Wieder einmal steht die Welt am Rand einer Eskalation im Nahen Osten – und wieder einmal sind es die USA, die mit militärischen Aktionen eine Kettenreaktion auslösen, deren Folgen andere zu tragen haben. Die Angriffe auf den Iran und die darauffolgende Sperre der Straße von Hormus zeigen ein altbekanntes Muster: Washington handelt, Europa zahlt. Rund 20 Prozent des weltweit verschifften Öls laufen durch diese Meerenge. Wenn dort Tanker ankern und Reedereien ihre Fahrten einstellen, dann ist das kein abstraktes geopolitisches Schachspiel – dann bedeutet das steigende Spritpreise, höhere Heizkosten, wachsende Inflation und wirtschaftliche Unsicherheit. Für die EU heißt das: Unsere Industrie gerät unter Druck, unsere Bevölkerung spürt es im Geldbörsel, unsere Konjunktur schwächelt. Und Österreich? Wir mögen geografisch weit entfernt sein, doch wirtschaftlich hängen wir am Tropf der globalen Energiemärkte. Jeder Preisschock trifft Haushalte und Betriebe gleichermaßen. Gerade erst haben wir die Energiekrise der letzten Jahre mühsam verarbeitet – nun droht die nächste. Was besonders empört: Es fehlt jegliche erkennbare Rücksicht auf die europäischen Interessen. Während in Washington strategische Machtspiele betrieben werden, stehen wir vor den wirtschaftlichen und möglicherweise auch migrationspolitischen Folgen. Wenn sich dieser Konflikt ausweitet, drohen neue Flüchtlingsbewegungen aus einer ohnehin instabilen Region. Schon frühere Interventionen im Nahen Osten haben Millionen Menschen zur Flucht gezwungen. Europa hat die humanitären, politischen und gesellschaftlichen Konsequenzen getragen. Es ist höchste Zeit, dass die EU endlich selbstbewusster auftritt und klarmacht: Wir sind nicht der wirtschaftliche Puffer für geopolitische Abenteuer. Wer militärisch eskaliert, muss auch Verantwortung für die globalen Folgen übernehmen. Europa braucht eine eigenständige Außen- und Sicherheitspolitik – nicht das ständige Hinterherlaufen hinter amerikanischen Entscheidungen. Die Straße von Hormus ist weit entfernt. Doch die politische Verantwortungslosigkeit, die uns nun wieder in eine Krise treibt, spüren wir direkt vor unserer Haustür.
Mike Payer, Neusiedl am See
Erschienen am Di, 3.3.2026
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