Eine Delegation aus Oberösterreich machte sich in Marokko ein Bild vom „Exportgut der Zukunft“. Warum man bei der „Schlüsseltechnologie zur Umstellung der Industrie“, dem Wasserstoff, auf das afrikanische Land und die dort befindliche Wüste setzt und wie er die Mobilität grüner machen könnte, lesen Sie hier.
Wenn Marokko im Jahr 2030 einer der Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft ist, soll das Land strahlen, zahlreiche Großprojekte bis dorthin umgesetzt haben – beim Besuch einer Delegation aus Oberösterreich rund um die Landesräte Markus Achleitner (ÖVP) und Günther Steinkellner (FPÖ) in Casablanca, Rabat, Kenitra und Tanger wird das immer wieder betont.
Doch es gibt noch einen weiteren zentralen Punkt, der dem Land wirtschaftlichen Aufschwung bescheren soll: Europas Industrie wird in den nächsten Jahren auf grünen Wasserstoff angewiesen sein, vor allem energieintensive Unternehmen wie etwa die Voest werden ihn benötigen. In Nordafrika sieht Achleitner hier große Chancen: „Marokko ist Oberösterreichs Tor nach Afrika und Wasserstoff wird die Schlüsseltechnologie zur Umstellung der Industrie. Deshalb werden wir Partner wie Marokko brauchen.“ Auch Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer besuchte vergangene Woche Tunesien und Algerien, um sich genau darüber auszutauschen.
Ab wann ist Wasserstoff aus Afrika realistisch?
Ab wann es realistisch ist, dass Wasserstoff aus Afrika nach Österreich kommt? „Bis wir gesamthaft umgestellt haben, wird es etwa 20 bis 30 Jahre dauern. Doch es laufen schon jetzt viele Projekte“, so Achleitner. Eine große Herausforderung wird außerdem sein: Wie kommt der Wasserstoff zu uns, sofern er verfügbar ist? Es müssen Pipelines gebaut oder umgebaut werden – ein enormer Kraftakt.
Und um grünen Wasserstoff überhaupt herstellen zu können, braucht man grünen Strom. Hier rücke die Wüste in den Fokus, die laut Achleitner dadurch „erstmals in der Geschichte eine Funktion bekommt.“ Aktuell liegt der Anteil erneuerbarer Quellen an der Stromproduktion in Marokko bei 37% – bis 2027 soll er auf 50% steigen. Auch Steinkellner sieht vor allem im Bereich der Mobilität „wesentliche Chancen“ durch grünen Wasserstoff.
Auch Hafen und Bahnnetz besichtigt
Bei der Reise stand zudem ein Besuch im Hafen von Tanger auf dem Programm: „Dieser Hafen zeigt, wie moderne Logistik funktioniert und wie sich ein Standort weltweit vernetzt“, so Steinkellner. Auch Marokkos Bahnnetz wird mit Blick auf die WM massiv ausgebaut. Es soll um mehr als 1500 Kilometer wachsen.
Noch gibt es viele Hürden – es bleibt also abzuwarten, ob und vor allem wann Wasserstoff aus Afrika in ausreichenden Mengen und zu wettbewerbsfähigen Preisen tatsächlich unserer Industrie hilft. Die ersten Kontakte sind jedenfalls geknüpft ...
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