Dauerangriff auf Kiew

Marschflugkörper trifft Hochhaus: Dutzende Tote

Ausland
15.05.2026 08:39

Seit zwei Nächten hat Russland die ukrainische Hauptstadt unter Dauerbeschuss genommen. Mit verheerenden Folgen: Die Angriffe töteten in Kiew bisher 24 Menschen, darunter auch drei Kinder. 

Die meisten Menschen kamen ums Leben, als ein Ch-101-Marschflugkörper in ein Wohnhochhaus im Stadtteil Darnytskyji einschlug. Das Gebäude stürzte teilweise ein, dutzende Bewohner wurden in den Trümmern verschüttet. Einsatzkräfte suchen weiter nach Überlebenden. Immer noch werden mehr als 15 Menschen vermisste, berichten ukrainische Medien.  Die Zahl der Toten könnte daher noch steigen.

Seit der Nacht arbeiten Rettungskräfte unermüdlich in den Trümmern.
Seit der Nacht arbeiten Rettungskräfte unermüdlich in den Trümmern.(Bild: DSNS Kiew)

Trauertag in Kiew
Auch Hundestaffeln sind bei den Rettungsmaßnahmen im Einsatz. 30 Menschen konnten bisher gerettet werden. Insgesamt wurden in Kiew 47 Menschen verletzt, darunter zwei Kinder. Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte den heutigen Freitag zu einem Trauertag.

Drei Kinder starben bei den verheerenden Attacken.
Drei Kinder starben bei den verheerenden Attacken.(Bild: DSNS Kiew)

Moskau bekommt noch immer Bauteile für Marschflugkörper
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wies darauf hin, dass der Marschflugkörper, der in das Hochhaus eingeschlagen war, im zweiten Quartal dieses Jahres hergestellt worden sei. Das bedeute, dass Russland die dafür nötigen Komponenten weiterhin beziehe, indem es die weltweiten Sanktionen umgehe.

Der massive russische Angriff traf nicht nur Kiew. Nach ukrainischen Behördenangaben wurden landesweit Dutzende Wohnhäuser beschädigt. Auch das Umland von Kiew sowie die Gebiete Charkiw und Odessa wurden schwer getroffen. Moskau habe mehr als 675 Angriffsdrohnen gestartet und feuerte 56 Raketen ab.

Schon am Vortag hatte Russland mit mehr als 800 eingesetzten Drohnen eine der schwersten und am längsten anhaltenden Attacken auf die Ukraine seit Kriegsbeginn geführt. Die Angriffe folgten kurz nach einer dreitägigen Waffenruhe rund um einen Jahrestag zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa und einer Militärparade auf dem Roten Platz. Eine von Kiew vorgeschlagene Verlängerung der Feuerpause lehnte Moskau ab.

„Sprechen eine andere Sprache“
„Die Angriffe der letzten Nacht sprechen eine andere Sprache“, sagte Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz am Donnerstag. Außerdem lehnte er einen Vorschlag des russischen Präsidenten Wladimir Putin ab, nach dem der deutsche Ex-Kanzler Gerhard Schröder als Vermittler im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine fungieren solle. „Wir Europäer entscheiden selbst, wer für uns spricht, niemand anders“, kommentierte Merz den Vorschlag.

Freitagfrüh wurden in den Trümmern des Hochhauses in Kiew noch immer Menschen vermisst.
Freitagfrüh wurden in den Trümmern des Hochhauses in Kiew noch immer Menschen vermisst.(Bild: DSNS Kiew)

Orbán kritisiert Putin
Die russischen Angriffe trafen Ziele bis in den äußersten Westen der Ukraine in den Transkarpaten. Ungarns neue Außenministerin Anita Orbán kritisierte Russland wegen der Drohnenangriffe auf Transkarpatien, wo rund 100.000 ethnische Ungarn leben, und bestellte den russischen Botschafter in Budapest ein. Sie habe ihm gesagt, dass die ungarische Regierung diese Angriffe aufs Schärfste verurteile, teilte die Politikerin der bürgerlichen Tisza-Partei auf Facebook mit. „Wir erwarten die unverzügliche Einstellung der Aggression gegen Zivilisten“, fügte Orbán hinzu.

Die Slowakei schloss zeitweise die Grenzübergänge in die Ukraine und kritisierte ebenfalls die Angriffe. Der slowakische Außenminister Juraj Blanár verurteilte insbesondere die russischen Attacken auf die grenznahe Region Transkarpatien und die Stadt Uschhorod. Dort lebt eine große slowakische Minderheit. Die deutlichen Worte stechen heraus, da die Regierung in Bratislava ansonsten enge Beziehungen zu Moskau pflegt. Das EU-Land bezieht weiterhin russisches Öl und Gas. Ministerpräsident Robert Fico forderte im April ein Ende der EU-Sanktionen.

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