Just am Holocaust-Gedenktag und angeheizt durch Kontroversen um die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele Mailand-Cortina im Februar kocht die Palästina-Frage in Italien hoch.
Im Mittelpunkt steht die geplante Teilnahme des in Mailand geborenen Rappers Ghali, der tunesischer Herkunft und für seine pro-palästinensischen Positionen bekannt ist. Die Einladung des Künstlers ist höchst umstritten. Es wird eine Politisierung der Olympia-Eröffnung befürchtet.
Bereits 2024 hatte Ghali beim populären Songfestival von Sanremo den Begriff „Völkermord in Gaza“ verwendet, was zu hitzigen Debatten führte. In Regierungskreisen wird nun befürchtet, dass der 32-jährige Rapper die Gelegenheit nutzen könnte, bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele im Mailänder San-Siro-Stadion pro-palästinensische Slogans zu verbreiten.
Lega kritisiert Ghalis Einladung zur Eröffnungsfeier
Die mitregierende rechte Lega-Partei kritisierte die Entscheidung der Organisatoren, Ghali zur Eröffnungsfeier einzuladen. „Die Olympischen Winterspiele werden eine außergewöhnliche Visitenkarte für Italien vor den Augen der Welt sein, ein Ereignis, das durch jahrelange harte Arbeit Wirklichkeit wurde. Es ist wirklich unverständlich, einen Israel-Hasser und Gegner der Mitte-Rechts-Regierungskoalition in Rom bei der Eröffnungsfeier auftreten zu lassen. Italien und die Olympischen Winterspiele verdienen keinen pro-palästinensischen Fanatiker“, erklärte die Partei.
Der parteiunabhängige Sportminister Andrea Abodi betonte dagegen, dass die Eröffnungszeremonie der Olympischen Winterspiele auf Inklusion und gegenseitigem Respekt ausgerichtet sei. „Das schließt das Risiko freier Interpretationen aus. Ich bin der Meinung, dass ein Land in der Lage sein muss, den Auftritt eines Künstlers zu akzeptieren, der eine Meinung geäußert hat, die wir nicht teilen – eine Meinung, die auf dieser olympischen Bühne jedoch nicht zur Sprache kommen wird“, erklärte der Minister.
Noemi Di Segni, Präsidentin der Union der Jüdischen Gemeinden Italiens (UCEI), hofft, dass Ghali bei den Olympischen Winterspielen nicht die Auseinandersetzung sucht. Auf der Gegenseite erklärte Irene Manzi, Fraktionsvorsitzende der oppositionellen Demokratischen Partei (PD) im Kulturausschuss der Abgeordnetenkammer: „Die Angriffe gegen Ghali sind völlig inakzeptabel: Auf der einen Seite Minister Abodi, der eine präventive Zensur fordert, auf der anderen die Lega, die ihn mit unannehmbaren Beleidigungen angreift. Kunst ist frei und darf nicht aus politischen oder ideologischen Gründen instrumentalisiert werden.“
Künstler spricht von „Völkermord in Gaza“
Vertreter der oppositionellen Fünf-Sterne-Bewegung erklärten: „Wenn ein Minister sich das Privileg herausnimmt zu sagen, dass ein Künstler ‘seine Meinung nicht auf der Bühne äußern wird‘, spricht er nicht von Respekt oder Ethik – er fordert eine präventive Zensur“. Es gehe nicht darum, ob man Ghalis Ideen teile oder nicht. „Gravierend ist, dass wir es hier mit einer Regierung zu tun haben, die im Voraus festlegen will, was gesagt werden darf und was nicht“, so die oppositionelle Bewegung.
Ghali, mit vollständigem Namen Ghali Amdouni, wurde 1993 als Sohn tunesischer Eltern in Mailand geboren und wuchs im Vorort Baggio auf. In dieser Hochhaussiedlung entdeckte er im Alter von elf Jahren den Rap für sich. Die offene Anprangerung von Rassismus ist ein wiederkehrendes Motiv in Ghalis Texten. Zuletzt hat er wiederholt Israel scharf kritisiert und offen von einem „Völkermord in Gaza“ gesprochen.
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