Josef Grünwidl geweiht

Ende einer Ära: Neuer Wiener Erzbischof trägt Bart

Wien
24.01.2026 19:00

Wird der neue Wiener Erzbischof Josef Grünwidl gar zum Trendsetter? Er setzt jedenfalls neue Akzente selbst mit seinem Aussehen: Nach mehr als 340 Jahren ist er der erste Wiener Oberhirte, der wieder Bart trägt. Aber auch sonst kommen bei ihm ein paar einzigartige Konstellationen zusammen.

Mit dem neuen Wiener Erzbischof Josef Grünwidl geht nach der langen und prägenden Amtszeit von Kardinal Christoph Schönborn nicht nur in kirchlicher Hinsicht eine Ära zu Ende: Grünwidl ist auch der Erste nach Fürstbischof Emerich Sinelli (1680–1685), der wieder Bart trägt.

Aber auch seine Biografie prägen mehrere Besonderheiten. So steht Grünwidl, als musikalisch geprägter Mann, in einer seltenen Tradition: „Seit Georg von Slatkonia, dem ersten in Wien residierenden Bischof, ist er der zweite Musiker auf dem Wiener Bischofsstuhl“, verrät die Erzdiözese Wien, an deren Spitze mit Grünwidl auch erst zum zweiten Mal ein gebürtiger Weinviertler (NÖ) steht.

Überhaupt ist Grünwidl der erste (Erz-)Bischof Wiens, der in seinem frühen priesterlichen Dienst Sekretär des Wiener Erzbischofs war; der erste Diözesanadministrator und der erste Bischofsvikar, der zum Oberhirten der Diözese berufen worden ist.

Außerdem ist er laut Erzdiözese auch „der erste Erzbischof, der aus der konkreten Pfarr‑ und Jugendseelsorge kommt und mehrere Jahre den Vorsitz des Priesterrates geführt hat“.

Nach langem Zögern Erzbischof „aus vollem Herzen“
Seit Samstagnachmittag ist er offiziell der 33. Wiener Erzbischof, geweiht im Wiener Stephansdom. Ein Meer aus 3000 Gläubigen, kirchlichen und weltlichen Vertretern waren gekommen – und in ihrer Mitte mit Josef Grünwidl ein Mann, der eigentlich nicht im Rampenlicht stehen wollte.

Denn der gebürtige Weinviertler hatte nach der Pensionierung von Kardinal Christoph Schönborn vorübergehend zwar die Leitung der Erzdiözese übernommen; dann aber gezögert, das Amt des Oberhirten anzunehmen. Bis er erkannte: „Gott will mich nicht perfekt, sondern verfügbar.“

Anfangs „Nein“ zum Amt
Als Erzbischof habe er die Aufgabe, die Gemeinschaft der Gläubigen in der Diözese zu leiten und nicht nur administrative Leitungsaufgaben: „Und genau das hat dich erschrocken“, erinnerte sein Vorgänger, Kardinal Christoph Schönborn, bei der Bischofsweihe daran.

„Dein ,Nein‘ damals zeigt, dass du das Amt wirklich nicht angestrebt hast“, sorgte Schönborn für ein kollektives Schmunzeln im Stephansdom. Das erinnerte Schönborn an ihren gemeinsamen Start 1995, als er Erzbischof und Grünwidl sein Sekretär wurde: „Dazu hast du damals ,Ja’ gesagt.“

Schon bald wollte Grünwidl zurück in die pfarrliche Seelsorge: „Du wolltest wirklich keine kirchliche Karriere. Du wolltest immer bei den Menschen sein.“

Papst Leo XIV. würdigt Josef Grünwidl als „Brückenbauer, Seelsorger und Teamplayer“, der „in ...
Papst Leo XIV. würdigt Josef Grünwidl als „Brückenbauer, Seelsorger und Teamplayer“, der „in reichem Maß priesterliche und menschliche Talente gesammelt“ habe.(Bild: EPA/FABIO FRUSTACI)

„Ein hörendes Herz“
Das „hörende Herz“ Grünwidls „bezeugen so viele Menschen aus den Pfarren, in denen du tätig warst“. Ein solches Herz müsse auf Dreierlei hören, so Schönborn: „auf Gott, auf das eigene Gewissen, auf die Menschen.“ Bei seinem anfänglichen „Nein“ habe ihn beeindruckt, „wie sehr du auf dein Gewissen gehört hast“, so der Kardinal. Schelmischer Nachsatz: „Das war nicht immer leicht für den Nuntius.“

Doch Grünwidl habe auch auf die Menschen gehört – „das hast du als Pfarrer immer geliebt“ – und so sei es gekommen, „dass dein klares Nein einer inneren Bereitschaft gewichen ist“.  Schönborn: „Ob man den Nächsten liebt, das merkt man. Und bei dir, lieber Josef, haben die Menschen es gemerkt.“

Respekt und Zuversicht nach dem „ersten Schrecken
So empfing Grünwidl nun „nach dem ersten Schrecken“ mit Respekt und Zuversicht sichtlich demütig gerührt die Bischofsweihe. Wie das Ritual es vorsieht, begann das für den Erwählten liegend auf dem Boden: Währenddessen vereinte sich symbolisch die Kirche der Gegenwart mit jener der Vergangenheit, den Heiligen und litaneiartig wurde der Himmel „mit ihren Bitten für die Welt, die Kirche und den Erwählten bestürmt“, wie es die Erzdiözese beschreibt.

