Mit zehn statt 125 Einheiten soll der Kärntner Tourismus künftig koordiniert werden. Die geplante höhere Abgabe ist zweckgebunden und wird in Infrastruktur, Tourismusverbände und die Kärnten Werbung fließen.
Von hitzigen Diskussionen wurde das neue Tourismusgesetz von Anfang an begleitet: Betriebe fürchteten den Zorn der Gäste ob der höheren Abgabe, Gemeinden sorgten sich, dass für sie mehr Kosten übrig bleiben würden.
„Reform für Touristiker“
„Das ist ganz natürlich bei großen Veränderungen“, betont ÖVP-Tourismuslandesrat Sebastian Schuschnig. „Aber es ist eine Reform für die Touristiker, nicht gegen sie.“ Bei über 100 Terminen kamen rund 500 Beteiligte zu Wort, konnten sich einbringen. Diese Woche wird das Gesetz in der Landesregierung, in ein paar Wochen im Landtag, beschlossen. „Das ist aber nur ein erster Schritt. Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt“ erklärt Schuschnig mit Blick auf die weiter bestehende Skepsis bei den Tourismusbetrieben.
Diesen bereitet die zukünftige Abgabe von 4,50 Euro (50 Cent weniger bei Campingplätzen) Sorgen. „Nicht ein Cent bleibt beim Land. Die Mittel sind zweckgebunden, fließen in Infrastruktur, Tourismusverbände (TVB) und die Kärnten Werbung“, so der Landesrat.
Die Gäste sollen länger bleiben, öfter einen Aufenthalt buchen und Kärnten dann ihren Freunden weiterempfehlen.

Landesrat Sebastian Schuschnig
Bild: Kärntner Linien
Höhere Zweitwohnsitzabgabe kommt
Doch auch für die Gemeinden wird es mehr Geld geben. „Wir passen die Zweitwohnsitzabgaben an. Das bringt zusätzlich 15 Millionen Euro als reine Gemeindeabgaben“, erklärt SPÖ-Klubobmann Herwig Seiser. „Das letzte Mal wurde die Abgabe vor über zehn Jahren angepasst.“ Ab 1. März 2028 gilt die neue Höhe. Seiser betont auch, dass man nicht nur auf Nächtigungszahlen schauen dürfe: „Es geht auch um die Gästezufriedenheit und das Urlaubserlebnis.“
Gemeinden und Wirtschaft ziehen mit
Daneben werden die Strukturen deutlich verschlankt – statt 125 Einheiten gibt es künftig zehn: neun TVB und die Kärnten Werbung. „Aber den Gemeinden entsteht kein finanzieller Schaden, auch wenn sie bislang eigene Mitarbeiter für den Tourismus hatten“, begründet Gemeindebundpräsident Günther Vallant die Zufriedenheit „aller 132 Gemeinden“.
Auch seitens der Wirtschaft wird das Gesetz begrüßt. „Es ist ein guter Kompromiss, jetzt gilt es, die Ärmel hochzukrempeln“, so WK-Präsident Jürgen Mandl. Spartenobmann Josef Petritsch betont: „Wir haben enormen Nachholbedarf bei touristischer Infrastruktur.“ Zu tun wäre also genug. „Wir brauchen bessere Rad- und Wanderwege, werden bei der Verkaufsförderung verstärkt ansetzen“, verspricht Kärnten-Werbung-Chef Klaus Ehrenbrandtner.
Auch Zuspruch seitens des politischen Mitbewerbs
„Mit der starken Reduktion der touristischen Einheiten und der Stärkung der unternehmerischen Verantwortung und des Einflusses der Betriebe werden maßgebliche Team-Kärnten-Forderungen erfüllt, für die wir uns jahrelang eingesetzt haben“, so Chef Gerhard Köfer, der die Reform als „längst überfällig“ bezeichnet. „Allein die Nächtigungsentwicklung verdeutlicht den gravierenden Reformbedarf im Tourismus.“
Neue Chancen eröffnen sich auch laut den Grünen. „Mit dem neuen Tourismusgesetz hat die Kärntner Landesregierung endlich eine zeitgemäße Grundlage geschaffen, um unseren Tourismus wieder wettbewerbsfähig zu machen“, erklärt Chefin Olga Voglauer. NEOS-Chef Janos Juvan begrüßt die Refrom, mahnt aber: „Was jedoch weiterhin fehlt, ist eine gemeinsame, übergeordnete Tourismusstrategie für ganz Kärnten.“ Es brauche eine klare „Tourismusmarke Kärnten“.
Kritik seitens der FPÖ
Eine andere Lesart wählen die Freiheitlichen, die sich fast ausschließlich auf die Abgabeerhöhung konzentrieren. „Die Tourismusabgabe zu einer der höchsten in Österreich zu machen, obwohl wir wissen, dass Kärnten bei den touristischen Angeboten einen massiven Rückstand hat, ist falsch“, kritisieren FP-Chef Erwin Angerer und Tourismussprecher Markus di Bernardo.
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