk“ mangelt. Es wäre gut, wenn auch Politiker eine Schule mit Prüfungen durchlaufen müssten, beginnend mit einer Lehrzeit, nach der Ablegung der „Gesellenprüfung“ und wenn sie ganz nach oben kommen wollen, ist das Bestehen einer „Meisterprüfung“ Voraussetzung. Ganz einfach so, wie es in der Mehrzahl der Berufe verlangt wird, freie Berufe und Berufe wie PR-Beratug, Werbeagentur oder Berufe ohne Befähigungsnachweis ausgenommen. Mit Quereinsteigern hat man noch selten Glück gehabt, und Topleute aus der Wirtschaft sind nicht bereit, in die Politik zu gehen. Es sollte in der Politik nicht genügen, wenn man top ist in Sprachgewandtheit, Auftreten und „Message Control“. Es braucht mehr Mut, Ehrlichkeit, Entschlossenheit, Demut nicht nur mit Worten sowie die Kunst, Fehler einzugestehen, dazu zu stehen und sich zu entschuldigen – aber nicht nur halbherzig.

Dkfm. Ewald Fritz Schrempf, Ramsau am Dachstein

Erschienen am Sa, 27.11.2021

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