Zum Weltfrauentag

Barbara Blaha: „Was wäre ein Tag ohne uns Frauen?“

Oberösterreich
08.03.2026 15:00

„Krone“-Talk zum Weltfrauentag: Barbara Blaha ist Feministin, Influencerin, Kabarettistin. Sie fordert gleiche Löhne, gleiche Arbeitsbelastung, mehr Schutz vor Gewalt gegen Frauen – und schreibt ein Buch darüber. Und sie tourt mit ihrem Kabarett „Funkenschwestern – Wie Feminismus alles besser macht!“ gerade durch Österreich.

Barbara Blaha ist Österreichs profilierteste (parteiunabhängige) politische Influencerin und Leiterin des Momentum-Instituts, das sich u.a. auf soziale, wirtschaftspolitische Forschung spezialisiert hat.

Blaha deckt am liebsten Ungerechtigkeiten auf. Aufgewachsen als Kind einer Arbeiterfamilie mit vielen Geschwistern, aber mit wenig Geld, hat sie früh gelernt, genau hinzuschauen – besonders auf die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern.

Wo fängt Veränderung an?
Ihr neues Buch „Funkenschwestern“ (Moden) trägt denselben Titel wie ihr Bühnenprogramm, mit dem sie am 8. April im Linzer Posthof zu Gast sein wird.

Im „Krone“-Talk zum Weltfrauentag verrät sie, warum jede Frau Feministin sein sollte. Und wo muss Veränderung schleunigst anfangen?

„Krone“: Ihr neues Buch „Funkenschwestern“ verspricht im Untertitel „Wie Feminismus alles besser macht“. Was muss besser werden?
Barbara Blaha: Die Emanzipation ist nach früheren zwei Frauenbewegungen noch lange nicht vollendet. Seit den 1990er-Jahren ist die Erwerbsarbeit der Frauen zwar enorm angestiegen. Aber zu Hause hat sich nichts verändert. Die unbezahlte Arbeit – Kinderbetreuung, Pflege, Haushalt – liegt immer noch zum Großteil bei den Frauen. Solange die Hausarbeit nicht gerechter verteilt wird, haben Frauen gar nicht die Chance, mehr Erwerbsarbeit zu machen.

Das Buch erschien im Moden Verlag.
Das Buch erschien im Moden Verlag.(Bild: Molden)

Wo ist die Frauenbewegung, die auf die Straße geht und gleichen Lohn fordert oder mehr Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen?
Die feministischen Strömungen haben sich ins Internet verlagert. Man tauscht sich über Social Media aus, es gibt feministische Influencerinnen.

Sie selbst senden Videos. Was ist Ihre wichtigste Botschaft?
So wie es ist, muss es nicht bleiben. Man kann etwas verändern, wenn man zusammen aufsteht.

Was brennt Ihnen unter den Fingernägeln?
In Österreich verdienen Frauen immer noch weniger als Männer. Das nennt man auch „Gender Pay Gap“, also Lohnlücke. Im EU-Vergleich ist Österreich aber an vorletzter Stelle. Vollzeit arbeitende Frauen bekommen im Schnitt 12% weniger bezahlt als Männer. Sie arbeiten 42 Tage gratis. Ich freue mich daher sehr auf die Lohntransparenz-Richtlinie, die in Österreich im Juni endlich kommen muss.

In Island legten im Jahr 1975 die Frauen einen Tag ihre Arbeit nieder. Kein Kochen, keine Kinderbetreuung, keine Arbeit. Brauchen wir das in Österreich auch einmal?
Ja, es war erstaunlich: Telefondienste, Supermarktkassen, Haushalt, Kinderbetreuung – alles stand still. Die Auswirkungen: Ein Jahr später wurde in Island ein Gleichstellungsgesetz geschaffen, fünf Jahre später hatten sie die erste weibliche Präsidentin Europas. Und Island hat heute den kleinsten Gender Pay Gap in Europa – sie sind uns um Lichtjahre voraus.

Femizide: Was läuft schief in unserer Gesellschaft?
Heuer gab es im Jänner bereits zwei Frauenmorde. Im Vorjahr zählte man 15 Frauenmorde und 34 Mordversuche an Frauen. Wird in Österreich gegen Femizide zu wenig gemacht? Ich habe oft den Eindruck, sie werden lediglich gezählt
.
Ja, man sollte besser darauf reagieren. Andere Länder haben großartige Gewaltschutzprogramme aufgelegt. Schutzeinrichtungen werden bei uns nicht ausreichend finanziert. Es ist ein Wahnsinn, dass wir zu wenig Plätze in Frauenhäusern haben! Auch die Behörden vernetzen sich zu wenig untereinander. Wegweisen allein schützt die Frauen nicht – es braucht behördenübergreifende Fallkonferenzen.

Was läuft da eigentlich schief?
Ganz wichtig: Wir müssen uns endlich darüber unterhalten, wie wir Buben und Männern beibringen: Eine Frau ist nicht dein Besitz! Der Gedanke ist leider bei den Jungen stärker verbreitet, als wir ahnen. Laut Studien findet es jeder dritte Mann in Ordnung, wenn ihm „die Hand ausrutscht“ gegenüber seiner Partnerin. Wir haben dringend Handlungsbedarf!

Verraten Sie uns noch Ihre Lieblingsszene in Ihrem Bühnenprogramm „Funkenschwestern“?
Es gibt einen wunderbaren Einspieler mit einer alten Frau. Sie sagt ganz klar: „Es braucht keinen Mann, um im Leben Glück zu finden“. Bei ihrer Lebensweisheit geht mir jedes Mal das Herz auf!

Politkabarett „Funkenschwestern“ – Nächste Termine: 10.3., Schärding; 13.3., Steyr; 17.3., Wien: Ausverkauft!, 18.3.2026, Innsbruck: Ausverkauft!; 8.4., Linz: Posthof, ausverkauft.

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