1600 Unterschriften und ein Gegengutachten konnten die geplante Fällung von 26 Linden in St. Pölten nicht stoppen. Die Stadt hält aus Sicherheitsgründen daran fest. Die Gegner sehen weiter Alternativen – und hinterfragen auch die Rolle eines geplanten Feuerwehrhauses.
Die Linden stehen noch, doch ihre Tage sind nach den Plänen der Stadt gezählt: Am 27. Oktober beginnen die Straßenarbeiten in der Heidenheimer Straße in St. Pölten. Nach monatelangen Diskussionen und einer neuerlichen Prüfung hält das Rathaus am Austausch des Baumbestands fest.
Vor allem die Bürgerplattform „Pro St. Pölten“ und die parteiunabhängige Gemeinderätin Susanne Binder-Novak hatten sich gegen die Fällung der 26 Linden gestellt. Ein Gegengutachten sollte ihren Erhalt ermöglichen. Die Stadt kommt weiterhin zu einem anderen Ergebnis.
Stadt verweist auf Sicherheit
Die Bäume seien bereits angeschlagen und würden durch die Bauarbeiten zusätzlich belastet, heißt es aus der Stadtgärtnerei. Ihre Wurzeln haben den Straßenbelag angehoben. Ein dauerhafter Erhalt sei mit den Anforderungen an barrierefreie Gehwege und eine funktionierende Entwässerung nicht vereinbar.
„Es geht um die Sicherheit“, betont Stadtgärtner Robert Wotapek. Auch Martin Petermann vom technischen Büro warnt, dass Eingriffe bei dem dokumentierten Zustand der Bäume ein nicht kalkulierbares Risiko für deren Standsicherheit darstellen würden.
Wir haben in St. Pölten bereits ein tragisches Ereignis zu verzeichnen gehabt, das sich nicht wiederholen darf.
Stadtgärtner Robert Wotapek
Geplant sind eine schmälere Fahrbahn, breitere Gehwege und Tempo 30. Vier bis fünf Meter hohe Ersatzbäume sollen nach dem Schwammstadtprinzip gepflanzt werden. Weitere Pflanzungen sind in der angrenzenden Viktor-Adler-Straße vorgesehen. Letzte Arbeiten sollen im Frühjahr 2027 erfolgen.
„Trotz 1600 Unterschriften“
Die Gegner überzeugt das nicht. Trotz 1600 Unterschriften würden gesunde Bäume gefällt, beklagt Ulrike Nesslinger von „Pro St. Pölten“. Die Plattform habe Lösungen für eine baumschonende Straßensanierung vorgeschlagen.
Binder-Novak beruft sich auf den Sachverständigen Prosenz: Eine Sanierung mit einem Meter Abstand zu den Bäumen sei laut dessen Gegengutachten möglich. Weil die Fahrbahn ohnehin schmäler werden soll, könnten auch die bestehenden Linden mehr Platz erhalten. Wasser- und Fernwärmeleitungen seien bereits verlegt worden, ohne dass die Bäume Schaden genommen hätten, argumentiert die Gemeinderätin.
Feuerwehrhaus bisher ohne eingereichtes Projekt
Binder-Novak hinterfragt zudem ein geplantes Betriebsfeuerwehrhaus für die Firmen Voith und Blum, das damals auch im Gemeinderat als einer der Gründe für den Umbau genannt worden sei. „Für das geplante Feuerwehrhaus gibt es kein konkret eingereichtes Projekt, wie meine Anfrage an den Bürgermeister ergab“, erklärt sie.
Die Stadt verweist unabhängig davon auf die unterschiedlichen Anforderungen an die Straße: Sie dient Anrainern, Radfahrern, Autos und Bussen sowie als mögliche Route für die An- und Ablieferung von Gütern zum Voith-Areal.
Auch bei den Ersatzpflanzungen bleibt Binder-Novak kritisch: Nur 14 neue Bäume in der Heidenheimer Straße seien kein adäquater Ersatz für die 26 alten Linden. Konkrete Zahlen nennt die Stadt in ihrer aktuellen Aussendung keine, sie verweist darin auch auf zusätzliche Pflanzungen im angrenzenden Grätzel.
Anrainerinformation erwähnt keine Fällungen
Doch damit nicht genug. Auch die Verständigung der Bewohner kritisieren die Gegner. Die Stadt erklärt, die Anrainer seien informiert worden. Binder-Novak hält dagegen: Das verschickte Schreiben kündigt lediglich Straßenarbeiten vom 27. Oktober bis zum 18. Dezember an. Baumfällungen werden nicht erwähnt.
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