Börsen im Sinkflug

Gas-Schock für Europa: Preis schon um 80% höher

Wirtschaft
03.03.2026 11:01
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der Krieg im Nahen Osten sorgt für massive Turbulenzen auf den Energiemärkten – und die Folgen sind in Europa bereits deutlich spürbar. Der Gaspreis ist auf den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren geklettert, Öl verteuert sich weiter, und auch die Wiener Börse startet mit kräftigen Verlusten in den Tag. Wie stark die Auswirkungen werden, hängt nun vor allem von einer Frage ab: Wie lange dauert der Konflikt?

Der Preis für europäisches Erdgas ist am Dienstag erneut stark gestiegen. An der Börse in Amsterdam verteuerte sich der maßgebliche Terminkontrakt TTF – das ist ein richtungsweisender Großhandelspreis für Gaslieferungen in Europa – zur Lieferung in einem Monat auf 59,44 Euro je Megawattstunde (MWh). Das entspricht einem Plus von rund 30 Prozent gegenüber dem Vortag.

Gaspreis nun schon um mehr als 80 Prozent erhöht
Seit Beginn der Woche hat sich der Gaspreis damit um mehr als 80 Prozent erhöht. Eine Megawattstunde ist eine Maßeinheit für Energie und entspricht ungefähr dem Jahresverbrauch eines sparsamen Haushalts für Warmwasser.

Wichtiges Förderland stoppte Produktion
Hintergrund ist ein Lieferstopp von Flüssiggas (LNG) aus Katar. LNG ist verflüssigtes Erdgas, das per Schiff transportiert wird. Seit Wochenbeginn sind Exporte aus dem wichtigen Förderland gestoppt. Am Montag wurde eine bedeutende Exportanlage nach einem iranischen Drohnenangriff stillgelegt.

Die Karte zeigt die jährlichen Fördermengen von Öl und Gas im Persischen Golf in Millionen Fass Öl-Äquivalent. Iran und Saudi-Arabien haben mit 3.776 und 3.278 Millionen Fass die höchsten Werte. Bahrain hat mit 28 Millionen Fass die geringste Förderung. Quelle: Global Energy Monitor.

Marktbeobachter berichten, dass vor allem asiatische Abnehmer derzeit dringend nach Ersatz für die ausfallenden Lieferungen suchen. Das treibt auch in Europa die Preise nach oben. Zum Vergleich: Noch stärker war der Gaspreis zuletzt zu Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine gestiegen. Damals waren die Notierungen in Amsterdam zeitweise auf über 300 Euro je MWh geklettert.

Meeresenge geschlossen, keine Aussicht auf Besserung
Die Lage am Persischen Golf bleibt angespannt. Der Iran reagierte auf Angriffe der USA und Israels mit Gegenangriffen und schränkte den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormuz ein. Diese Meerenge zwischen dem Iran und Oman gilt als eines der wichtigsten Nadelöhre des weltweiten Energiehandels. Rund 20 Prozent der globalen Ölproduktion werden täglich durch diese Passage transportiert.

Ein Vertreter der iranischen Revolutionsgarden erklärte laut iranischen Medien, die Meerenge sei geschlossen. Der Iran drohte zudem, auf jedes Schiff zu feuern, das die Straße von Hormuz durchfahren wolle. Versicherer strichen daraufhin ihre Deckung für Schiffe in der Region. Laut Schiffsdaten lagen zuletzt mehr als 200 Schiffe vor der gesperrten Passage vor Anker.

Ölpreis könnte sich fast verdoppeln
Auch die Ölpreise legten am Dienstag den dritten Tag in Folge zu. Die Nordsee-Sorte Brent verteuerte sich um 2,9 Prozent auf 80,34 Dollar je Barrel (rund 159 Liter). US-Leichtöl WTI stieg um 2,8 Prozent auf 73,25 Dollar.

Die Investmentbank Bernstein hob ihre Preisprognose für Brent im Jahr 2026 von 65 auf 80 Dollar an. Im Extremfall eines längeren Konflikts sehen Analysten sogar Preise zwischen 120 und 150 Dollar pro Barrel als möglich an.

Die teilstaatliche OMV sieht die Versorgung in Österreich derzeit jedoch nicht bedroht. Für den Fall einer länger andauernden Einschränkung der Schifffahrtsroute bereite man alternative Szenarien vor. Betroffene Mengen könnten über andere Bezugsquellen ersetzt werden, teilte das Unternehmen mit.

Wiener Börse deutlich im Minus
Die Unsicherheit schlägt sich auch an den Aktienmärkten nieder. Die Wiener Börse startete am Dienstag klar schwächer in den Handel. Der ATX, der wichtigste österreichische Aktienindex, verlor im Frühhandel 2,73 Prozent und fiel auf 5480,44 Punkte.

Auch andere europäische Leitbörsen eröffneten deutlich im Minus. Zuvor hatten bereits asiatische Märkte negative Vorgaben geliefert.

Unter den größten Verlierern in Wien waren FACC mit einem Minus von gut sechs Prozent, voestalpine mit 5,75 Prozent Abschlag sowie AT&S mit minus 4,3 Prozent. Bankenwerte wie RBI, BAWAG und Erste Group gaben ebenfalls deutlich nach.

Ölwerte zeigten ein gemischtes Bild: OMV verloren 0,5 Prozent, nachdem sie am Vortag noch kräftig zugelegt hatten. SBO büßten 2,8 Prozent ein. Auch Versorger wie Verbund und EVN notierten klar schwächer.

Dauer des Konflikts entscheidend
Experten betonen, dass die weitere Entwicklung stark von der Dauer und Ausweitung des Konflikts abhängt. Je länger die militärischen Auseinandersetzungen andauern und je mehr Länder in der Region hineingezogen werden, desto größer sei das Risiko für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte.

Erst bei einer längeren Eskalation rechnen Fachleute mit spürbaren Auswirkungen auf Konjunktur und Wachstum. Aus den USA kamen zuletzt jedoch widersprüchliche Signale zur möglichen Dauer des Krieges.

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