Die Herbstferien, seit sechs Jahren fixer Bestandteil des heimischen Kalenders, bringen einen gewaltigen Rhythmusbrecher mit sich. Den kann man zelebrieren und ein paar Tage abschalten, was die Touristiker freut. Schulexperten sind weniger euphorisch: Die Zeit, um nach den Sommerferien wieder Tritt zu fassen, sei zu kurz.
Würde der Nationalfeiertag nicht schon seit 1965 im Kalender stehen, um die Beschlussfassung des Neutralitätsgesetzes zu feiern, man hätte ihn für die Steiermark nicht besser erfinden können. Im Herzen der Saison glänzen die Qualitäten des Landes besonders bunt, seit sechs Jahren ist der 26. Oktober auch noch Eckpfeiler der Herbstferien, die den Schülern bis Allerseelen eine freie Woche bescheren.
Steiermark hat im Herbst „riesigen klimatischen Vorteil“
Kein Wunder, dass sich die Touristiker die Hände reiben. „Wir haben einen riesigen klimatischen Vorteil in den Ausläufern der Alpen“, hat Gernot Deutsch, Landesvorsitzender der Österreichischen Hotelvereinigung, eine Erklärung für die weiß-grüne Attraktivität im Herbst parat. „Wir haben rundum die wenigsten Erscheinungen von Wind und Wetter, viele Gäste schwärmen von einer Verlängerung des Sommers.“
Die Herbstferien sind für uns eine Wohltat. Gerade wir in der Steiermark sind mit unserer Vielfalt die erste Adresse der Österreicher.

Gernot Deutsch, Landesvorsitzender Österreichische Hotelvereinigung
Bild: Bernhard Raab
Als Geschäftsführer der Heilthermen Bad Waltersdorf ist er doppelter Nutznießer der Entschleunigungswoche mitten im Herbst. „Den Megatrend Gesundheit/Longevity bespielen wir Steirer wie niemand anderer“, sagt Deutsch. So könne man – ganz im Sinne des Durchschnaufens vor allem für Familien mit Schulkindern – „Menschen aus dem Alltag herausholen und dabei die komplette Klaviatur bedienen“. Die reiche von Outdoor-Aktivitäten, die bei passablem Wetter in der Ferien-Woche noch gut möglich sind, bis zu den kulinarischen Höhepunkten in der Erntedank-Saison.
Ausgerechnet im Ausnahme-Jahr 2020 gab es in Österreich die ersten Herbstferien. Im Lockdown-Trubel, der die Schüler vor ungekannte Herausforderungen stellte, ging die Premiere fast unter. Seither hat sich die zusätzliche Ferienwoche etabliert.
„Bremspunkt“ kommt für viele Schüler zu früh
„Der Termin für die Herbstferien passt schon“, sagt auch Schulpsychologe Josef Zollneritsch, der frühere Leiter der entsprechenden Abteilung in der Bildungsdirektion Steiermark. Aber: „Es geht um die Rhythmisierung des Schuljahres – wie Arbeitsphasen mit Erholungszeit unterbrochen werden.“ Die aktuelle Regelung sei diesbezüglich alles andere als perfekt, der Sprint vom Schulstart bis zur herbstlichen Vollbremsung einfach zu sportlich. Er könnte sich eine Vorverlegung oder gar Kürzung der Sommerferien vorstellen. Auch private Lerninstitute sprechen sich für solche Überlegungen aus.
Ferien in Stein gemeißelt, Touristiker investieren
So richtig rütteln will an den Herbstferien derzeit jedenfalls niemand. Und so bauen die Touristiker ihre Angebote weiter aus. „Wir haben in den letzten Jahren viele Investitionen getätigt“, berichtet Deutsch. Es gehe um eine qualitative und strategische Weiterentwicklung. Von den Buchungszahlen fühlt man sich bestätigt: Diese sähen heuer „besonders stark aus“.
Wegnehmen will man ja niemandem etwas – weder den erholungsbedürftigen Schülern, noch der Tourismuswirtschaft, für die eine zusätzliche Ferienwoche die Kassen klingeln lässt. „Aber wenn man ein bisschen was verändert, würde die Welt nicht zusammenstürzen“, sagt Josef Zollneritsch. Der Grazer Schulpsychologe beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Balance zwischen Arbeit und Erholung.
Es ist ein ständiges Nachjustieren, bei dem seit Einführung der bundesweiten Herbstferien eine neue Konstante dazugekommen ist. Glücklich ist Zollneritsch darüber nicht, „die jetzige Situation entspricht nicht wirklich den lernpsychologischen Anforderungen“. Die gesamte Schullandschaft brauche am Semesterbeginn „ein bis zwei Wochen, bis sie richtig in Fahrt kommt“. Nach sechs Wochen ist dann schon wieder Schluss. Das ist vor allem ein Problem für Schüler, „die länger brauchen, bis sie wieder bei der Sache sind“. Es sei ja auch „einiges zu erledigen in einem Schul-Herbst“, gibt Zollneritsch zu bedenken.
Kürzung im Sommer könnte Herbstferien verdoppelt
Die neuen Ferien vom Nationalfeiertag bis Allerseelen „kann man schon haben“, aber dann sollte der Sommer neu gestaltet werden. Auch die extreme Hitze, die heuer drei Wochen vor Schulschluss einsetzte, spreche dafür. Der Lösungsansatz des Experten: „Wir sollten mit den Sommerferien ein bis zwei Wochen früher anfangen und auch andenken, diese auf acht Wochen zu verkürzen.“ Daraus ergäben sich „bessere Erholungspakete“ – und die Herbstferien könnten auf zwei Wochen verlängert werden.
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