Im Kampf gegen die illegale Tötung von Wildtieren schickt der WWF jetzt seinen vierbeinigen Kommissar auf die Fährte. Eingesetzt wird er vor allem in Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark.
Finns feine Nase soll Gift finden und bedrohte Wildtiere retten. Er ist nämlich unsere verlässliche Spürnase gegen den lautlosen Tod‘, so Aktivistin Christina Wolf-Petre! Dort, wo das Unterholz dicht ist, der Waldboden modrig riecht und zwischen Blättern und Ästen tödliche Fallen lauern können, beginnt Finns wichtige Mission. Der fünfjährige Schäferhund-Mischling hat eine Aufgabe, die Leben retten kann: Er soll Giftköder, präparierte Tierkadaver und andere Spuren illegaler Wildtierverfolgung aufspüren. Wo andere längst vorbeigehen, nimmt seine feine Nase womöglich jene Fährte auf, die den entscheidenden Hinweis auf ein grausames Verbrechen liefert.
Der neue WWF-Spürhund steht ab sofort für Einsätze mit der Polizei bereit. Vor allem in Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark soll er künftig nach Beweisen suchen, die menschlichen Suchtrupps in unwegsamem Gelände oft verborgen bleiben.
„Finn hilft, illegale Abschüsse, Vergiftungen oder tödliche Fallen aufzudecken. Seine Funde können entscheidende Hinweise für die polizeilichen Ermittlungen liefern sowie weiteren Wildtieren das Leben retten“, erklärt Artenschutzexpertin Wolf-Petre.
Wenn ein Giftköder zur tödlichen Falle wird
Besonders perfide ist die Gefahr durch präparierte Kadaver und ausgelegte Giftköder. Was für ein ahnungsloses Wildtier wie eine vermeintlich harmlose Mahlzeit aussieht, kann zur tödlichen Falle werden. Und das Sterben endet nicht zwangsläufig beim ersten Opfer: Nehmen weitere Tiere das Gift auf, kann sich die Gefahr durch die Natur fortpflanzen.
Hier kommt Finn ins Spiel. Der ausdauernde Rüde kann große Flächen in kurzer Zeit absuchen. Werden gefährliche Köder entdeckt, können sie rasch entfernt und als mögliche Beweismittel gesichert werden. Finn soll nicht nur bei konkreten Ermittlungen helfen, sondern auch bei präventiven Suchaktionen zum Einsatz kommen.
Gerade in weitläufigen Wäldern, dichtem Gestrüpp und unübersichtlichem Gelände kann seine Spürnase den entscheidenden Unterschied machen. Denn jedes entdeckte Giftdepot kann verhindern, dass ein weiteres Tier qualvoll verendet.
Ein Vierbeiner mit Erfahrung
Finn ist ein sogenannter X-Herder, eine Mischung aus Holländischem Schäferhund und Malinois. Er gilt als ausgeglichen, lernfreudig und ausdauernd – Eigenschaften, die ihn für seine anspruchsvolle Aufgabe besonders geeignet machen.
Dass er nicht nur Talent, sondern auch praktische Erfahrung mitbringt, hat er bereits bewiesen: In der Steiermark spürte er Luchskot auf und unterstützte damit das Monitoring der bedrohten Wildkatzen.
Doch auch ein Spürhund mit einer so wichtigen Mission braucht Abwechslung. „Auch abseits der Suche ist er für jeden Spaß zu haben. Hauptsache er ist dabei und es gibt etwas zu tun“, erzählt Wolf-PetreFinn ist nach der in Tirol stationierten Hündin Lea der zweite WWF-Spürhund in Österreich. Langfristig soll ein flächendeckendes Netzwerk aus geschulten Mensch-Hund-Teams entstehen, die nach einheitlichen Standards zertifiziert sind und gemeinsam gegen die illegale Verfolgung heimischer Wildtiere kämpfen.
487 Opfer – und viele Verbrechen bleiben verborgen
Wie dringend Hilfe gebraucht wird, zeigen die Zahlen des gemeinsamen Wildtierkriminalitäts-Berichts von WWF und BirdLife: Zwischen 2017 und 2025 wurden in Österreich 310 Fälle dokumentiert, bei denen insgesamt 487 Wildtiere zu Opfern illegaler Verfolgung wurden. Darunter waren Abschüsse, Vergiftungen und Tiere, die in Fallen gerieten.
Doch die dokumentierten Fälle dürften nur einen Teil des tatsächlichen Ausmaßes zeigen. „Bei den bekannten Fällen handelt es sich aber nur um die Spitze des Eisberges. Nach wie vor wird nur ein geringer Anteil der Fälle tatsächlich aufgedeckt“, warnt Wolf-Petre.
Hinter jeder Zahl steht ein Lebewesen, das durch menschliche Handlungen getötet oder schwer verletzt wurde. Und hinter jedem unentdeckten Verbrechen bleibt die Gefahr bestehen, dass weitere Tiere denselben Tätern oder denselben tödlichen Fallen zum Opfer fallen.
Damit der Tod im Wald nicht unentdeckt bleibt
Der WWF fordert deshalb einen nationalen Aktionsplan gegen Wildtierkriminalität. Bund und Länder sollen ihre Maßnahmen bündeln, Zuständigkeiten klar festlegen und verbindliche Ziele zur Verringerung illegaler Wildtierverfolgung vereinbaren.
Finn kann die Ermittler dabei unterstützen, Spuren zu finden, Beweise zu sichern und weitere Opfer zu verhindern. Allein wird er das Problem nicht lösen. Doch seine Arbeit könnte helfen, Verbrechen sichtbar zu machen, die sonst unentdeckt im Dickicht verschwinden würden.
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