Mi, 14. November 2018

Online-Geschnatter

17.03.2009 13:32

Alles über das Web-Phänomen Twitter

US-Präsident Barack Obama tut es, ZiB-Anchorman Armin Wolf seit kurzem auch und Britney Spears sowieso: "twittern". Twitter (englisch für "Gezwitscher"), das ist ein Internetdienst, der sich seit seiner Gründung im Jahr 2006 steigender Beliebtheit erfreut und zuletzt vor allem in Verbindung mit Ereignissen wie den Terroranschlägen im indischen Bombay oder der Notwasserung eines Airbus auf dem New Yorker Hudson River für mediale Aufmerksamkeit sorgte. Was es mit Twitter auf sich hat, was du zum "Zwitschern" brauchst und auf welche kreative Art und Weise andere Anbieter den Online-Dienst für neue, spannende Projekte nutzen – krone.at verrät es dir.

Es ist eine einfache Frage, die "Twitter" da in den Raum stellt: "Was machst du gerade?" Inzwischen geben jeden Monat rund 4,5 Millionen Nutzer darauf Antwort, Tendenz steigend. Ihr bevorzugtes Ausdrucksmittel sind die sogenannten "Tweets": Kurznachrichten, die maximal bis zu 140 Zeichen lang sein dürfen und alles beinhalten, was der Alltag so mit sich bringt – von Belanglosigkeiten wie "Ich vertreibe mir die Zeit auf dem Klo" bis zu spannenden Neuigkeiten mit Nachrichtenwert.

Twitterer berichten live vor Ort
Bei den Terroranschlägen im indischen Bombay im November 2008 vergingen beispielsweise nur wenige Augenblicke, ehe Augenzeugen quasi im Sekundentakt via Twitter von den Geschehnissen vor Ort berichteten. Wenige Monate später, im Jänner 2009, beobachtete Janis Krum von Bord einer Fähre aus, wie ein Airbus auf dem New Yorker Hudson River notwasserte. Einen iPhone-Schnappschuss später ging das Bild der Unglücksmaschine über die angekoppelte Bilder-Plattform "TwitPic" um die ganze Welt.

Prominente Zwitscherer
Kein Wunder also, dass immer mehr Menschen den Mikroblogging-Dienst nutzen. Schätzungen zufolge wuchs Twitter im vergangenen Jahr um sage und schreibe 750 Prozent. In die Liste der Nutzer reihen sich solch prominente Namen wie Barack Obama, Britney Spears, Shaquille O'Neal, Lance Armstrong, Sacha Baron Cohen alias "Borat", Ashton Kutcher oder Demi Moore, um nur einige zu nennen. Bei unseren deutschen Nachbarn twittert inzwischen laut einer Nielsen-Media-Studie jeder zehnte Abgeordnete aus dem Bundestag, jüngster Promi-Twitterer hierzulande ist seit Mitte Februar ZiB-Nachrichtensprecher Armin Wolf.

Eine Mitteilung für alle
Ein Grund für die wachsende Popularität des Dienstes ist mit Sicherheit die einfache Handhabung: Nach einer kurzen und kostenlosen Registrierung über die Website (siehe Infobox), kann jedermann über das Web, per SMS oder mit einem speziellen Client mitteilen, was er gerade so treibt, tut und macht. Der Unterschied zur SMS am Handy ist allerdings, dass sämtliche "Tweets" standardmäßig öffentlich zugänglich sind. Wahrgenommen werden die Mitteilungen jedoch vor allem von den eigenen "Followern" - Freunden oder auch einfach neugierigen Nutzern, die die Tweets anderer Twitterer abonniert haben und automatisch beim Twitter-Start angezeigt bekommen.

Der Twitter-Mikrokosmos im Web
Mittlerweile haben viele Anbieter das Potential des öffentlichen SMS-Geplappers erkannt und das Twitter-Grundkonzept in sogenannten "Mashups" mit spannenden und kreativen Ideen erweitert. "Twittervision" (siehe Infobox) etwa, kombiniert den "Twitter"-Dienst mit Google Earth. Dadurch lässt sich nicht nur feststellen, wer wann gerade was macht, sondern auch wo. "Twitpic", eine Art Mini-Flickr, erlaubt Nutzern hingegen, Bilder hochzuladen und diese mit anderen Twitterern zu teilen. Verschickt wird dabei allerdings nicht das Bild, sondern lediglich ein Link. In Twitter muss es schließlich schnell gehen.

