Am Sonntag, 18. Oktober, wird um 11 Uhr im südsteirischen Aflenz an der Sulm das „Aflenz Memorial“ eröffnet. Die begehbare Gedenkstätte der Künstlerin Milica Tomić erinnert an das Nebenlager des KZ Mauthausen.
Dass es in Aflenz an der Sulm ein Nebenlager des KZ Mauthausen gab, ist trotz fehlender baulicher Überreste kein Geheimnis. Doch an diesem Ort tendiert man – im Gegensatz zu vielen anderen – nicht dazu, diese Erinnerung unter den Teppich zu kehren. „Solange man für Gedenkarbeit Kommentare wie ,Jetzt muss es auch einmal genug sein‘ erntet, muss man darauf hinweisen, dass die Verantwortung nie endet“, bringt Peter Stradner, Bürgermeister von Wagna und Mauthausen Guide, sein Engagement auf den Punkt.
Jahrelange Vorarbeit
Seit 2008 ist das Institut für Kunst im öffentlichen Raum (damals noch unter Werner Fenz, später unter Elisabeth Fiedler und jetzt unter Gabriele Mackert) mit an Bord und hat mit der Arbeit von Helmut & Johanna Kandl am „Wächterhaus“ bereits die Spuren des NS-Terrors in der Region verfolgt. Im Jahr 2013 stieß die Künstlerin Milica Tomić auf Einladung von Fenz dazu. In jahrelanger Arbeit und in enger Kooperation mit dem Archäologen Bernhard Schrettle sowie dem Bepflanzungsexperten Andreas Boden wurde auf dem Areal das „Aflenz Memorial“ geschaffen, dass nicht nur viel über das Lager erzählt, sondern in seiner Subtilität tief berührt.
„Der Boden ist ein Archiv“, betont Tomić. Die angelegten Wege zeichnen die Spuren des Lagers nach. Auch die Pflanzen folgen diesem Ansatz und sollen den vom Ackerbau ausgelaugten Boden heilen. Gefunden wurden in diesem „Archiv“ nicht nur die Samen der nun ausgesetzten Gewächse, sondern auch eine Häftlingsmarke, Schuhe, Keramik und anderes mehr. Freiflächen im Gelände erinnern zudem an den Appellplatz und eine Baracke, ein frisch gepflanztes Wäldchen an das Massengrab im Wald hinter dem Lager.
Kraftvolle Gedenkstätte gegen den Faschismus
Mehrere Infosäulen (ab 2027 auch Audioguides) erzählen die Geschichte des Lagers, listen auch die Namen von 81 bekannten Lagertoten auf. Im Zusammenspiel mit dem Römersteinbruch, in dem die Insassen für die Rüstungsindustrie arbeiten mussten, und dem „Wächterhaus“ ist hier eine kraftvolle Gedenkstätte entstanden – auch gegen den latenten und aktuell wieder wachsenden Faschismus.
Eröffnet wird das „Aflenz Memorial“ am Sonntag, 18. 10., um 11 Uhr. An diesem Tag stehen auch sechs Mauthausen Guides für Rundgänge bereit.
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