Bis Mitte des vergangenen Jahres fällt der Leitzins im Euroraum regelmäßig. Seit einiger Zeit stagniert der Zinssatz der EZB allerdings. Auch jetzt ändert sich nichts. Das hat zweierlei Gründe.
Die Europäische Zentralbank (EZB) ist mit einer weiteren Zinspause ins Jahr gestartet. Der EZB-Rat um Präsidentin Christine Lagarde beließ den Einlagensatz bei 2,0 Prozent. Über ihn steuert die Zentralbank des nach dem Beitritt Bulgariens auf 21 Länder angewachsenen Währungsraums maßgeblich die Geldpolitik.
Angesichts gesunkener Inflationsgefahren hatte sie den Schlüsselsatz von Mitte 2024 bis Mitte 2025 in mehreren Schritten von vier auf zwei Prozent halbiert und seither pausiert.
Sinkende Inflation erwartet
„Die Festlegung des angemessenen geldpolitischen Kurses wird von der Datenlage abhängen und von Sitzung zu Sitzung erfolgen“, teilte die Zentralbank zum Beschluss mit. Die EZB steht mit Blick auf die Inflation nicht mehr unter Handlungsdruck. Die Teuerungsrate ist im Jänner mit 1,7 Prozent sogar unter die von der EZB als ideal für die Wirtschaft erachtete Zielmarke von 2,0 Prozent gerutscht. Doch die Stärke des Euro gegenüber dem Dollar stört das Bild. Die Notenbank erwartet bereits, dass im laufenden Jahr und auch 2027 das EZB-Inflationsziel leicht unterboten wird. Dabei unterstellt sie einen Euro-Wechselkurs von 1,16 Dollar.
Die europäische Geldpolitik bleibt in ruhigem Fahrwasser.
Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank
Ende Jänner hatte die europäische Gemeinschaftswährung jedoch einen kurzen Ausflug über die Marke von 1,20 Dollar gemacht und damit die Alarmglocken am EZB-Sitz in Frankfurt schrillen lassen: Ratsmitglied Martin Kocher dachte gar laut über die Möglichkeit einer künftigen Zinssenkung nach, falls die Gemeinschaftswährung weiter Auftrieb erhalten sollte.
Eine starke Währung verteuert Exporte und verbilligt zugleich Importe, was tendenziell das Wachstum dämpft und die Inflation drückt. Laut EZB-Ratsmitglied François Villeroy de Galhau beobachtet die Notenbank die Aufwertung der Gemeinschaftswährung und ihre möglichen Auswirkungen auf die Inflation genau.
Ökonomen reagieren weitgehend positiv
„Ich lobe die EZB ja selten. Aber die EZB tut recht daran, ihren Einlagensatz bei 2,0 Prozent zu belassen“, kommentierte Jörg Krämer, Chefvolkswirt bei der Commerzbank. „Auf der einen Seite wächst die Wirtschaft ganz ordentlich, was für sich genommen für etwas höhere Leitzinsen spricht. Auf der anderen Seite sind die Verbraucherpreise ohne die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Nahrungsmittel zuletzt auf Jahresrate hochgerechnet um weniger als zwei Prozent gestiegen, was für niedrigere Zinsen spricht. Die EZB bekommt die Balance zur Zeit ganz gut hin.“
„Die europäische Geldpolitik bleibt in ruhigem Fahrwasser“, fügt der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater, an. „Das liegt auch daran, dass es im Euroraum glücklicherweise keine Diskussion über die Unabhängigkeit der Notenbank gibt.“
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