Und kurz. Ein Umstand, denn sich "is.gd" zu Nutze macht. Da Webadressen bei nur 140 zur Verfügung stehenden Zeichen schlichtweg zu viel Platz in Anspruch nehmen würden, komprimiert der Dienst die URLs von Websites auf ein Minimum. "Twitter Search", seit Sommer 2008 fixer Bestandteil von Twitter, erlaubt den Mikrobloggern wiederum, sämtliche Tweets in Echtzeit nach bestimmten Begriffen zu durchsuchen.

Wohl mehr etwas für das eigene Ego sind Dienste wie "Twitter Grader" oder auch "TweetStats": Twitterer bekommen hier angezeigt, wie viele Tweets sie in den letzten Stunden, Tagen, Wochen und Monaten verfasst haben und wer darauf geantwortet hat. Abhängig von der Anzahl der "Follower", also jener Menschen, die das eigene Gezwitscher lesen, gibt es im Fall von "Twitter Grader" sogar eine Bewertung.

Twitter als Kontaktbörse
Wo schon von Anhängern die Rede ist: "FriendOrFollow" listet einerseits auf, welche Tweets anderer Nutzer man selbst verfolgt, gibt andererseits aber auch an, welche Twitterer die eigenen Tweets lesen und beobachten. Sollte das Ergebnis nicht zufriedenstellen, kann "Mr. Tweet" helfen, zu den eigenen Vorlieben passende Twitterer ausfindig zu machen. Zu diesem Zweck analysiert der Dienst etwa, wer die Anhänger sind, die wiederum den eigenen Anhängern folgen und spricht Empfehlungen aus. Ein einfacher Weg, schnell neue und interessante Twitter-Bekanntschaften zu machen.

Bequem den Überblick bewahren
Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und selbst loszwitschern möchte, der wirft am besten einen Blick auf die Desktop-Applikation "TweetDeck", die übersichtlich sämtliche Tweets - sowohl von Freunden als auch die eigenen – unter einer Oberfläche zusammenfasst. Via PopUp werden Nutzer zudem über eintrudelnde Nachrichten in Kenntnis gesetzt, während sich mit Hilfe der "TweetShrink"-Funktion überflüssige Vokale auf Knopfdruck wegkürzen lassen. Die Beta-Version steht für Windows-, Mac- und Linux-Rechner zum kostenlosen Download bereit. Wer bereits mit Mozillas Open-Source-Browser Firefox surft, kann sich alternativ auch mit der Erweiterung "TwitterFox" die neuesten Tweets direkt in den Browser holen – ohne dafür Twitter aufrufen zu müssen.

Vorsicht vor allzu freizügigem Twitter-Umgang
Abschließend sei allerdings noch vor einem allzu freizügigen Umgang mit persönlichen Informationen in Twitter gewarnt. Ein Hinweis, den wohl auch Pete Hoekstra, seines Zeichens führender Republikaner im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses, hätte beherzigen sollen: Der US-Politiker hatte Twitter benutzt, um seine Freunde bei einer Reise durch Afghanistan und den Irak über seinen genauen Aufenthaltsort zu informieren. Nachrichten wie "Gerade in Bagdad gelandet" oder "Mit dem Hubschrauber in die Grüne Zone geflogen. Irakische Flagge über dem Palast. Gehe zur neuen US-Botschaft. Scheint ruhiger, weniger chaotisch als beim letzten Mal" waren für jedermann lesbar. Sehr zum Leidwesen des Pentagon, welches am Dienstag erklärte, dass es Vorschrift sei, keine Details von der Reise einer Kongressdelegation zu veröffentlichen, bis diese ihr Ziel erreicht habe.

Wer Privates privat halten möchte, sollte daher in Twitter auf die Direktnachrichten-Funktion zurückgreifen: Ähnlich einer E-Mail, können durch Voranstellung eines "d" vor den Benutzernamen private Nachrichten verschickt werden. Mit Hilfe eines vorangestellten @-Zeichens können sich Tweets zwar auch an einzelne Benutzer wenden, öffentlich bleiben sie dennoch.

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