Feuer in Crans-Montana

Brandschutz-Zuständige haben sich Anwälte zugelegt

Ausland
23.01.2026 15:38
Porträt von krone.at
Von krone.at

Nach dem Feuerinferno von Crans-Montana dürfte der Kreis der Beschuldigten wachsen. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis ermittelt wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und Brandstiftung. Der Betreiber der Bar, Jacques Moretti, sitzt weiter in Untersuchungshaft.

Seine Frau, die das Lokal mit ihm betrieben hat, befindet sich auf freiem Fuß. „Derzeit gelten ausschließlich die Betreiber als beschuldigte Personen. Die Staatsanwaltschaft behält sich jedoch ausdrücklich vor, das Verfahren auf alle Personen auszuweiten, deren strafrechtliche Verantwortung in Betracht gezogen werden könnte“, sagte Staatsanwältin Beatrice Pilloud. Damit könnten etwa die Zuständigen für den Brandschutz der Schweizer Gemeinde Crans-Montana gemeint sein. So wurde bereits eingeräumt, dass die eigentlich vorgeschriebenen Kontrollen in der Bar seit 2019 nicht mehr durchgeführt worden waren. Die Verantwortlichen lassen sich inzwischen schon von Anwältinnen und Anwälten vertreten.

In den kleinen Gemeinden im Schweizer Kanton Wallis kennen sich alle Amtsträgerinnen und Amtsträger, viele sind auch über ihre Parteizugehörigkeit vernetzt. Daher wird derzeit die Gefahr von Freunderlwirtschaft ins Spiel gebracht. Kritikerinnen und Kritiker forderten, dass die Ermittlungen von einem Sonderstaatsanwalt außerhalb des Kantons geführt würden. Pilloud sagte jedoch, dass es weder objektive noch rechtliche Gründe dafür gebe.

Das betroffene Lokal „Le Constellation“
Das betroffene Lokal „Le Constellation“(Bild: AFP/MAXIME SCHMID)
Bei dem Brand kamen 40 Menschen ums Leben.
Bei dem Brand kamen 40 Menschen ums Leben.(Bild: AFP/MAXIME SCHMID)
Barbetreiber Jacques Moretti sitzt in Untersuchungshaft.
Barbetreiber Jacques Moretti sitzt in Untersuchungshaft.(Bild: AFP/FABRICE COFFRINI)


Kontroversen über Verlauf
Über den bisherigen Verlauf der Ermittlungen gibt es Kontroversen. Kritisiert wird beispielsweise, dass keine Obduktionen oder weitgehende forensische Untersuchungen der Todesopfer angeordnet wurden. In Rom ließ die Staatsanwaltschaft nach der Überführung der Leichname eigene Obduktionen durchführen. Ungefähr 130 Verletzte und Angehörige haben sich bisher als Zivilklägerinnen und Zivilkläger registriert.

Bei dem Feuerinferno in der Silvesternacht waren 40 Menschen ums Leben gekommen und 116 größtenteils schwer verletzt worden. Einige Brandopfer brauchen monate - oder gar jahrelange Behandlungen. Das Feuer war beim Feiern höchstwahrscheinlich durch sprühende Partyfontänen ausgelöst worden, die den Schaumstoff an der Decke in Brand setzten.

Lager mit Pyrotechnik entdeckt
Laut einem Ermittlungsbericht, der der Zeitung „Bild“ vorliegt, haben Forensikerinnen und Forensiker im Untergeschoss des Lokals jetzt ein Lager voller Pyrotechnik entdeckt. Auch verbotene Böller sollen dabei zum Vorschein gekommen sein. Eine Bedienung soll demnach in der Silvesternacht zwei Flaschen Sekt mit Feuer-Fontänen am Flaschenhals durch das Untergeschoss transportiert haben. Dieses Ritual sei seit einem Jahrzehnt durchgeführt worden, sagte Inhaber Moretti. Passiert sei nie etwas, er habe persönlich Tests mit dem Schaumstoff durchgeführt.

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