Sa, 23. Juni 2018

Neue US-Studie

03.11.2014 16:28

Online-Shopping: Preise variieren von User zu User

Wer glaubt, jeder Internetnutzer bekomme beim Online-Shopping die gleichen Angebote und Preise zu sehen, der irrt. Wie Forscher der US-amerikanischen Northeastern University herausgefunden haben, ist es im Online-Handel gängige Praxis, Preise und Angebote auf Basis des genutzten Browsers oder Betriebssystems und der am System des Kunden installierten Cookies zu variieren. So kann es passieren, dass die gleiche Hotelsuchmaschine einem Nutzer deutlich günstigere Angebote als einem anderen vorschlägt.

Dass Online-Shops nicht allen Nutzern die gleichen Preise machen, ist schon länger bekannt. Erst vor einigen Monaten wurde beispielsweise öffentlich, dass Online-Shopper, die einen Shop mit ihrem Tablet aufriefen, höhere Preise zu sehen bekamen als Nutzer normaler Desktop-PCs. Deutsche Konsumentenschützer deckten darüber hinaus auf, dass manche Reiseportale Apple-Nutzern wegen ihrer vermeintlich höheren Kaufkraft bei der Hotelsuche teurere Hotels als Nutzern anderer Systeme vorschlugen.

Verschiedene Preise für verschiedene Nutzer
Diesen Trend haben die Forscher des Northeastern University nun bestätigt. Für ihren Versuch zogen sie 300 Probanden heran, die bei zehn großen Online-Shops und sechs bekannten Hotel- und Mietwagensuchmaschinen nach bestimmten Angeboten suchen sollten. Die Tester waren allesamt mit unterschiedlichen Browsern und Betriebssystemen unterwegs und hatten unterschiedliche Cookies auf ihren Rechnern. Das Ergebnis des Versuchs: Zumindest sieben der getesteten Online-Shops und Angebots-Suchmaschinen zeigten den Nutzern bei der gleichen Suche verschiedene Angebote an.

Um nähere Informationen darüber zu gewinnen, welche Faktoren für die Online-Shops bei Preis- und Angebotsmodifikationen entscheidend sind, führten die Wissenschaftler anschließend weitere Tests durch, bei denen sie Fake-Nutzer anlegten, die sich nur durch einzelne Faktoren wie den genutzten Browser oder das verwendete Betriebssystem voneinander unterschieden. Der Versuch brachte interessante Ergebnisse ans Tageslicht. So bot ein großes Reiseportal beispielsweise Nutzern, die mit ihrem Smartphone auf die Seite surften, einen fünfprozentigen Rabatt bei einem Teil der angezeigten Hotels an, der sonst nicht eingeräumt wurde.

Zwei andere große Reise- und Hotelvergleichsportale führten mit ihren Kunden Experimente durch und teilten sie in drei Gruppen auf, die jeweils andere Angebote zu sehen bekamen. So kam es, dass Nutzer, die vom Server des Online-Shops in Versuchsgruppe A oder B eingestuft wurden, im Schnitt um fast 20 US-Dollar teurere Angebote zu sehen bekamen als Nutzer, die in Versuchsgruppe C eingeordnet wurden. Die Zuordnung in die verschiedenen Versuchsgruppen passiere entweder zufällig oder auf Basis der auf dem Rechner eines Nutzers vorhandenen Cookies, so die Erkenntnis der Forscher.

Höhere Preise für Mobil- und Android-User
Eine große US-Baumarktkette zeigte bei den Versuchen Desktop-Surfern und Nutzern mobiler Geräte überhaupt völlig unterschiedliche Angebotsseiten an. Während den Desktop-Nutzern bei einer bestimmten Suche 24 Ergebnisse mit einem Durchschnittspreis von 120 US-Dollar pro Artikel angezeigt wurden, bekamen Nutzer mobiler Geräte 48 Ergebnisse mit einem Durchschnittspreis von 240 US-Dollar zu sehen. Pikant: Die Produkte, die Android-Nutzer zu sehen bekamen, waren im Schnitt um 41 Cent teurer als bei Nutzern anderer Betriebssysteme.

Auf Nachfrage durch die Forscher gaben sich die getesteten Online-Shops recht zugeknöpft. Zwar bestätigte zumindest ein Teil der Unternehmen, tatsächlich verschiedene Anpassungen durchzuführen und beispielsweise Mobil-Nutzern besondere Angebote zu machen, um diese zur Verwendung der hauseigenen App zu motivieren. Wirkliche Transparenz, welche Faktoren ausschlaggebend sind, wenn es um die Erstellung eines Angebotes geht, kam jedoch nicht zustande.

Auf Basis ihrer Versuche raten die Forscher Online-Shoppern jedenfalls, sich bei der Suche nach bestimmten Produkten einerseits mit dem normalen Desktop-Browser, andererseits mit einem Privatsphäre-Browser und zusätzlich mit dem Mobilgerät auf den Seiten der Online-Shops umzusehen. So könne man etwaige Preisunterschiede zumindest entdecken, bevor man einen zu hohen Preis bezahlt, weil man etwa mit dem Tablet statt dem Desktop-PC eingekauft hat.

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