Langsam aber sicher nimmt der Wahlkampf in Graz Fahrt auf. Die mitregierenden Grünen wollen in die „zweite Halbzeit“, die oppositionelle ÖVP schwor sich Freitagabend auf die heiße Phase ein. Die künstliche Aufregung um einen blauen Maulwurf wird aber mit ziemlicher Sicherheit zum Sturm im Wasserglas mutieren.
In 78 Tagen ist es so weit, wählen mehr als 220.000 Wahlberechtigte in Graz den neuen Gemeinderat. Während die Bürgemeisterinnen-Partei KPÖ bereits vor Wochen, wenig überraschend, eine zufriedene „Zwischenbilanz“ zog und Ende März auch den palästinensischen Botschafter Salah Abdel Shafi, der dem Staat Israel sein Existenzrecht abspricht, empfing, zogen nach und nach die anderen Parteien nach.
So läuteten am Freitag die Grünen ihren Wahlkampf ein. Vizebürgermeisterin Judith Schwentner präsentierte unter dem Motto „Graz blüht auf“ ihre Bilanz. In der schmuck gestalteten Broschüre „Guten Morgen Graz“ flatterte diese auch in jeden Haushalt der Murmetropole. Darin kommen mit Nava Ebrahimi, Hoteliere Florian Weitzer oder Wander-Experte Christian Hlade auch einige Prominente vor. Und Schwentner verweist natürlich auf die Errungenschaften der aktuellen Periode – dabei heftet sie sich auch den Ausbau der Grazer Schulen auf ihre Fahnen. Das klingt auf den ersten Blick doch etwas seltsam, weil der verantwortliche ÖVP-Stadtrat Kurt Hohensinner wegen der Finanzierung der Betreuungseinrichtungen immer wieder im Clinch mit der Rathaus-Koalition liegt.
Apropos Hohensinner: Der ÖVP-Chef schwor seine Schwarzen am Freitag in der List-Halle auf einen heißen Wahlkampf ein. „Ja, ich will Bürgermeister werden“, gab er da wenig überraschend zu Protokoll. Gelingen soll das etwa auch mithilfe von Quereinsteigern wie Ex-Sturm-Kicker Gilbert Prilasnig oder der ehemaligen NEOS-Mandatarin Sabine Reininghaus.
Für etwas gekünstelte Aufregung sorgte wieder einmal ein anonym zugespieltes Schreiben bezüglich des FPÖ-Finanzskandals. Damit soll vor allem Puntigams Bezirksparteiobmann Dominik Hausjell, der nun auf Listenplatz sechs gereiht ist, unter Druck gebracht werden. Dass in der Berichterstattung über den blauen Skandal auch immer wieder der Name des selbsternannten Aufdeckers und Ex-Blauen Alexis Pascuttini (nach KFG-Austritt geht er nun für die NEOS ins Rennen) fällt, überrascht natürlich ungemein.
Doch es dürfte beim Sturm im Wasserglas bleiben. Es darf tatsächlich stark bezweifelt werden, dass sich die Wähler davon beeindrucken lassen. Zwar ist René Apfelknab, der sogenannte „Bürgermeisterkandidat“ der FPÖ, alles andere als ein charismatisches Zugpferd, doch die blaue Welle rollt einfach – und mit Landeshauptmann Mario Kunasek als Zugpferd wird da im Wahlkampf wohl nur wenig anbrennen.
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