Erst schleichend, dann mit klaren Signalen: Große europäische Investoren ziehen sich zunehmend aus US-Staatsanleihen zurück. Was als einzelne Entscheidung begann, verdichtet sich nun zu einer Entwicklung, die an den Finanzmärkten aufmerksam beobachtet wird – und die auch politische Sprengkraft birgt.
Nach dem dänischen Pensionsfonds hat nun auch der schwedische Fonds Alecta einen Großteil seiner US-Anleihen verkauft. Investmentchef Pablo Bernengo nannte politische Risiken, unvorhersehbare US-Politik, hohe Haushaltsdefizite und wachsende Staatsverschuldung als Gründe. Laut „Dagens Industri“ liegt das Verkaufsvolumen bei 70 bis 80 Milliarden schwedischen Kronen.
Schritt mitten in Grönland-Kontroverse
Zuvor hatte der dänische Fonds AkademikerPension US-Anleihen im Wert von rund 100 Millionen Dollar abgestoßen. Investmentdirektor Anders Schelde verwies auf die angespannte Finanzlage der USA, betonte aber, dass die politischen Spannungen zwischen Europa und den USA keinen direkten Einfluss hatten.
Der Schritt fällt in die Zeit der Grönland-Kontroverse: US-Präsident Trump beansprucht die Arktisinsel und drohte europäischen Staaten mit Strafzöllen.
„Sell America“-Trend macht Druck auf Washington
In diesem Kontext wird an den Märkten bereits vom „Sell America“-Trend gesprochen. Der Grünen-Europaabgeordnete Rasmus Andresen forderte einen EU-weit koordinierten Kaufstopp von US-Anleihen, um Druck auf Washington auszuüben.
Die Ratingagentur Scope hält einen groß angelegten, koordinierten Verkauf europäischer US-Anleihen für unwahrscheinlich, sieht aber eine schrittweise Diversifizierung und steigende Risikoprämien wegen der wachsenden US-Staatsverschuldung. US-Finanzminister Scott Bessent wies Sorgen vor einem Ausverkauf zurück und betonte, ausländische Investitionen auf Rekordniveau seien weiterhin gegeben.
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