Danach legten alle Bischöfe Grünwidl ihre Hände auf: allen voran Hauptkonsekrator Kardinal Schönborn und die beiden Mit-Konsekratoren, Erzbischof Franz Lacknner und der Leitmeritzer Bischof Stanislav Přibyl, dann alle anderen.

Die tiefe Stille, die dabei herrschte, ergriff wohl die Herzen aller Anwesenden – spätestens, als die Pummerin ertönte und dem Ganzen noch einmal nachdrücklich an die Bedeutung dieses Augenblicks erinnerte: Es ist ein Zeichen der Geistbegabung, wie es einst schon die Apostel taten.

In aller Kürze

  • Josef Grünwidl wurde 1963 in Hollabrunn geboren und wuchs in Wullersdorf auf. 1988 empfing er die Priesterweihe. Seelsorglich tätig war er in Wien und Wiener Neustadt, später als Pfarrer im südlichen Niederösterreich und in Perchtoldsdorf.
  • Von 1995 bis 1998 war er Sekretär von Erzbischof Schönborn, 2023 wurde er zum Bischofsvikar für das Vikariat Süd ernannt.
  • Seit der Emeritierung von Kardinal Schönborn am 22. Jänner 2025 leitete er die Erzdiözese interimistisch als Apostolischer Administrator der Erzdiözese Wien.

„Hatten es nicht immer leicht mit mir“
„Exzellenz, ich weiß, Sie hatten es nicht immer leicht mit mir“, erklärte dann der frisch geweihte neue Erzbischof Grünwidl zum apostolischen Nuntius gewandt, „aber Sie haben mich immer ermutigt, ermahnt, bestärkt. Dafür danke ich Ihnen.“ Auch Kardinal Schönborn dankte Grünwidl von Herzen: „Als Mensch bist du mir ein echter Freund, als Christ ein Vorbild und als Erzbischof ein Wegweiser.“

Er selbst wollte „Gottes Melodie, die Partitur ds Evangeliums, im eigenen Leben und im Leben vieler anderer zum Klingen bringen“, betonte der musikalisch geprägte Grünwidl. Er sieht sich nicht als wichtig in der Kirche: „Es geht nicht darum, wer vorne steht, sondern darum, wer groß ist in der Liebe im Einklang mit Gottes Melodie.“

Glückwünsche von Bundespräsident Alexander van der Bellen
Glückwünsche von Bundespräsident Alexander van der Bellen(Bild: Markus Goestl)

„Unverzichtbarer Beitrag für Solidarität“
Bundeskanzler Christian Stocker freut sich „auf ein konstruktives Miteinander, vor allem, wenn es um den Dialog und den Zusammenhalt in unserem Land geht. Das Wirken des neuen Erzbischofs wird einen unverzichtbaren Beitrag für Solidarität, Nächstenliebe und Verantwortung füreinander leisten.“

Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner betonte, wie tief verwurzelt der gebürtige Weinviertler in den Gemeinden sei: „Niederösterreich kennt ihn als guten Hirten, als Mensch, der zuhört, der tröstet, der Mut gibt. Unser Land freut sich auf dich!“

Auch Wiens Bürgermeister Michael Ludwig gratulierte und meinte, dass der neue Erzbischof der Katholischen Kirche guttun wird. Und Caritas-Präsident Michael Landau freut sich über den neuen Erzbischof „im Blick auf die Erzdiözese Wien, aber auch im Blick auf die Kirche in Österreich und das traditionell sehr gute ökumenische Miteinander in unserer Heimat“.

„Möglichst einfaches“ Auftreten
Grünwidl hatte im Ritual der Bischofsweihe neue Akzente gesetzt: So fing die Feier nicht vorn beim Altar an, sondern in der Mitte des Doms beim gläsernen Taufbecken mit einer Tauferneuerung. Dort verlas auch eine Seelsorgerin aus dem Weinviertel (NÖ) das Ernennungsschreiben von Papst Leo, nicht wie üblich der Ordinariatskanzler. 

Grünwidls Insignien sind schlicht gehalten – und zum Großteil „recycled“.
Grünwidls Insignien sind schlicht gehalten – und zum Großteil „recycled“.(Bild: Erzdiözese Wien/ Schönlaub)

Und seine Insignien waren betont bescheiden gewählt: Der Hirtenstab ist der schlichte Holzstab des verstorbenen Wiener Weihbischofs Helmut Krätzl, nur mit einer versilberten Krümme am Ende, als Bischofsring trägt er einen versilberten Konzilsring und sein Kreuz ist eine Kopie des Kreuzes von Papst Franziskus. Nur die Bischofsmütze, die „Mitra“, ist extra angefertigt worden: „Die muss einfach passen“, hatte Grünwidl vor der Feier dazu erklärt.

Zur Feier abgeholt worden war Grünwidl übrigens von 60 Jugendlichen im Erzbischöflichen Palais – wie in Niederösterreich bei ähnlichen Anlässen üblich, spielte dabei die Blasmusik auf. 

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