Schauplatz Linz: Das Francisco Carolinum – das Haus für Fotografie – führt mit einem Megabild an den Badestrand; im Offenen Kulturhaus sprengt der junge Designer Peter Fellner mit „Glumpert“ alle Regeln der Mode: Er verfolgt Zero Waste in einer Branche, die sonst sehr schmutzig ist. Und er will eine „fluide“ Geschlechterpolitik.
Vor rund 200 Jahren entstand die erste Fotografie der Welt. Das Linzer Francisco Carolinum nimmt das Jubiläum zum Anlass, sich besser als Haus für Fotografie und Medienkunst zu positionieren.
Die aktuelle Ausstellung „Some Secrets on Photography/Geheimnisse der Fotografie“ erzählt in Installationen von Geheimnissen der Fotopioniere. Wie Fotos unsere Erinnerungen, unsere Selbstdarstellung oder auch unser touristisches Verhalten beeinflussen, zeigt dagegen der Linzer Georg Petermichl in mehreren großen Bildinstallationen.
Mode mit großer Botschaft im Offenen Kulturhaus
Mit seiner neuen Kollektion „Glumpert“, die aus 13 Modellen besteht, präsentiert sich der Linzer Peter Fellner (28) als einer der interessantesten Jungdesigner in Österreich.
Er absolvierte das Studium „Fashion & Technology“ an der Kunstuni, arbeitete zwei Jahre im Team von Vivienne Westwood. Er war bei den Fashion Weeks in New York, London und Paris dabei oder machte ein Outfit für Sängerin Goldie Boutilier.
Upcycling mit höchster Qualität
Ihm geht es um mehr als Mode: „Ich verwende ausschließlich vorhandene Textilien, also ’Glumpert’, das übersehen wird“, sagt er zur „Krone“. Absolute Ressourcenschonung im Sinne von Zero Waste ist Programm, und gern verachtete Materialien setzen einen Gegenpol zur überhitzten Modeindustrie, einem der größten Umweltsünder weltweit.
Er verarbeitet Häkeldeckchen, wie man sie von der Oma kennt, aber auch Stickbilder, Vorhänge und Regenschirmstoff zu trendigen Hosen und Oberteilen: „Es gibt keinen Schnittabfall, ich verwende alles.“
Geht über die Grenzen der Modebranche weit hinaus
Thematisch hat sich Fellner in der Schau „Glumpert“ (bis 13. September) für das Motiv der Schnecke entschieden, die er aufgrund der Zweigeschlechtlichkeit als Metapher für „Queerness“ einsetzt, aber auch als Sinnbild für eine fließende Identität und für Entschleunigung.
Die Schau wird zum Appell, Geschlecht und Identität als fließende Kategorien zu betrachten und zu leben.
Fazit: Mode als Statement zwischen Politik und Poesie zu setzen, ist mutig und rückt die grandiosen Exponate nah an Kunst heran.