In einem gemeinsamem Großeinsatz hat Wiens Gruppe Sofortmaßnahmen mit mehreren beteiligten Magistratsabteilungen und sogar einer Abordnung der Ärztekammer einem Horror-Mediziner in Favoriten am Dienstag das Handwerk gelegt. Die vorgefundenen Zustände spotteten jeder Beschreibung.
Ein behördliches Großaufgebot nahm sich am Dienstag die verdächtige Arztpraxis im 10. Bezirk vor: Mit der Gruppe Sofortmaßnahmen waren unter anderem auch der städtische Gesundheitsdienst, das Sozialamt, die Polizei, die Wiener Ärztekammer und die Gesellschaft für medizinische Qualitätssicherung im Einsatz. Alle Beteiligten fanden mehr Missstände vor, als sie sich in ihren kühnsten Alpträumen vorstellen konnten.
Medizinisches Kabinett des Schreckens
Der Skandal-Arzt hätte seinen Beruf seit zehn Jahren schon nicht mehr ausüben dürfen. Trotzdem bot er Behandlungen von Botox-Spritzen bis hin zu Beschneidungen an. Zum Teil soll er die Behandlungen unter dem Deckmantel – und mit dem offiziellen Stempel – eines anderen in der Ordination tätigen Arztes vorgenommen haben. Eine Hilfskraft war darüber hinaus schwarz beschäftigt. Ebenso konnten unberechtigte Bezüge aus der Wiener Mindestsicherung nachgewiesen werden.
Am schwersten wogen jedoch die gesundheitsgefährdenden Umstände in der Praxis selbst: Verunreinigte Spritzen sowie abgelaufene, nicht fachgerecht gelagerte und angebrochene Medikamente wurden ebenso gefunden wie solche, die in der EU gar nicht zur Verwendung zugelassen sind – zum Teil auch in einem Rollcontainer im Wartebereich „zur freien Entnahme“ ohne jegliche Kontrolle. Grauenhafte allgemeine hygienische Zustände fielen angesichts dessen kaum mehr ins Gewicht.
Wenn Menschen medizinische Hilfe suchen, müssen sie sich darauf verlassen können, in sicheren Händen zu sein. Dieses Vertrauen darf niemals missbraucht werden.

Walter Hillerer, Leiter Gruppe Sofortmaßnahmen
Bild: Zwefo
Medizinischer Ausrüstung wie dem EKG fehlten alle nötigen Prüfbescheinigungen, eine Notfallausrüstung fehlte völlig. Die hätte allein schon wegen des baulichen Zustands der Ordination nötig werden können: Wilde Verkabelungen und aus der Wand hängende Steckdosen stellten noch vor der Behandlung ein Risiko für Patienten dar. Es hagelte haufenweise Anzeigen, bis hin zu schwerem Betrug. Die Praxis wurde versiegelt, die Schlösser ausgetauscht.
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