So, 23. September 2018

Urteil akzeptiert

21.10.2014 14:33

Pistorius "will Gesellschaft etwas zurückgeben"

Südafrikas Paralympics-Star Oscar Pistorius muss wegen fahrlässiger Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp für fünf Jahre hinter Gitter. Richterin Thokozile Masipa verkündete das Strafmaß am Dienstagvormittag am Obersten Gericht in Pretoria. Nach Auskunft seiner Familie hat Pistorius das Urteil bereits akzeptiert. "Oscar wird diese Möglichkeit nutzen, um der Gesellschaft etwas zurückzugeben", sagte sein Onkel Arnold Pistorius vor Reportern. Auch die Staatsanwaltschaft hat noch keine Berufung eingelegt, sie hat dafür bis zu zwei Wochen Zeit.

Der 27-Jährige folgte der mehr als einstündigen Verlesung mit ausdrucksloser Mine. Nach dem Urteilsspruch wischte er sich Tränen aus dem Gesicht. Pistorius konnte sich nach der Bekanntgabe des Strafmaßes noch kurz von seiner Familie verabschieden, anschließend wurde er ins Gefängnis überstellt.

Die Anklage hatte zuvor eine mindestens zehnjährige Haftstrafe verlangt. Die Verteidigung hatte gefordert, dem 27-jährigen Behindertensportler wegen aufrichtiger Reue das Gefängnis zu ersparen und ihm lediglich Hausarrest aufzuerlegen.

Freundin im Vorjahr durch Tür erschossen
Der Paralympics-Star hatte das 29-jährige Model Reeva Steenkamp in der Nacht zum Valentinstag 2013 durch eine geschlossene Toilettentür seiner Villa bei Pretoria erschossen. Die Richterin war seiner Beteuerung, er habe hinter der Tür einen Einbrecher vermutet, gefolgt. Sie wies die Mordanklage zurück und sprach den beinamputierten Paralympics-Sieger am 12. September lediglich der fahrlässigen Tötung schuldig.

Darauf stehen nach südafrikanischem Recht maximal 15 Jahre Haft. Da keine Mindeststrafe vorgeschrieben ist, hätte die Richterin den 27-Jährigen auch nur zu Hausarrest und gemeinnütziger Arbeit verurteilen können.

Steenkamps Familie zufrieden mit Strafmaß
Steenkamps Familie zeigte sich zufrieden mit dem Strafmaß. Ihr Vater Barry betonte: "Wir haben das Gefühl, dies nun hinter uns lassen zu können." Der Gerechtigkeit sei "Genüge getan" worden, kommentierte der Anwalt der Familie, Dup De Bruyn, die Entscheidung des Gerichts. Die Staatsanwaltschaft prüft hingegen die Möglichkeiten einer Berufung. Sie hat damit bis zu zwei Wochen Zeit.

Falls die Staatsanwaltschaft Berufung einlegt, würde dies die Vollstreckung der Gefängnisstrafe bis zur Entscheidung durch das Oberste Gericht Südafrikas aussetzen. Wie lange der Leichtathlet hinter Gitter muss, ist noch unklar. Sein Verteidiger Barry Roux sagte, er rechne mit zehn Monaten Haft, den Rest der Strafe könne sein Mandant unter Hausarrest verbüßen. Die Staatsanwaltschaft erklärte dagegen, Pistorius müsse mindestens ein Drittel der Strafe, also 20 Monate, im Gefängnis absitzen. Vermutlich tritt Pistorius seine Haft in der Krankenstation des Zentralgefängnisses in Pretoria an.

Richterin: Pistorius handelte "grob fahrlässig"
Das Urteil müsse "fair und gerecht gegenüber der Gesellschaft und dem Angeklagten sein", sagte Richterin Masipa. Sie betonte, Pistorius habe grob fahrlässig gehandelt - auch wenn er hinter der Toilettentür nicht seine Freundin, sondern einen Einbrecher vermutet hatte. Ein Urteil ohne Haftstrafe, wie von der Verteidigung gefordert, wäre nicht angemessen. Dies wäre eine falsche Botschaft für die Öffentlichkeit. "Es wäre ein trauriger Tag, wenn der Eindruck entstünde, dass es ein Gesetz für die Armen und eines für die Reichen und Berühmten gibt", sagte die Richterin.

Ein Sprecher der Nationalen Strafverfolgungsbehörde kündigte unterdessen an, es werde geprüft, ob Pistorius nicht doch wegen Mordes verurteilt werden müsste. Die Frauenliga des regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANCWL) kritisierte das Strafausmaß. "Wir waren nie einverstanden damit, dass Pistorius nur wegen fahrlässiger Tötung belangt wird. Und wir fordern die Staatsanwaltschaft auf, Berufung einzulegen", sagte ANCWL-Sprecherin Jacqui Mofokeng.

Während Haftstrafe von Paralympics ausgeschlossen
Der Sprintstar ist für die gesamte Zeit seiner Haft von den Paralympics ausgeschlossen. Selbst wenn seine Strafe nach einiger Zeit in Hausarrest umgewandelt würde, bleibe Pistorius fünf Jahre lang gesperrt, sagte ein Sprecher des Internationalen Paralympischen Komitees am Dienstag in Bonn. Pistorius hat in den vergangenen Jahren bei drei Paralympischen Spielen Goldmedaillen gewonnen.

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