Zu ihrem 90. Geburtstag kommt die Dokumentation „Nöstlinger. Sowieso und überhaupt“ in die Kinos. Schauspielerin Ursula Strauss spielt die Autorin und sieht sie als großes Vorbild.
Kaum zu glauben, aber die große Christine Nöstlinger würde heute ihren 90. Geburtstag feiern. Angesichts des Jubeltages wird der heimische Markt mit Huldigungsprojekten überflutet – zu den besten gehört die von Alexandra Schneider inszenierte Dokumentation „Nöstlinger. Sowieso und überhaupt“, die gerade in den heimischen Kinos anläuft.
Doch Achtung: Die filmische Umsetzung hat nichts mit ihrem gleichnamigen Buch „Sowieso und überhaupt“ zu tun, sondern ist ein profunder und durchaus emotionaler Streifzug durch ihr einzigartiges Leben, mit dem sie Kinder- und Jugendliteratur für immer verändert hat.
„Meine Geschichten beruhen zu 80 Prozent auf Realität“, erzählt sie in einem der vielen Interviews aus den Archiven, „zu 20 Prozent verbessere ich sie.“ Sie erzählt in zahlreichen Auszügen selbst über ihre Motivationen und Beweggründe, dazu werden unterschiedliche Persönlichkeiten wie Autorin Stefanie Sargnagel oder ihre früheren Verleger Hubert Hladej und Silke Weitendorf interviewt. In den Zwischenszenen lesen Kinder in der Gegenwart Nöstlinger: im Schulklo, in der Straßenbahn oder im Gemeindebau.
Christine Nöstlinger (13. Oktober 1936 – 28. Juni 2018) gilt als eine der wichtigsten Kinder- und Jugendbuchautorinnen im deutschsprachigen Raum. Die geborene Hernalserin bezeichnete sich selbst als „wildes und wütendes Kind“, das von einem Uhrmacher und einer Kindergartenerzieherin aufgezogen wurde.
Nöstlinger war zweimal verheiratet und hat zwei Töchter. Im Laufe ihres Lebens schrieb sie mehr als 140 Bücher, wurde oftmals prämiert.
„Sie hat um die Stärke des Wortes gewusst“
Nöstlingers Rolle rauchend an der Schreibmaschine übernimmt Ursula Strauss, während Texte der Autorin aus dem Off eingesprochen werden. „Nöstlinger war eine kluge Kämpferin und hat um die Stärke des Wortes gewusst“, so Strauss zur „Krone“, „die Leute haben eine Sehnsucht nach dieser Sprache. Sie saugen ihre Texte auf und verstehen sie in ihrem tiefsten Inneren.“
Die Wienerin nahm Kinder ernst und hat damit auch deren Bild in der Welt nachhaltig verändert. „Das ist alles andere als selbstverständlich. Es wird sehr oft verzärtelt, aber man kann ihnen schon zutrauen, dass sie uns auf normale Art und Weise verstehen. Man kann Kindern zutrauen, mit ihnen zu sprechen, sie zu fordern und zu fördern. Man muss sie nicht verniedlichen.“
Für Strauss ist Nöstlinger Vorbild und Heldin zugleich: „Sie hat Haltung gezeigt und machte klar, dass es keinen Widerspruch braucht, weil alles Wahrheiten waren.“
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