Das Linzer Kunstmuseum Lentos erfindet seine Dauerausstellung neu: 232 Werke zeigen, was Österreichs Kunst wirklich draufhat – vom Biedermeier und Klimt bis hin zu Krystufek, von Idylle und Jugendstil bis Skandalkunst. Die „Krone“ machte einen Vorab-Spaziergang durch die Schau. Und: Am Weltfrauentag – am Sonntag, 8. März – ist Open House.
Das Kunstmuseum Lentos – mit grandiosem Blick auf die Donau – gibt einen neuen Einblick in die mittlerweile auf 3600 Gemälde, 16.000 Grafiken und 1800 Skulpturen angewachsene Linzer Sammlung.
Seit dem Jahr 2024 kann das Lentos außerdem auf den Bestand der „Sammlung Erwin Hauser“ zurückgreifen. Damit haben die LinzerInnen Zugriff auf 3000 Werke der österreichischen Kunst zwischen dem 19. Jahrhundert und der Gegenwart.
Dauerleihgabe peppt Bestand auf
Rund ein Viertel der aktuellen Sammlungspräsentation stammt aus dieser Dauerleihgabe; die Werke werden erstmals einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.
„In der Neuaufstellung machen wir Kunstgeschichte im Original nachvollziehbar“, betont Lentos-Chefin Hemma Schmutz die Grundidee für die neue Inszenierung. „Wir bleiben chronologisch, das macht Sinn, da viele Menschen hier bei uns das erste Mal mit verschiedenen Kunstströmungen konfrontiert sind.“
Vielfalt mit Klassikern und Entdeckungen
Die Vielfalt der Strömungen ist denn auch der sehenswerte große Pluspunkt beim Besuch des Lentos. Biedermeierliche Alltags- und Landschaftsdarstellungen – in dichter „Petersburger Hängung“ – lassen eintauchen in eine Ära der Lichtmagie und stillen Momente.
Impressionismus, Jugendstil und Wiener Secession lassen die ästhetische Revolte spüren; Highlight der Schau ist Gustav Klimts „Frauenkopf“. Der Expressionismus ist der Schritt in die Moderne, hier sind neben Schiele und Kokoschka auch Werke von Paula Modersohn-Becker oder Käthe Kollwitz zu sehen. Die Zwischenkriegszeit schlägt mit Werken wie „Der Invalide“ des vergessenen Wiener Malers Axl Leskoschek die Brücke zur Gegenwart: Die Kunst fand im Kriegstrauma und im mondänen, lasziven Leben neue Themen.
Die NS-Zeit wird nicht ausgeklammert
„Wir verschweigen NS-Kunst nicht, da wir zeigen wollen, wie die Blut-und-Boden-Ästhetik ausgesehen hat“, sagt Schmutz. Werken im Sinne der NS-Politik – alles wird ausführlich historisch eingeordnet und kommentiert – stehen Arbeiten von verfolgten oder emigrierten Künstlern gegenüber, etwa von Friedl Dicker-Brandeis.
Österreich als Wiege der Moderne
Drei Räume widmen sich dann einer Epoche, in der die österreichische Szene Vorreiter für weltweite Kunstströmungen geworden ist: der Nachkriegszeit mit der Abstraktion, aber auch mit dem Phantastischen Realismus, dem Aktionismus oder Informel und mehr. Hier ist auch der Eyecatcher der Ausstellung zu finden: Wolfgang Holleghas Leinwand „Komposition“ aus dem Jahr 1969. Zu sehen sind außerdem Werke u.a. von Arnulf Rainer, Arik Brauer, Max Weiler, Valie EXPORT oder Elke Krystufek.

Insgesamt werden 232 Werke gezeigt, rund 30% stammen von Künstlerinnen. Auch internationale Perspektiven spielen eine Rolle, so sind etwa Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Tony Cragg und Stephan Balkenhol mit Bildern oder Skulpturen vertreten.
Open House am 8. März
Am Internationalen Frauentag – am Sonntag, 8. März – lädt das Linzer Kunstmuseum Lentos zu einem Open House bei freiem Eintritt ein.