Von Campern gesammelt

„Vielversprechend“: Forscher machen Beton aus Urin

Wissen
27.01.2026 19:33
Porträt von krone.at
Von krone.at

Not macht bekanntlich erfinderisch: Die Herstellung von herkömmlichem Beton ist extrem klimaschädlich, jetzt haben Forschende eine Möglichkeit gefunden, umweltfreundlichen Beton zu produzieren. Die entscheidende Zutat für den Bio-Beton? Menschlicher Urin.

Das Problem ist der Zement, ein Bestandteil von Beton. Er hält als „Kleber“ den Beton zusammen, die Herstellung ist allerdings extrem energieaufwendig. Ein Forschungsteam an der Universität in Stuttgart hat deswegen den Zement einfach ausgetauscht – gegen Urin.

Um Beton aus Urin herzustellen, brauchen die Forschenden allerdings beachtliche Mengen der Flüssigkeit. Für einen Kubikmeter Bio-Beton sind 26.000 Liter Urin notwendig. Zwar gibt es grundsätzlich genug Urin, doch es ist gar nicht so einfach, diesen auch zu sammeln.

Beton aus Urin

  • Um Bio-Beton herzustellen, füllen die Forscher Sand und ein bakterienhaltiges Pulver in eine Form.
  • Diese Form wird drei Tage lang mit Urin gespült. Der Urin wird zusätzlich noch mit Calcium angereichert.
  • Der Harnstoff im Urin und das Calcium werden in Kalk-Kristalle umgewandelt und das Sandgemisch wird fest.

Die Universität hat sich für einen ungewöhnlichen Weg entschieden, um mehr Urin zu sammeln und damit auch größere Beton-Teile herstellen zu können. Auf einer Reisemesse konnten Camper den Inhalt ihrer Toiletten für die Forschung spenden – doch das Angebot fand nicht so viel Anklang wie von den Wissenschaftlern erhofft.

Womit die Forschenden allerdings zufrieden sind, ist der Bio-Beton, den sie aus dem Urin herstellen, denn er ist ziemlich widerstandsfähig. „Die bisher hergestellten Proben weisen vielversprechende Materialeigenschaften für bestimmte Einsatzgebiete im Hochbau auf“, freut sich Lucio Blandini, Leiter des Instituts für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren an der Universität. 

Herkömmlichen Beton aus Zement vollständig ersetzen will man mit dem Bio-Beton allerdings nicht. „Wir verstehen den Baustoff viel mehr als intelligente Ergänzung für ausgewählte Anwendungen“, erklärt Blandini.

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